Blume: „Dramatisch und traurig, was mit der SPD passiert“

CSU-Generalsekretär Markus Blume analysiert im HALLO-Interview die Wahl

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CSU-Wahlkampfveranstaltung

Den Frieden in der eigenen Partei gewahrt, den eigenen Wahlkreis gewonnen – CSU-Generalsekretär Markus Blume ist nicht zufrieden, aber erleichtert.

HALLO: Am Wahlabend sagten Sie, die CSU wäre mit einem blauen Auge davongekommen. Welches Gefühl überwiegt mit mehr Abstand? 

Blume: Der Blick geht jetzt nach vorne. Selbstverständlich war da ein Gefühl der Erleichterung. Bis auf wenige Farbsprengsel ist Bayern schwarz geblieben. Wir haben wieder den Regierungsauftrag bekommen. Aber das Ergebnis entspricht nicht ganz dem Anspruch der CSU als der großen bayerischen Volkspartei. Wir müssen jetzt die richtigen Schlüsse ziehen und können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir möchten zurück zu alter Stärke!

Als CSU-Generalsekretär hatten Sie das große Bild vor Augen – aber es ging ja auch um den eigenen Wahlkreis. Der Abend war von der Landespolitik dominiert. Aber ich habe mehrmals mit mehr als nur einem Auge darauf geschaut, was im Münchner Osten passiert. 

Es freut mich, dass ich zum dritten Mal das Vertrauen der Wähler ausgesprochen bekommen habe – mit ordentlichem Abstand. Das ist auch das Ergebnis meiner Arbeit in den vergangenen zehn Jahren.

Ist die Wahl wirklich ein Erdbeben? 

Für mich ist es ein weiteres Indiz für die Zersplitterung der Parteienlandschaft, die uns nicht gefallen kann. Wir müssen etwas dagegen tun.

Jetzt stehen Koalitionsverhandlungen an. Es gab unterschiedliche Meinungen, wer sie für die CSU leiten wird. 

Ministerpräsident Markus Söder wird das tun. Er trägt die Verantwortung – und wird die Koalition schließlich auch führen. Horst Seehofer wird bei den Sondierungen mit dabei sein, bei den konkreten Verhandlungen dann nicht mehr.

Einige langjährige CSU-Abgeordnete sind nicht mehr mit dabei. Etwa Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Gibt es Zeit für Mitleid und Trauer? 

Barbara Stamm hatte nie einen eigenen Wahlkreis, und diesmal hat die Liste leider nicht gezogen. Es ist sehr schmerzvoll, dass exzellente erfahrene Kollegen es nicht mehr in den Landtag geschafft haben. Oder wenn junge, aufstrebende Kandidaten ausgebremst werden. Mechthilde Wittmann haben 78 Stimmen gefehlt, um ihren Wahlkreis zu gewinnen. Das ist brutal.

Ein Wort noch zur SPD? 

Es ist dramatisch und traurig, was mit der ehemaligen Volkspartei SPD da passiert. Es stellt sich die Frage, ob sich die SPD von dieser Halbierung der Stimmen überhaupt erholen kann. Die Koalition in Berlin zu sprengen, wäre ein Fehler! Die Koalition muss beweisen, dass sie liefert. Dann profitieren alle beteiligten Parteien. Ich glaube weiterhin an die Zukunft der Volksparteien.

Interview: Marco Heinrich

Kommentar

Die andere Art eines Erdbebens - Die Wahl in Bayern war bemerkenswert unbemerkenswert

Es gibt verschiedene Arten von Erdbeben. Jene, die kein Stein auf dem anderen lassen und für Chaos und Zerstörung sorgen. Und die anderen, die kaum jemand merkt. Ein leichtes Ruckeln, das den Lauf der Dinge nicht beeinträchtigt. So ein Erdbeben war die Landtagswahl in Bayern.

Sicher, die CSU muss in einer Koalition regieren. Und Einzelschicksale wie das von Landtagspräsidentin Barbara Stamm tun der Partei weh. Aber nach dieser Wahl muss niemand zurücktreten. Und die Politik bleibt mit den Freien Wählern an der Seite auch wie sie war. Jene Freien Wähler um Hubert Aiwanger dürfen sich ein paar Jahre wichtig fühlen. Aber sie haben nicht das politische Profil und auch nicht das charismatische Personal, um den Großen der CSU Aufmerksamkeit zu stehlen. Eine für beide Seiten bequeme Allianz.

Viel wird daher auch vom großen Tag der Grünen nicht übrig bleiben. Der Gute-Laune-Wahlkampf um Katharina Schulze brachte ein Rekordergebnis. Es ist aber auch der endgültige Bruch mit dem ehrlichen Zorn eines Anton Hofreiter. Eine echte ökologisch-ökonomische Wende versuchen sie nicht einmal mehr.

Die Wahl in Bayern war letztlich viel belangloser als angenommen. Spannend wird es, wenn die SPD merkt, dass sie nicht mitten im Umbruch steckt – sondern im Zusammenbruch. So in zwei Wochen, nach der Wahl in Hessen. 

Marco Heinrich

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