Eine sehr britische Theaterpremiere im Behrpark

Am kommenden Samstag, 14. Juli, ist es wieder so weit: An drei Juli-Wochenenden spielt das Berg am Laimer Theaterensemble eine englische Komödie mit dem Namen „Bubblegum und Brillanten“. Vorstellungen finden am 15. Juli, am 21./22. Juli und schließlich am 28./29. Juli statt, jeweils um 19.30 Uhr. Foto: Franz Still

Sie schieben Kulissen, es wird geschminkt, Frisuren werden drappiert und Bärte in Form gebracht, am richtigen Licht wird gedreht und der Ton inspiziert, die Darsteller bringen sich in Position und intonieren Textpassagen, die Regie gibt wort- und gestenreich jede Menge Anweisungen – Szenen quirligen Theaterwahnsinns, wie sie in diesen Tagen bei den abschließenden Proben der Berg am Laimer Theatergruppe „Artanos“ für ihr neues Stück „Bubblegum und Brillanten“ wieder einmal zu beobachten sind.

Aber keine Angst, die Herrschaften behalten im wuseligen Durcheinander den Überblick – schließlich sind die Damen und Herren bei Artanos alte Hasen in ihrem darstellenden Gewerbe. Seit 17 Jahren bringt die Theatergruppe des Bürgerkreises Berg am Laim alljährlich viel beachtete Stücke auf die Bühne. Ab dem 14. Juli ist es wieder so weit. An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden verwandelt die ambitionierte Truppe den sonst so beschaulichen Behrpark im Zentrum des Stadtteils wieder in eine kräftig illuminierte Freilichtbühne. Am kommenden Samstag ist Premiere. Bretter, die die Welt bedeuten Wenn das Wetter einmal nicht mitspielt, schauen hiesige Theaterfreunde aber keineswegs in die Röhre. Dann mutiert die Aula der nahen Maria-Ward-Realschule an der Josephsburgstraße 22 zur Heimat der „Bretter, die die Welt bedeuten“. Wer dem mittlerweile schon traditionsreichen Berg am Laimer Theatersommer beiwohnen möchte, hat insgesamt sechsmal Gelegenheit, das neue Artanos-Stück gebannt-entspannt zu verfolgen. Nach dem Premierenwochenende am Samstag und Sonntag wird auch an den beiden folgenden Wochenenden samstags und sonntags gespielt. Der Vorhang öffnet sich jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. „Spenden sind natürlich willkommen – damit finanzieren wir dann bereits die nächstjährige Produktion“, erklärt Artanos-Pressearbeiterin Andrea Kugler. Schließlich soll der Theater-Sommer ja noch viele Neuauflagen erleben. Das Stück – eine englische Komödie Heuer geht es erst einmal „very british“ zu in einer englischen Komödie des zeitgenössischen Autors Jürgen Baumgarten. Schwarzer Humor satt in der Kulisse eines englischen Landsitzes – dramatische Zutaten vom Schuldenmachen, von Diebstahl, Betrug ja sogar Auftragsmord würzen einen Krimi, der eigentlich gar keiner ist. „Es geht wie so oft um den schönen Schein und was man alles anstellt, um ihn zu wahren“, unterstreicht Artanos-Sprecherin Kugler die Bezüge zwischen spannendem Stück und Lebensrealität. Im Mittelpunkt des skurril-humorigen Treibens mit beißendem Wortwitz agieren dabei Lord und Lady Middlesome. Der Earl of Eastermoor hat die besten Zeiten hinter sich gelassen, ist bankrott und will nun mit seiner Gattin per Selbstmord aus dem Leben scheiden, damit die Versicherungssumme wenigstens für die liebe Nachwelt reicht. Doch der Lord erweist sich auch beim potentiellen Selbstmord ähnlich erfolglos wie zuvor bei seinen geschäftlichen Kapriolen – die liebe Verwandschaft, Butler, Konkursverwalter und Versicherungsagentin machen dem Geplagten und seiner Gattin das geplante Hinscheiden nicht eben einfacher. Kapriolen, Wortwitz britischen Zuschnitts und Tiraden schwarzen Humors versetzt mit einer ganzen Reihe skurriler Charaktere – eine britische Komödie vom Feinsten mündet in einer Persiflage ungeahnten Ausmaßes. Unbedingt sehenswert – auch weil das Artanos-Ensemble einmal mehr auf der Bühne und hinter den Kulissen voll überzeugt. Einmal im Spielrausch, sind längst alle Kapriolen der letzten Proben bewältigt. Bühne frei! Sommernachtstraum – nur umgekehrt „Tragödien sind nicht unbedingt unser