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Weihnachten nach Dienstplan

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Der 61-jährige Roland Hofbauer ist Busfahrer aus Leidenschaft. Für ihn ist das Arbeiten an Weihnachten nicht ungewöhnlich. Seine Familie und er passen ihr Weihnachtsfest daher einfach an seinen Dienstplan an. © Buchka

An Heiligabend arbeiten zu müssen, ist für die einen unvorstellbar, ganz normal für die anderen. Roland Hofbauer aus Waldperlach ist seit 36 Jahren Busfahrer bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Auch heuer wird er an Heiligabend seinen Bus durch die Straßen des Münchner Ostens lenken.

Wenn man hinter den Fenstern die geschmückten Weihnachtsbäume sieht, die Straßen festlich beleuchtet sind und die Menschen bei ihren Familien sind, dann ist er da — der Heilige Abend. Nur ahnen kann Roland Hofbauer, wie die Menschen gemeinsam Fondue essen, Geschenke auspacken oder mit ihren Liebsten in einem schicken Lokal essen gehen. Er selbst nämlich muss heuer den Abend ohne seine Familie verbringen. Hofbauer sitzt hinter dem Steuer seines fast leeren Linienbusses der MVG. Seit nunmehr 36 Jahren arbeitet er schon im öffentlichen Nahverkehr. „Ich musste schon häufig an Heiligabend und den Feiertagen arbeiten“, sagt der 61-Jährige. So auch in diesem Jahr. Sich deswegen zu bemitleiden, kommt für den Waldperlacher jedoch überhaupt nicht in Frage. Er sieht das recht pragmatisch: „Was sein muss, muss sein, oder auf gut Bayerisch: Pech g‘habt!“

Das heißt natürlich nicht, dass es der 61-Jährige trotzdem schade findet, das Weihnachtsfest nicht mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und drei Enkelkindern verbringen zu dürfen. „Natürlich wäre es schön, bei meinen Liebsten zu sein“, sagt er. Jedoch habe er sich den Beruf ausgesucht und wusste auch, was auf ihn zukommt. „Mit der Zeit sind wir einfach kreativ geworden“, sagt er und lacht. Dann gebe es einfach in einem Jahr die Geschenke um 10 Uhr morgens, „wenn ich Spätschicht fahre“ und im nächsten Jahr um „21 Uhr auf d‘Nacht“, wenn er morgens oder tagsüber in den Bus steigen muss. In manchen Jahren sei es auch schon vorgekommen, dass er gar nicht an Weihnachten arbeiten muss, in anderen dafür an allen drei Weihnachtstagen. „Das kommt ganz auf den Dienstplan an“, sagt er. „Ich hoffe heuer auf die Frühschicht, dann bin ich um 14 Uhr daheim“, sagt Hofbauer. Doch Spontanität ist bei ihm und seiner Familie gefragt: „Die genauen Dienstpläne stehen erst ein paar Tage vorher fest.“

Abgesehen von der Familienproblematik fährt Hofbauer gerne an Weihnachten. Es seien meistens sehr ruhige Fahrten. „Die Stimmung der Leute an Weihnachten ist auffallend friedlich“, findet der Busfahrer. Auch ginge es weniger hektisch als beispielsweise an einem normalem Samstagvormittag zu. Warum das trotz der typischen Last-Minute-Weihnachtsgeschenke-Einkäufer so ist, erklärt er sich so: „Die Leute haben einfach von Grund auf gute Laune, sind ausgeglichener und freuen sich aufs Fest!“ Auf die Frage, ob es an Heiligabend auch vorkomme, dass er allein mit seinem Bus durch die Gegend fährt, lacht der Waldperlacher und sagt: „Das kommt ab 16 Uhr schon mal vor, dass ich alleine meine Runden drehe.“ In der Regel würden jedoch auch in der „ruhigen Zeit“ zwischen 16 und 22 Uhr, zumindest ein paar Leute Bus fahren. „Natürlich macht das Busfahren auch mehr Spaß, wenn man gebraucht wird.“

Aus diesem Grund liebt der 61-Jährige seinen Beruf auch so. „Ich mag den Kontakt zu Menschen und natürlich liebe ich — wie vermutlich fast jeder Mann — das Fahren“, sagt er und grinst. Dafür nehme er es auch gerne mal auf sich, „Weihnachten um die Arbeitsschicht herum zu bauen“. Und wer weiß, vielleicht hat er ja im kommenden Jahr mehr Glück, hat frei und kann den ganzen Heiligabend mit seiner Familie verbringen...

MVG im Einsatz

Für die MVG sind allein an Heiligabend rund 1700 Mitarbeiter im Einsatz, vor allem natürlich im Fahrdienst bei U-Bahn, Bus und Tram, aber auch im MVG-Betriebszentrum sowie im Service- und Kontrolldienst. Weitere 100 Mitarbeiter kümmern sich im Hintergrund, etwa in den technischen Abteilungen und Werkstätten, um einen reibungslosen Betrieb. Tanja Buchka

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