Die Bürger wollen Ring statt mehr Stern

Bürgerversammlung zur zweiten Stammstrecke in Berg am Laim

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Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2016 wurden bereits verschiedene Möglichkeiten eines ringförmigen Netzes der Münchner S-Bahn erarbeitet.

Vergangene Woche fand eine außerordentliche Bürgerversammlung zum Thema zweite Stammstrecke in der Tonhalle in Berg am Laim statt. Die meisten Bürger zeigten sich mit den Planungen der Bahn nicht zufrieden.

Berg am Laim – Hört man auf den Sprecher der Bahn, ist mit den Umplanungen für die zweite Stammstrecke im Bereich des Ostbahnhofs alles besser geworden. Vorgetragen wurde, welche Bautätigkeiten schon im Westen Münchens in vollem Gange seien, alles liefe ganz prima, und was die Bürger Haidhausens am meisten freuen dürfte: Die Baustellen im Viertel fallen weg. Denn eigentlich sollten Rettungsschächte gebaut werden, etwa an der Kellerstraße, die Baustellen dafür waren seitens der Anwohner gefürchtet. Doch jetzt, mit den neuen Planungen, seien alle Probleme gelöst. So mutete es zumindest nach der Präsentation des Bahnvertreters an. Da war der wütende Bürger, der dem Versammlungsleiter Professor Hans Theiss mehrfach lautstark ins Wort gefallen war, schon fast vergessen.

Doch die Anträge in der Bürgerversammlung holten den Unmut der Bürger zurück in die Tonhalle im Werksviertel, wo etwa 700 Menschen zur außerordentlichen Versammlung gekommen waren. Die überwiegende Zahl der Vortragenden signalisierte deutlich: Die zweite Stammstrecke reicht nicht. Entweder in ihrem Ausbau, oder weil nicht alles eingeplant wurde, was den Bürgern sonst noch wichtig ist.

In mehreren Anträgen, denen auch seitens der Versammlung zugestimmt wurde, forderten sie eine Ring-Lösung für die Münchner S-Bahn.

Tatsächlich erschließt sich der Sinn einer ringförmigen Verbindung jedem relativ schnell, der nicht in der Altstadt wohnt. Denn wer vom Bahnhof Berg am Laim zur S-Bahnstation Englschalking in Bogenhausen möchte, muss den Umweg über den Leuchtenbergring nehmen. Wer von Perlach zum Harras in Sendling möchte, unternimmt auf dem Weg dahin eine Fahrt durch die Altstadt – bedauerlicherweise unter Tage, sodass die Sehenswürdigkeiten auf dem Umweg auch noch verborgen bleiben.

Die Sternform bringt Probleme mit sich

Der Grund für die komplizierten Fahrtwege ist, dass das öffentliche Verkehrsnetz in München sternförmig angelegt ist. Um irgendwo hinzukommen, muss zuerst der Weg Richtung Innenstadt genommen werden. Deshalb sind die Stationen dort auch völlig überlastet, so wie die S-Bahn-Station Marienplatz. Zwar gibt es Busse, die direkte Wege bieten, so etwa auf der Strecke zwischen dem Bahnhof Berg am Laim und Englschalking. Allerdings dauern Busfahrten mitunter wesentlich länger als Fahrten mit S- oder U-Bahnen und müssen trotzdem noch mit Wegen zu Fuß ergänzt werden.

Die Forderungen zur S-Bahnstrecke gehen von einem kompletten Abbruch der derzeitigen Planungen und Bautätigkeiten bis hin zur Prüfung eines Vergleichs eines S-Bahnrings und der zweiten Stammstrecke. Die meisten sprachen sich jedoch dafür aus, einen S-Bahnring möglichst schnell zu realisieren und die zweite Stammstrecke gleichzeitig ebenfalls zu bauen. Dementsprechend sprachen sich die Bürger für ein neues Gesamtkonzept zum Münchner S-Bahn-Verkehr aus.

Die Ringbahn, wie es sie etwa in Berlin gibt, könnte zum Beispiel die Stationen Ostbahnhof, Leuchtenbergring, Berg am Laim, Daglfing, Englschalking, Johanneskirchen, Moosach, Laim, Heimeranplatz, Poccistraße und Kolumbusplatz anfahren. Auch ein offener Ring wäre möglich. Etwa mit einem Nordring, der von Trudering über Daglfing, Englschalking, Johanneskirchen, Freimann, Milbertshofen bis nach Olching gehen würde. Der Südring könnte die Haltestellen Ostbahnhof, Poccistraße und Heimaranplatz anfahren.

Die Forderungen nach einer ringförmigen Lösung für die S-Bahn in München ist dabei nicht neu und findet sich sogar im aktuellen Koalitionsvertrag der CSU und der Freien Wähler. Allerdings ist fraglich, wann die Idee tatsächlich angepackt wird. Und genau das kritisieren die Bürger.

Bahnsteigtüren, Experten, Nachhaltigkeit

Weiterhin wünschten sich die Teilnehmer der Bürgerversammlung die Beteiligung eines Expertentteams aus der Bürgerschaft bei den weiteren Planungen der Deutschen Bahn. Zudem sollen Bahnsteigtüren nicht, so wie bisher geplant, eventuell zu einem späteren Zeitpunkt eingeplant werden, sondern in die akutellen Planungen sofort integriert werden. Diese dienen der Sicherheit der Fahrgäste an den Bahnsteigen, in diesem Jahr hatte es auch in München wieder Fälle gegeben, bei denen Menschen in das Gleisbett gefallen waren.

Eine knappe Mehrheit der Teilnehmer stimmte dafür, zunächst nach einem alternativen Standort für die Autoverladung zu suchen, bevor die Station dafür am Ostbahnhof im Rahmen der zweiten Stammstrecke verschwinden soll. Die Bahn hatte damit argumentiert, dass in München ohnehin kaum Autoverladungen stattfinden würden. Im Zuge des Klimaschutzes plädierte ein Antragsteller jedoch für die Erhaltung einer Autoverladestation. Außerdem soll seitens der Landeshauptstadt kein Geld mehr für die Projekte der Bahn fließen, da keine Finanzierungspflicht bestünde.

Pia Getzin


Mehr über Berg am Laim gibt es in der Stadtteilübersicht.

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