Fall, aber zu seicht soll es keinesfalls sein – die Stücke müssen einfach zur Truppe passen“, umreißt Andrea Kugler das Anforderungsprofil. „Wir bei Artanos lieben eher doppelbödige Stücke, mit Situationskomik und Wortwitz“. Ein Anspruch, den man mit dem aktuellen Werk „Bubblegum und Brillanten“ wieder umsetzen konnte. Insgesamt kann die Berg am Laimer Truppe auf eine recht erfolgreiche Historie im Genre des Laienspiels zurückblicken. Den Anfang des alljährlich sommernächtlichen Treibens im Münchner Osten machte – wie könnte es anders sein – 1995 die Inszenierung des „Sommernachtstraum“ aus der Feder des großen Dramatikers William Shakespeare. Damals entstand auch der Ensemblename ART-AN-OS – zusammengefügt aus den umgekehrten Anfangssilben von SOmmerNAchtsTraum. Doch nicht nur mit Wortwitz sollte das Team fortan überzeugen – der Behrpark wurde in den Folgejahren zu einem wahren Zauberwald gelungenen Amateur-Sommertheaters. Die Proben beginnen bereits im Winter Intensive Arbeit einer engagierten Mannschaft von Bühnenfreunden mündete in immer wieder neue Aufführungserfolge. Egal ob mit Kotzebues’ „Die deutschen Kleinstädter“, Wolfgang Hildesheimers „Drachenthron“ oder Goldonis legendärem „Diener zweier Herren“ – Artanos wagte sich stets mit Verve und viel Einsatz an die Stoffe großer Autoren von Dürrenmatt bis Gogol, Thoma bis Agatha Christie. „Um überhaupt einen Theatersommer bieten zu können, müssen wir freilich bereits im Winter mit der Arbeit beginnen“, erzählt Kugler. Die Auswahl des richtigen Stückes, der Akteure und die Entwicklung eines funktionierenden „Drumherums“ braucht seine Zeit. Was auf der sommerlichen Bühne federleicht und stimmig daherkommt, ist in vielen Proben schweißtreibend erarbeitet worden. Rund zwei Dutzend Ensemble-Mitglieder wirbeln derzeit auf und neben der Bühne – oft in Zwei- und Dreifachrollen. Da ist die Souffleuse, die auch noch Kostüme in Form bringt oder der Darsteller, der in seiner Parallelprofession gerade noch eifrig am Bühnenbild werkelt. Der Lichttechniker muss gleich selbst auf die Bühne. „Da muss alles passen“, lacht Kugler. Es passt auch bei Brian McNeill. Der Mann ist nicht nur begeisterter Parttime-Mime bei Artanos und glänzte bereits in der Rolle eines Butlers im letztjährigen Stück – heuer hat er mit Karin May-Brandstätter sogar die Co-Regie übernommen. Auch die anderen Akteure kommen zum großen Teil aus Berg am Laim – „keine Voraussetzung, Nachwuchs ist jederzeit willkommen, gerne auch aus anderen Stadtteilen“, so Kugler. Vom Schauspiel leben kann ohnehin hier keiner. Abseits der Bühne werkeln alle in ihren Brotberufen – vom Lehrer bis zum Hausmeister, von der Pflegerin bis zur Bankangestellten. „Wir erhalten über unseren Dachverein, dem Bürgerkreis Berg am Laim, Fördermittel vom städtischen Kulturreferat“, so Kugler. Doch Gage bekomme niemand. „Ohne die Spenden der Zuschauer könnten wir nicht einmal unsere Kosten und Auslagen bestreiten“. Wünsche „Zuallererst hoffen wir natürlich, dass der Wettergott mitspielt und wir auf der Freilichtbühne agieren können“, so Kugler. Aber auch perspektivisch gibt es Wünsche. „Engagierten Zuwachs, gerne auch jüngere Männer, könnten wir gut gebrauchen“, zählt sie auf (Kontaktinformationen und viel Informatives im Internet unter www.artanos.de oder per Mail an atkugler@web.de) . Die Chemie in der Truppe müsse freilich stimmen. „Bei uns packt jeder mit an und hat einen Blick aufs Ganze“. „Natürlich wünschen wir uns weiter so viel Resonanz auf unsere Arbeit“. Apropos Arbeit: geprobt wird schon ab dem Winter regelmäßig jede Woche. „Kurz vor den Aufführungen nimmt die Intensität natürlich zu“, schmunzelt Kugler. Sie muss jetzt auch wieder ran. Die Generalprobe zu „Bubblegum und Diamanten“ steht an. Da ist auch die schauspielernde Kassenfrau und Pressedame wieder gefragt. Mit dem Blick fürs Ganze aus vielen unterschiedlichen Detailperspektiven. Vorhang auf! Harald Hettich

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