Großprojekte des Stadtteils im Fokus

Bürgerversammlung in Perlach

Mehrere Personen heben zur Abstimmung ihre Hand
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Auf Bürgerversammlungen werden wichtige Information und unterschiedliche Sichtweisen ausgetauscht. Sie ist als Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung zu verstehen.
  • VonRoman Wintz
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Die erste Perlacher Bürgerversammlung seit Beginn der Corona-Pandemie fand in der Turnhalle des Heinrich-Heine-Gymnasiums statt. In der kühlen Halle wurden hitzige Themen behandelt.

Am Eingang der Turnhalle des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Neuperlach herrschten strenge Einlasskontrollen. Wer an der Perlacher Bürgerversammlung teilnehmen wollte, musste sich an die 3G-Regel halten, eine medizinische Maske tragen und auf ausreichend Abstand achten.

Der Vorsitzende des Bezirks­ausschusses Ramersdorf-Perlach, Thomas Kauer von der CSU, stellte den Jahresbericht für 2021 vor. Als erstes und derzeit wohl brisantestes Thema griff Kauer den geplanten U-Bahn-Betriebshof auf. Noch einmal ging der BA-Chef auf die Eckdaten des Projekts ein und erläuterte den aktuellen Stand. „Dieses Projekt behandeln wir jetzt seit 2016 in jeder Bürgerversammlung.“ Im Gegensatz zu den letzten Jahren habe das Projekt allerdings deutlich an Fahrt aufgenommen, sagte Kauer. Ein Kritikpunkt beispielsweise ist nach wie vor das Bremstestgleis. „Der Betriebshof wird rund um die Uhr betrieben, gerade auch nachts im Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr. Bis zu 120 Testfahrten sind als Maximalswert angesetzt“, so die Stadtwerke München (SWM). Dass dieser Punkt den Perlacher Bürgern überhaupt nicht schmeckt, ist nachvollziehbar.

Im weiteren Verlauf ging er auf die Geothermie-Anlage im Michaelibad ein (HALLO berichtete), zu der momentan ebenfalls die Planungen laufen. Um grundsätzlich die Frage zu klären, warum eine solche Anlage entstehen soll, sagte Kauer: „Geplant ist in München per Stadtratsbeschluss die sogenannte Wärme-Wende zu vollziehen, das heißt, der Umstieg auf erneuerbare Energien und Geothermie ist einer der nachhaltigsten Formen der Energiegewinnung.“ Die geologischen Strukturen in Perlach seien bestens dafür geeignet. „Der Betrieb der Anlage soll etwa 2028 starten.“

Anschließend ging es um die Bauvorhaben. „Es wird an allen Ecken und Enden gebaut. Uns erreichen im Bezirksausschuss zahlreiche Fragen dazu“, so der BA-Chef. Zum einen ging es um den Otto-Hahn-Ring, genauer den derzeitigen Siemens-Parkplatz, auf dem 750 Wohneinheiten, gewerbliche Nutzungen, Gastronomie und soziale Einrichtungen entstehen sollen. Im weiteren Verlauf ging Kauer auf das Boardinghouse an der Carl-Wery-Straße und den Abriss des Quiddezentrums ein. Dort sollen wie an der Ottobrunner Sraße 90 und 92 Wohneinheiten entstehen. Rund um den Perlacher S-Bahnhof ist im Norden ein Seniorenwohnheim geplant, zum südlich gelegenen Gebiet sagte Thomas Kauer: „Die Grünfläche südlich des S-Bahnhofs ist grün und bleibt auch grün. An der Hoferstraße entsteht ein Ausbildungszentrum der Deutschen Bahn.“ Außerdem gibt es in Perlach drei neue Schulen. Eine Grund- und Mittelschule am Strehleranger, eine Grundschule am Karl-Marx-Ring und eine Montessori-Schule an der Albert-Schweitzer-Straße, die eine kleine Besonderheit bietet: „Die Schule wird in kompletter Holzbauweise gestaltet, also mal was ganz was anderes“, so Kauer.

Abschließend ging der BA-Vorsitzende auf zwei etwas spezielle Themen ein: den Hanns-Seidel-Platz und den Pfanzeltplatz. Ersterer wird um das „Perlach Plaza“ erweitert, in das Supermärkte, ein Hotel und ein Fitnessstudio einziehen sollen. Auch Wohnungen sind dort geplant. Eine bürgerschaftliche Nutzung ist abermals nur als Zwischennutzung angedacht, was nach mittlerweile 50 Jahren Bedenkzeit der Stadt auf große Unzufriedenheit der Bürger und Lokalpolitiker stößt. „Wir werden uns in Perlach nicht mit einem Provisorium abspeisen lassen, während in Sendling in kürzester Zeit irgendwelche neuen Kulturtempel entstehen“, äußerste Kauer bedauernd.

Auch der Pfanzeltplatz, vom CSU-Mann als bürgerliches Kleinod in Perlach bezeichnet, wo sich Menschen gerne aufhalten und auf ein Eis zusammenkommen, wo idyllische Landschaft vorhanden ist und Ortskerncharakter herrscht, ist von künftigen baulichen Maßnahmen betroffen. Das sei laut Kauer eine dramatische Veränderung. Deshalb wurde vor geraumer Zeit vom BA eine sogenannte Task Force beantragt, die sich diesem Thema annimmt. Die Stadt habe den Task-Force-Antrag abgelehnt, mit der Begründung, es gebe keinen Anlass dafür. „Wir werden uns damit nicht zufrieden geben, wir werden in Kürze eigene Maßnahmen diskutieren, ich bitte da auch um Ihre Unterstützung“, fügte Kauer hinzu. Der BA-Vorsitzende beendete seinen Vortrag mit einem positiven Ausblick: „Man darf ja nicht immer nur jammern, sondern muss auch die guten Dinge des Stadtteils im Auge behalten.“ Hierzu zählen Kapitel wie „Die Busabstellanlage Neuperlach Süd kommt nicht“, „Mehrere Bushaltestellen wurden barrierefrei ausgebaut“ oder „Neuer Geldautomat der Sparkasse in Neuperlach Süd“.

Roman Wintz

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