Welche Rolle spielt Markus Blume?

Der CSU-Generalsekretär aus dem Münchner Osten im Machtspiel der Union

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Markus Blume mit Bundes-Innenminister Horst Seehofer.

Es sagt viel über eine politische Situation aus, wenn die größte Wahrheit gesprochen wird, wenn ein Mann mehrere Sekunden lang schweigt. So lang ließ sich CSU-Generalsekretär Markus Blume Zeit, bevor er die Frage von ZDF-Moderatorin Dunja Hayali beantwortete, ob Bundes-Innenminister Horst Seehofer tatsächlich gesagt hätte, er können nicht mehr mit Angela Merkel zusammenarbeiten.

Am Ende der langen Überlegung sagte Blume: „Das weiß ich nicht, weil ich nicht dabei war.“ Nun könnte eingewendet werden, dass es zu den Aufgaben eines CSU-Generalsekretärs gehört, so etwas zu wissen. In Tagen, da das Verhältnis der Schwesterparteien CDU und CSU am seidenen Faden hängt, der Seehofer und Merkel noch zusammenhält. Doch angesichts der Brisanz der Lage spielt der Generalsekretär nur eine untergeordnete Rolle.

Einen Tag zuvor war durchgesickert, dass die CSU der Kanzlerin doch noch die erbetenen zwei Wochen für eine Lösung der Flüchtlingsfrage auf europäischer Ebene geben würde. Obwohl es 24 Stunden später so kommen sollte, reagierte Blume ungewohnt harsch: „Die Meldung ist frei erfunden. Das ist pure Desinformation.“

Seit ziemlich genau drei Monaten ist Markus Blume Generalsekretär der CSU. Bei seinem Antritt galt er durchaus als Hoffnungsträger. Als Mann des Ausgleichs, der die leisen Töne bevorzugt. Bei dem das Argument wichtiger ist als die Lautstärke, mit der es vorgetragen wird. Ein wohltuender Kontrapunkt zu den sendungssüchtigen Alphatieren Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Dobrindt. Jetzt sind die 100 Tage bald um, die Politikern als Eingewöhnungszeit meist zugestanden werden. Und noch scheint Markus Blume seinen Rhythmus und seine eigentliche Aufgabe in der Hektik des politischen Alltags zu suchen.

Er hat es auch nicht leicht. Mit brachialer Gewalt reißt die CSU die politische Agenda an sich; mit der zur Schicksalswahl hochstilisierten Landtagswahl in Bayern vor der Brust. Psychisch-Kranken-Gesetz, Polizeigesetz, Flüchtlingsfrage – überall soll Handlungskompetenz bewiesen werden. Gerne auf dem Feld der AfD, ohne Rücksicht auf die Koalitionspartner. Vor allem Seehofer nutzt die Chance für ein letztes Gefecht mit der Kanzlerin. Zwei Politiker im Winter ihrer Karriere wappnen sich für den letzten Showdown. Ein Stoff für Hollywood. Ein Drama wie bei den alten Griechen. Und schon jetzt ist klar, dass es am Ende nur Verlierer geben wird.

Es braucht viel Geschick hinter den Kulissen, um dafür zu sorgen, dass die Bühne am Ende mehr ist als verbrannte Erde. Das Szenario: Merkel erreicht in Europa nichts. Seehofer setzt seinen „Masterplan“ um: Merkel feuert Seehofer. Die CSU beendet die Große Koalition. CDU und CSU gehen getrennte Wege. Die CDU tritt in Bayern an. Beide Parteien weigern sich für unbestimmte Zeit, miteinander zu regieren. Das ist nicht nur denkbar, es mutet derzeit wahrscheinlich an. Wer kann es verhindern? Vielleicht Markus Blume. Aber viel Zeit hat er nicht.

Marco Heinrich

Kommentar

Politik im Abseits der Fußball-WM: Jogi Löw ist nicht so wichtig wie Angela Merkel – aber spannender

Natürlich nehmen wir den Fußball zu wichtig – und die Politik zu leicht als gegeben hin. Aber ein desaströses 0:1 gegen Mexiko ist halt in all seiner Hässlichkeit immer noch unterhaltsamer als das unansehnliche Machtgezerre zwischen Horst Seehofer und Angela Merkel. In beiden Fällen wurde die endgültige Entscheidung in den vergangenen Tagen erst einmal vertagt. Es ist ein ungleicher Kampf, womit sich Deutschland in den kommenden Tagen nun mehr befassen wird.

Bricht die Koalition oder doch eher Jogis Doppel-Sechs? Hält Seehofers Loyalität zu Angela Merkel länger als die des Bundestrainers zu Mesut Özil? Sind die tapferen (und bei neutraler Betrachtung nicht Angst einflößenden) Schweden tatsächlich ein größeres Problem für das Land als die seit Jahren diskutierte Flüchtlingsfrage? Der Sport wird schneller Antworten bringen als die Politik. Schon am Samstag wird sich zeigen, ob der große WM-Rausch schnell in einem riesigen DFB-Kater endet.

Das wäre auch für die Politik ein Problem. Die Stimmung im Land könnte eine Fortsetzung des Sommermärchens gewiss gut gebrauchen. Und im Chaos freut sich niemand über Aufmerksamkeit.

Marco Heinrich

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