Frohe Botschaft für St. Paulus Perlach

Freuen sich über den unverhofften Geldsegen: MdL Markus Blume, der Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser, Pfarrer Dietrich Röhrs und Michael Kammerloher vom Kirchenbauausschuss. Foto: ick

Frohe Botschaft für die evangelische St. Paulus-Gemeinde in Perlach: Sie erhält aus dem Bundeshaushalt 100.000 Euro für die Renovierung ihres Kirchenbaus. Nun muss geklärt werden, ob das Geld für das Dach der Kirche oder des Pfarrhauses ausgegeben wird. Vielleicht können durch den unerwarteten Geldsegen sogar beide Bauten zum Zuge kommen.

Die wunderbare Botschaft kam bei Pfarrer Dietrich Röhrs per E-Mail. HALLO hatte um Stellungnahme gebeten und der Pfarrer staunte nicht schlecht, als er die angehängte Pressemeldung des Bundestagsabgeordneten Herbert Frankenhauser las. Aus dem Fond „Förderung von Kulturdenkmälern von nationaler Bedeutung“ erhält die Perlacher Gemeinde 100.000 Euro für ihre Renovierungsarbeiten. „Ich bin wirklich sehr glücklich und zufrieden, dass es geglückt ist, die St. Paulus-Kirche durchzubringen“, so Frankenhauser. „Sonst muss ich als stellvertretender Vorsitzender im Haushaltsausschuss immer nur übers Sparen reden.“ Um die 30 Millionen Euro, mit denen dieses Extra-Programm dotiert ist, hatten sich Tausende aus ganz Deutschland beworben. „Es gibt ungeheuer viele Baudenkmäler mit historischer Bedeutung, die in die Jahre gekommen sind und deren Träger und Eigentümer nur mit Hilfe von außen die notwendigen Renovierungen durchführen können.“ Doch: „Was wäre unsere Heimat ohne die vielen Kulturdenkmäler und Kirchen?“ Die Perlacher sind die einzige Münchner Bewerbung, die es geschafft hat. Angeregt wurde sie von dem CSU-Landtagsabgeordneten Markus Blume, der sich auch im Kirchenvorstand von St. Paulus engagiert. Gemeinsam mit Frankenhauser hatte er nach Wegen gesucht, die finanziellen Mittel für dringend benötigte Renovierungen in der Gemeinde zu erschließen. Am Ende gab es zwei Anträge, die aufgrund des Bewerbungsschlusses innerhalb weniger Stunden mit allen erforderlichen Daten hieb- und stichfest gemacht wurden. Ende März erst wurden die Unterlagen abgegeben. Zum einen wurde Geld für die Dachsanierung der Kirche, zum anderen für die Dachsanierung des Pfarrhauses beantragt. Beide Gebäude sind historisch, an beiden besteht Handlungsbedarf (siehe Kasten). Welchem Bau das Geld zugute kommen wird, muss nun entschieden werden. Wichtig ist: Die Arbeiten müssen noch in diesem Jahr begonnen werden und es muss die Finanzierung komplett stehen, damit die Arbeiten nicht ins Stocken kommen. Nach Fachschätzungen betragen die Sanierungskosten bei der Kirche etwa 150.000 Euro, beim Pfarrhaus etwa 100.000 Euro. „Wirtschaftlich wäre eine Gesamtrenovierung beider Gebäude“, so Michael Kammerloher vom Kirchenbauausschuss. Vielleicht können sich angesichts des unerwarteten Geldsegens aus Berlin ja die Münchner Kirchenverwaltung und die evangelische Landeskirche zu einem Zuschuss überreden lassen. Gerade inmitten des historischen Ambientes von Perlach sei es wichtig, die Kirche zu pflegen, so Pfarrer Röhrs. Mit den 100.000 Euro aus dem Bundeshaushalt sei nun „Luft am Kragen“. Carmen Ick-Dietl Was muss saniert werden? Die St. Paulus-Kirche in Perlach ist Münchens ältestes, noch erhaltenes protestantisches Gotteshaus. Sie wurde 1849 von Georg Friedrich Ziebland erbaut. 2007 wurde die Kirche unter erheblicher finanzieller Eigenleistung der Kirchengemeinde innen saniert. Nun geht es um die äußeren Teile. Laut einem Gutachten sind die tragenden Teile von Dachstuhl und Kirchturm in Ordnung; hier gilt es nur ein paar dem Alter des Gestühls geschuldete Nachbesserungen auszuführen. Am Dachstuhl des Turms gibt es jedoch stark angefaulte Stellen an den Balkenköpfen. Zudem ist die Lamellen-Verblendung der Schalllöcher marode und fällt nach und nach herunter. Ein verdächtiger Stoß am Turm-Dachstuhl kann erst untersucht werden, wenn das Turmblech entfernt ist. Die Eindeckung des Kirchendachs stammt zum Teil noch aus der Vorkriegszeit und bedarf einer Erneuerung. Michael Kammerloher vom Kirchenbauausschuss befürchtet, dass ein starker Sturm oder Hagelschlag erhebliche Schäden anrichten könnte. Weil keine Schalung darunter ist, könnte in der Folge Wasser in die Tonnenkonstruktion der Kirche eindringen. „Das wäre eine Katastrophe“, so Kammerloher. Auch die Fassade braucht dringend eine Renovierung. Aufsteigende Feuchte und der Zahn der Zeit haben ihr erheblich zugesetzt. „Wir haben hier verschiedene Probleme mit unbekannten Größen.“ Das Pfarrhaus von St. Paulus stammt aus dem Jahr 1904 und wurde von Architekt Theodor Fischer entworfen und gebaut. Ab 2008 wurde das Innere saniert. Während der Arbeiten tauchten zahlreiche Probleme auf, die die Maßnahmen auf über zwei Jahre ausdehnten. Nun ist es ein energetisch saniertes historisches Gebäude, das dem heutigen Wohnkomfort durchaus entspricht. Offen sind jedoch noch die Sanierung des Dachs und der Fassade. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Das Dach ist mit Biberschwänzen unbekannten Alters gedeckt, die immer wieder abrutschen. So kann Regenwasser in die Isolierung eindringen. Die Decken in der Wohnung kühlen aus, damit ist Schimmelbildung programmiert. Der Putz der Fassade stützt sich teilweise nur am Gebäude ab, eine echte Verbindung besteht nicht mehr. „Der Putz steht regelrecht vor der Wand.“ Er müsste abgeschlagen und erneuert werden. Danach ist ein Anstrich des gesamten Hauses fällig. – ick –

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