Spielerisch in virtuelle Welten eintauchen

Edurino aus Berg am Laim führt Vorschulkinder an digitale Medien heran

Eine Füchsin ist auf einem Table-Display und analog zu sehen. Daneben ein Stift.
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Die Füchsin Mika begleitet die Kinder auf ihrer digitalen Abenteuerreise. Neben dem bisherigen Angebot sollen in Zukunft noch weitere Themen wie Fremdsprache oder logisches Denken dazukommen.
  • VonRoman Wintz
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Mit Edurino werden Kinder behutsam und spielerisch an digitales Lernen herangeführt. Auch Eltern profitieren davon und bekommen Tipps. In Berg am Laim sitzen die jungen Entwickler von Edurino, die von der Initiative „Gründerland Bayern“ unterstützt werden.

Für immer mehr Handlungen setzen Menschen digitale Technik ein: Zum Öffnen der Tür, zum Schreiben von E-Mails, beim Abfragen von Tier- oder Pflanzenarten. Aufgrund von allgegenwärtiger digitaler Infrastruktur ist eine ortsunabhängige Kommunikation möglich. Die Interaktion mit Menschen und Dingen nimmt also zu und auf diese Art und Weise werden Medien zu wesentlichen Mitteln, um soziale Wirklichkeit herzustellen. Unser Leben beschränkt sich damit nicht nur auf die physische Welt, sondern entfaltet sich auch in einer virtuellen, digital konstruierten Welt.

Bei öffentlichen und fachwissenschaftlichen Diskussionen steht häufig die Mediennutzung von Kindern im Mittelpunkt. Medienpädagogische Angebote treffen überwiegend auf Zustimmung, mit denen Kinder einen sachkundigen und zugleich kritischen Umgang mit Medien erlernen können. Digitale Medien halten Einzug in alle Bereiche des Lebens – darüber haben sich auch Irene Klemm und Franziska Meyer in ihrer Firma im Werksviertel ihre Gedanken gemacht.

Anfang dieses Jahres haben die beiden das Unternehmen „Edurino“ gegründet. Das Kofferwort setzt sich aus den Begriffen „Education“ und „Rhinozeros“ zusammen. Letzteres dient zugleich als Maskottchen des achtköpfigen Teams. Mit ihrer Idee wollen sie Kinder (4+) behutsam und spielerisch an digitales Lernen heranführen und auch den Eltern die Angst vor digitalen Medien nehmen, aber auch Einrichtungen wie Kindergärten oder Kitas ansprechen.

„Kennengelernt habe ich Franziska im beruflichen Umfeld bei einer Firma für Unternehmensberatung“, erzählt Klemm. Durch ehrenamtliche Tätigkeiten hätten die beiden immer einen Bezug zum Thema Bildung gehabt und sich während der chaotischen Zustände in Pandemiezeiten dazu entschlossen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. „Als ich mitbekommen habe, dass es tatsächlich eine Lehrerin gab, die während Corona mit dem Fahrrad zu jedem einzelnen Schüler geradelt ist, um die Materialien abzuliefern, kam der Impuls, das schleunigst zu ändern“, so Klemm weiter. „Wir wollen die Zeit, die Kinder unvermeidbar mit digitalen Medien verbringen, sinnvoll nutzen“, fügt Franziska Meyer hinzu. Andere Länder seien in diesem Zusammenhang schon wesentlich weiter, einfach weil sie besseres und stabileres Internet hätten.

Software und klassisches Werkzeug

Um ein ideales Konzept zu entwickeln und das Maximum aus ihrem Vorhaben rauszuholen, führten die Gründerinnen mit vielen Eltern, Lehrern, Kita-Leitern, Pädagogen und Kindern Gespräche.

Die virtuelle Welt von Edurino funktioniert mit iOS und Android auf Smartphones und Tablets. Kinder sollen aber nicht nur vom Bildschirm lernen, sondern auch haptisch trainiert werden. Im Edurino-Paket befindet sich deshalb ein ergonomischer Stift aus Bio-Kunststoff, der für Links- und Rechtshänder geeignet ist. „Das Ganze soll eine Kombination aus Soft- und Hardware sein. Den sowieso schon medienaffinen Kindern von heute wird durch die Beschäftigung mit dem Stift zugleich das klassische Werkzeug des Schreibens vermittelt“, erläutert Klemm.

Das Starter-Set bereitet die Kleinen spielerisch auf Lesen und Schreiben vor und möchte gleichzeitig an die virtuelle Welt beziehungsweise die Schule heranführen. Füchsin Mika begleitet die Heranwachsenden auf ihrer Reise, sie ist neben dem Stift Teil der Hardware. Sie wird auf ein beliebiges Smartphone oder Tablet aufgesetzt und los geht die Abenteuerreise. Reime, Silben und kurze Wörter sowie Anlaute und erste Buchstaben stehen auf dem Programm.

Laut Irene Klemm sollen die Beschäftigungsfelder noch erweitert werden. „Hinzu kommen werden noch Bereiche wie beispielsweise Kompetenzen des 21. Jahrhunderts. Das wären dann Themen wie Englisch lernen oder logisches Denken“, so Klemm weiter. Sogenannte Lernpfade in der App werden individuell auf Entwicklungsfortschritte des Kindes angepasst und ermöglichen so ein ideales Lernen. Eltern haben dabei stets die Möglichkeit, die Fortschritte ihrer Kinder zu verfolgen und transparent nachzuvollziehen. Damit die Beschäftigung mit Edurino nicht ausufert und zu viel Zeit vor dem Display verbracht wird, lässt sich die Bildschirmzeit individuell einstellen.

Bisher kooperiert Edurino mit drei Kindergärten, der gemeinnützigen Organisation „Zukunft Digitale Bildung“ und der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Kita-Leiterin Ursula Naumann äußert sich wie folgt zu der Idee von Edurino: „Wichtig ist, dass spielerisch an digitales Lernen herangeführt wird und als Primärerfahrung analoges Lernen mit digitalem Lernen verknüpft wird.“ Zum Gebiet der Sprache sagt Logopädin Melanie Reuß: „Digitale Medien können insbesondere in der Sprachentwicklung eine große Hilfe sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. Apps machen Lerninhalte greifbarer und verstärken die visuelle Wahrnehmung.“

Doch nach wie vor herrscht heutzutage eine große Skepsis gegenüber der Vorstellung, dass Kinder Zugang zu digitalen Medien bekommen. Für die frühe Kindheit gibt es bei Eltern, aber auch pädagogischen Fachkräften, Vorbehalte. Kinder sollen vor dem für sie als schädlich wahrgenommenen Einfluss digitaler Medien geschützt werden.

Edurino hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, dass digitale Medien bereits im Vorschulalter Rechnung tragen, damit sie heute zum Aufwachsen von Kindern selbstverständlich dazugehören und Teil ihres Alltags sind.

Derzeit befindet sich das Unternehmen noch in der Entwicklungsphase, offizieller Start soll kurz vor Weihnachten sein. Für die Gründung von Edurino haben Irene Klemm und Franziska Meyer einen Startzuschuss von 36.000 Euro von der Initiative „Gründerland Bayern“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie erhalten. Ein weiteres Standbein ist die momentan laufende Startnext-Kampagne, über die viele Menschen gemeinsam ein Unternehmen finanzieren.

Roman Wintz

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