„Der 15. Nothelfer von Perlach“

Der Festring trauert um sein Mitglied mit der Mitgliedsnummer 1: Edi Wagmüller. Foto: privat

„Der 15. Nothelfer von Perlach“, so hat ihn Herbert Jung, der frühere Pfarrer von St. Michael Perlach, mal genannt. Denn helfen gehörte zu den hervorragendsten Eigenschaften von Eduard Wagmüller. Vergangene Woche ist der „Metzger zu Perlach“ im Alter von 88 Jahren verstorben.

Beim Festring Perlach war Eduard Wagmüller mit der Mitgliedsnummer eins verzeichnet. Kein Zufall, schließlich war Wagmüller Gründungsmitglied des Perlacher Heimatpflegevereins und hatte 1990 den Festzug bei der 1200-Jahr-Feier von Perlach arrangiert. Ein Umstand, den das spätere Ehrenmitglied in seiner bekannt bescheidenen Art nur so kommentierte: „Ich hab’ mich halt nach bestem Wissen und Gewissen a bisserl nützlich g’macht.“ Organisator Tatsächlich aber war Wagmüller ein großer Organisator und Veranstalter. 13 Jahre lang hat er die Stände für den Perlacher Christkindlmarkt aufgebaut. Im Nikolauskostüm besuchte er nicht nur den Markt, sondern auch Vereine, Kindergärten, Pfarreien und viele Familien in Perlach. Dabei war er immer ein gütiger Nikolaus, weil er sich als Kind stets vor diesem Besuch gefürchtet habe. Soziale Hilfe Auch auf sozialem Gebiet hat sich Wagmüller engagiert. Als eine seiner drei Töchter behindert zur Welt kam, wurde er zum Mitbegründer der Lebenshilfe und unterstützte Behindertenwerkstätten. Mit seiner Hilfe wolle er nur ein bisschen was zurückgeben, meinte der Perlacher einmal in einem Gespräch mit HALLO. Seine guten Beziehungen würden ihm dies leicht machen. Tatsächlich aber war es einfach die typische Wagmüller-Art, die hier zum Zug kam. Denn man wusste genau: Wer zu Edi Wagmüller kommt, erhält keine Absage. Oft genug wirkte er dabei auch als der oben zitierte Nothelfer. Im Gegenzug unterstützte man deshalb gerne auch seine Anliegen. Sein Leben Geboren wurde Eduard Wagmüller am 19. Oktober 1922, und zwar direkt am Pfanzeltplatz. Nach der Volksschule begann er 1937 seine Metzgerlehre. Der Arbeitstag des 14-Jährigen dauerte damals von vier Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Im ersten Lehrjahr gab’s eine Mark Wochenlohn, im dritten Jahr fünf Mark, dazu Brotzeit und Mittagessen. 1941 wurde Wagmüller zum Militärdienst eingezogen, erst 1945 kam er wieder nach Hause. Ab 1950 arbeitete er in der alteingesessenen Metzgerei seiner Eltern im ehemaligen Böckhaus, das sich auf dem Areal der heutigen Hypovereinsbank befand. 1961 übernahm er zusammen mit seiner Frau Jolanda das Geschäft. Ab vier Uhr früh stand Eduard Wagmüller im Schlachthaus, um 19 Uhr wurde der Laden abgesperrt. Seine Spezialität: Weißwürste. Die Berufsbezeichnung „Metzger zu Perlach“, wie sie auch in der Todesanzeige unter seinem Namen steht, ist bei Edi Wagmüller durchaus als eine Art Adelstitel zu sehen. Vereinstätigkeiten Obwohl im Familienbetrieb stark eingespannt, verschaffte sich Wagmüller irgendwie auch immer noch Zeit für andere Aktivitäten. So war er Jugendturnwart beim Turnverein Perlach, war bei den Sanitätern, der Feuerwehr, den Burschen und bei den Schützen. Wagmüller spielte Theater, sang im Kirchenchor und der Sängerrunde. 1954 gründete er sogar einen Tischtennis-Club. Auch bei der Gründung des Perlacher Blasorchesters war er dabei, wo er eine Zeit lang Trommel spielte und bis zuletzt Ehrenmitglied war. „Ich hab’ eigentlich bei allen Vereinen mitgemacht, nur beim Frauen- und Mütterverein nicht“, hat Edi Wagmüller einmal lachend erzählt. Legendäre Bälle Legendär sind in Perlach auch die von Wagmüller organisierten Pfarrfaschingsbälle. Wagmüller „tobte“ sich bei der Dekoration regelrecht aus, macht den Saal zum Schiff oder zur Westernstadt. Und bei den Maskenbällen der Metzgerinnung staubte er mit seinen Kostümen regelmäßig den ersten Preis ab. Er habe schon immer gern gefeiert, hat er der HALLO-Reporterin einmal verraten. Wer einmal in der gut sortierten Wagmüllerschen Fundgrube stöbern durfte, fand darin nicht nur die alten Faschingsverkleidungen, sondern auch zahlreiche Theaterkostüme. Wagmüller war deshalb unter den alten Perlachern ein Geheimtipp und betrieb einen regelrechten Maskenverleih. Reisen gehörten nicht zu seinen Hobbys. Eduard Wagmüller ging’s einfach gut, wenn er den Kirchturm von St. Michael gesehen hat. Vielleicht hat er deshalb auch die Umgebung seines Geburtsortes nie verlassen. Auch im Tod muss er dies nun nicht. Eduard Wagmüller wurde gestern auf dem Altperlacher Friedhof an der Putzbrunner Straße beigesetzt. Carmen Ick-Dietl

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