Denn manchmal kennt Liebe doch Grenzen

Berg am Laimerin schreibt ein Buch über ihre Affäre mit einem Iraner

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Alltag in Teheran, der Hauptstadt des Iran. Ein Land, über das derzeit viel geredet wird.

Morddrohungen, Überwachung durch einen Geheimdienst — und eine Liebe, die es nicht geben darf. Was wie der Klappentext eines neuen Romans klingt, hat eine Frau aus Berg am Laim tatsächlich erlebt. In ihrem Buch „Anna und Reza: eine deutsch-iranische Liebe“ erzählt sie unter dem Pseudonym Anna König von ihren Erlebnissen, die mit einem Urlaub in Georgien beginnen und schnell zu einer Zeit der Angst werden.

„Das Schreiben des Buches war therapeutisch, aber das war nicht alles“, sagt Anna König heute. „Die Geschichte war einfach so ungewöhnlich, dass ich sie aufschreiben musste.“ Ein deutscher, Oscar-prämierter Regisseur will den Stoff jetzt sogar verfilmen.

Die Amour fou begann 2012. Die damals 49-jährige Anna König, Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern, wollte sich von ihrer Ehe erholen. „Wir waren eines dieser Paare, die nie gestritten haben“, sagt sie. Der Langeweile entfloh sie in Georgien, nur mit sich selbst im Gepäck. Hals über Kopf verliebte sie sich dort in den 26-jährigen Iraner Reza und stürzte sie sich in das wilde Abenteuer. Doch lange blieben sie nicht für sich alleine.

Anna König war Mitglied bei Amnesty International, Reza war Lehrer in einer Sprachschule; der iranische Geheimdienst wurde schnell misstrauisch. „Telefonate wurden abgehört. Ich erhielt anonyme E-Mails und Nachrichten mit Drohungen von Rezas Accounts, auf die er dank Nachrichtendienst keinen Zugriff hatte“, erzählt Anna König. Selbst zurück in Deutschland fühlte sie sich beobachtet. Die Klauen des iranischen Geheimdienstes reichten offenbar bis nach München: „Zumindest wusste der iranische Geheimdienst immer, wann ich wo war.“ 

Eine schwere Hypothek auf einer ohnehin komplizierten Beziehung. Für Reza wurde der Druck zu groß; er verfiel zunehmend in Depressionen. Auch König litt. „Es flossen oft Tränen“, gibt sie zu. „Allerdings habe ich ein festes Netzwerk aus Familie und Freunden, die mir immer den Rücken gestärkt haben.“ Ohnehin wirkt König stark, nichts scheint sie leicht zu erschüttern. 

„In der Diktatur ist man der Willkür des Regimes ausgesetzt“, sagt sie zurückblickend. Als Reza nach Deutschland ausreisen wollte, wurde sein Pass ohne jegliche Begründung eingezogen. Erst gegen eine Zahlung von 10.000 Euro konnte er sich freikaufen und nach Göttingen umziehen. Das Paar war nun im selben Land, wenn auch in zwei verschiedenen Städten. In Göttingen setzte Reza sein Studium der englischen Literaturwissenschaften und Kulturwissenschaften fort. Regelmäßig besuchten sich die beiden. Aber zu ihren anhaltenden Problemen kamen neue hinzu.

Rezas Versuche, sich zu integrieren, gelangen nur halb. „In seinem iranischen Freundeskreis in Göttingen benahm er sich ‚iranisch‘ und in meinem deutschen Freundeskreis in München ‚deutsch‘“, erinnert sich König. Hinzu kam der Kulturschock: Eine außereheliche Beziehung zu einer 20 Jahre älteren Frau – im Iran doppelt undenkbar. Doch die Verbindung zu seiner Heimat konnte und wollte er nicht kappen. Reza reiste immer wieder zurück. Seine Rückkehr war jedes mal ungewiss, der Geheimdienst hatte ihn nach wie vor im Visier. 

Anna Königs Buch endet mit dem psychischen Zusammenbruch Rezas. Heute ist er in Deutschland in Behandlung. Die beiden sind im Moment kein Paar. „Ich hoffe, dass die schönen Zeiten mal wieder kommen“, sagt sie. König ist als Sozialpädagogin tätig und arbeitet mit Flüchtlingen. Trotz allem, was ihr widerfahren ist, bleibt sie ein positiver Mensch. „Ich habe in meinem Leben so viele gute Erfahrungen gemacht. Bin in vielen Ländern gewesen. Ich glaube daran, dass es sich auszahlt, den Menschen zu vertrauen und ihnen Zeit zu geben.“ Integration sei kein Prozess, der von heute auf morgen passiere.

Das Thema Iran ist derzeit hochaktuell. In einer Zeit, in der US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen aufkündigt und die Konflikte im Nahen Osten sich zunehmend verschärfen, hat Anna König mit dem Iran ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Ob sie an eine Lösung für diese Konflikte glaubt? „Morgen mit Sicherheit nicht“, sagt sie. „Mit Diplomatie kommt man weiter als mit einem Hammerschlag.“ Dennoch klingt sie nicht resigniert. Es ist gerade keine gute Zeit für die Liebe zwischen einem Iraner und einer Deutschen. Aber vielleicht hat sie ja auch viel mehr ein großes Abenteuer gesucht.

Maxine Röhrich

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