„Wir versuchen zu helfen, wo wir können“

Die Ausgabestelle der Münchner Tafel in Berg am Laim gibt es seit 20 Jahren

Die Tafel in Berg am Laim.
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Die Tafel in Berg am Laim kümmert sich seit mittlerweile 20 Jahren um ihre Bürger. Jeden Freitag werden den Gästen Lebensmittel zur Verfügung gestellt.
  • vonRoman Wintz
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Die Tafel in Berg am Laim versorgt seit 20 Jahren bedürftige Bürger mit Lebensmitteln. Bei Wind und Wetter kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer der Münchner Tafel bei der Ausgabestelle, dass die Berg am Laimer Tafelgäste Brot, Fleisch, Obst und Gemüse erhalten

Berg am Laim - Es fühlt sich an wie Spätherbst. Das Thermometer zeigt gerade mal acht Grad Celsius an, zur Krönung fällt Nieselregen. Und das Anfang Mai. Trotz dieser Widrigkeiten bildet sich am Eingang zum Gelände der Tafel hinter der ehemaligen Loretokirche in Berg am Laim eine Schlange. Dick eingepackt warten Mütter mit Kinderwägen, Alleinstehende und Paare in regelkonformen Abstand auf Einlass. Zeigt das Fieberthermometer grünes Licht, haben die Besucher die erste Hürde geschafft.

Gegründet wurde die Tafel in Berg am Laim im Mai 2001. Als Stichtag gilt die Unterzeichnung des Gründungsprotokolls vom 23. Mai 2001. Darin festgehalten sind Punkte wie Vorgehensweise und Planungen, Öffentlichkeitsarbeit und Aufgabenverteilung.
Fritz Schöfinius, Mitorganisator der Tafel Berg am Laim, erläutert: „Alle Personen, die zu uns kommen möchten, werden von der Caritas auf ihre Bedürftigkeit geprüft und müssen entsprechende Bescheide vom Jobcenter oder anderen Behörden vorlegen.“

Die Besucher sind gekennzeichnet durch eine farbliche Markierung. Wer entweder eine rote oder eine blaue Kennzeichnung hat, darf alle zwei Wochen am Freitag zur Tafel kommen. „25 Prozent unserer Besucher sind Härtefälle. Diese Personen dürfen jeden Freitag kommen, ebenso Familien mit vielen Kindern“, so Schöfinius.

Zurzeit versorgt die Tafel in Berg am Laim ungefähr 750 Menschen, davon zirka 250 Kinder. Ihnen stehen 55 ehrenamtliche Helfer zur Seite und 18 Bezieherhelfer, die pro Woche ungefähr 250 Stunden im Einsatz sind. In ganz München gibt es 22.000 Tafelgäste, die zu einer der 27 Ausgabestellen in der Landeshauptstadt kommen.

Nach der Anmeldung an der ersten Station geht es weiter zu einem geparkten Sprinter, in dem die gekühlten Waren bereitliegen. Dort gibt es Fleisch, Fisch, Wurst oder Milch. Anschließend gelangen die Gäste der Tafel zum Obst und Gemüse. Dort können sich die Besucher verschiedene Sorten aussuchen.

Die hohe Kunst sei es laut Schöfinius, die gesamte Menge an Lebensmitteln auf die Anzahl der Bedürftigen aufzuteilen, die sie pro Freitag besuchen. „Es ist jedes Mal wieder eine spannende Herausforderung.“

Mit dem Sprinter nach Hause zu immobilen Bürgern

Neben einer Auswahl an Brot gibt es an der letzten Station ein Angebot an kalten Speisen, die sich die Besucher einpacken können. Seit Ende 2007 steht der Tafel außerdem ein Sprinter zur Verfügung, der verschiedene Transporte ermöglicht und die Versorgung von immobilen Beziehern sicherstellt, die das Haus nicht verlassen können.

Auf dem Gelände an der Josephsburgstraße herrscht eine angenehme Stimmung. Es wird freundlich gegrüßt, einige kennen sich schon über Jahre. Wie so oft an diesem Tag klingelt das Telefon von Fritz Schöfinius. „Leute, die an ihrem Termin nicht anwesend sein können — aus welchen Gründen auch immer — müssen uns absagen. Das klappt hervorragend, da gibt‘s eigentlich nie Probleme“, so der Organisator.

Zu den Aufgaben der freiwilligen Helfer gehört es, Lebensmittel zu sortierten und zu verteilen. Zirka 85 Prozent der Nahrungsmittel werden dabei von der Münchner Tafel zur Verfügung gestellt, der Rest wird mit dem Sprinter von den verschiedenen Spendern im Stadtgebiet abgeholt.

Die Helfer vermitteln den Besuchern abgesehen vom üblichen Betrieb auch gebrauchte Möbel. Sie hätten die Möglichkeit, Möbelstücke auf Bildern am Eingang auszuwählen, diese würden anschließend vom Anbieter zu ihnen transportiert, erzählt Schöfinius. Seit 2002 haben Berechtigte zusätzlich die Chance, gebrauchte Kleidung, Haushaltsgeräte und Spielzeug zu erstehen.

Leicht durchnässt und fast vom Winde verweht, aber trotzdem zufrieden verabschieden sich die Besucher nach ihrer Runde. Erfüllt blickt Fritz Schöfinius auf seine Mannschaft und sagt: „Wir helfen, wo wir können.“ Die Tafel ist jede Woche aufs Neue dankbar für Spenden an Lebensmitteln und finanziellen Mitteln, die von der katholischen Kirchenstiftung, die auch das Grundstück zur Verfügung stellt, verwaltet werden.

Roman Wintz

Wer sich an die Münchner Tafel wenden möchte, darf nach Abzug von Miete und Mietnebenkosten nicht mehr als 432 Euro pro Monat zur Verfügung haben. Erstbesucher der Tafel müssen sich mittwochs zwischen 14 und 15.30 Uhr unter Telefon 29 22 50 anmelden. Die Berg am Laimer Tafel freut sich auch über Spenden. Wichtig ist hierbei,  im Verwendungszweck die Münchner Tafel Berg am Laim zu vermerken: IBAN  DE94750903000002144557,
BIC     GENODEF1M05
Liga Bank der Pfarrei St. Michael Berg am Laim

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