Bürger-Versammlung in Berg am Laim

Umfangreicher BA-Bericht 

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Viele wichtige Stadtteil-Themen in straffer Form vorgetragen: Berg am Laims BA-Vorsitzender Robert Kulzer während seines rund 45-minütigen Rechenschaftsberichtes im Rahmen der Bürgerversammlung.

Sieben Entscheidungsfälle, 157 Anhörungsfälle und 203 Unterrichtungen: Berg am Laims BA-Vorsitzender Robert Kulzer (SPD) belegte die umfangreiche und ehrenamtliche Tätigkeit des Bezirksausschusses im Jahr 2013 während seines 45-minütigen Rechenschaftsberichtes im Rahmen der Berg am Laimer Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag mit Zahlenwerten. 

„Die überschaubare Zahl an Entscheidungsfällen zeigt, dass nicht alles auch in den Händen des BA und des Stadtteils liegt“, sah der Sozialdemokrat auch mit Blick aufs eigene Viertel vor allem städtische Behörden und Entscheider im Stadtrat in der Pflicht. Umfangreich geriet seine Geschäftsbilanz dennoch. 

Bau-Boom

Vor allem mit Blick auf die derzeit laufenden und anstehenden Bauvorhaben im ehemals so beschaulichen Eisenbahnerstadtteil kann von einem dahin dämmernden Berg am Laim längst nicht mehr die Rede sein. Kulzers Themenexkurs begann im Stadtteilnorden, wo auf einem Großareal zwischen Rosenheimer Bahndamm und Baumkirchner Straße in den kommenden Jahren mit dem Projekt „Baumkirchen Mitte“ ein neues Stadtquartier aus hunderten Wohnungen, Büros, Gewerbe, Nahversorgung und reichlich Grünanlagen entstehen wird. Drei große Gebäudeblöcke und ein Geschäftsturm im Nordosten des Planungsareals bestimmen künftig die Skyline in diesem Bereich. Der ESV München-Ost bekommt neue Areale samt Halle an der Neumarkter Straße.

Ähnlich wichtig für den Stadtteil ist ein weiteres Großbauprojekt weiter westlich: Das neue Werksviertel soll das heute noch arg zerklüftete Terrain hinter dem Ostbahnhof städtebaulich ordnen. Auch hier entstehen neben Gewerbe- und Büroansiedlungen, Grünmeile und Nahversorgung viele Wohnungen. „1400“ sollen es allein in diesem Bereich laut Kulzer sein. Dazu sei auch der Bau einer weiteren Grundschule auf dem Areal beschlossene Sache. Zudem solle im Westen des Stadtteils eine vierte Grundschule entstehen. „Auch dringend nötig“ laut Kulzer. Schließlich sprächen Prognosen von allein 3000 neuen Wohnungen im 14. Stadtbezirk während der kommenden zehn Jahre. Ein echter Bau-Boom.

Vereinzelte spöttische Lacher, aber auch viel Zustimmung zog Kulzer für die Einschätzung auf sich, der Umbau der Berg am Laimer Mitte im zentralen Bereich der Baumkirchner Straße sei „gut gelungen“ (siehe Bürgeranträge). Zudem entwickle sich auch in Rufweite auf einem zuletzt als Problemgebiet ausgemachten Terrain einiges: an der Berg-am-Laim-Straße 119 bis 127 soll die vorübergehende Brache einem neuen Kaufmarkt und einem Hotel weichen. Der Baubeginn für den Nahversorger sei bereits erfolgt, der neuen Nächtigungsstätte könnte unter Umständen auch noch ein zweites Hotelprojekt in der direkter Nachbarschaft folgen, so Kulzer.  

Problemthema Verkehr

„Diese Sache ärgert mich persönlich sehr!“ Kulzer war mit Blick auf die seit Jahren und weiterhin ungelöste Lärmproblematik entlang der Berg am Laimer Trassenabschnitte des Mittleren Rings schlechte Laune anzumerken. „Seit fünf Jahren ist die Stadt an dem Thema dran, eine entsprechende Experten-Studie zur Eindämmung der Lärm- und Abgasproblematik für die Ringanwohner hat aber nicht viel an Ergebnissen gebracht“, wetterte der SPD-Mann. Auch seien entsprechende Anträge von Anwohnern im Rahmen der letztjährigen Bürgerversammlung vom zuständigen Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) noch nicht einmal beantwortet worden. „Das ist ein mageres Ergebnis für ein Referat, das sich RGU nennt“, mochte der BA-Chef seinen offensichtlichen Zorn in der Sache nicht verhehlen.

Auch ein zweites Thema biete Handlungsbedarf seitens der Stadt. „Das Areal im Bereich Leuchtenbergring ist weiterhin eine finstere Ecke, da muss noch viel passieren.“ Zudem gelte es die Verhältnisse entlang der stark frequentierten Kreuzung von Berg-am-Laim- und Ampfingstraße künftig besser zu strukturieren. „Wer sich dort umsieht, kann Zweifel an der Verkehrskunst bekommen“, so Kulzer. 

Problem am Hachinger Bach

Probleme bereitet laut BA-Chef auch das ehrgeizige Umwelt-Infrastrukturprojekt einer Offenlegung des Hachinger Bachs auf Berg am Laimer Flur vor allem im Bereich des Grünareals am Michaelianger. „Aus städtischer Sicht stehen wir in den Startlöchern, könnte mit der Offenlegung des Bachlaufes längst begonnen werden.“ Den Fortschritt hemme laut Kulzer derzeit vor allem der Umstand, dass private und kirchliche Teilflächen-Eigentümer noch nicht für das kommunale Vorzeigeprojekt erwärmt werden konnten. 

Ein stetig wachsender Stadtteil braucht auch mehr Schulraum. Diese zwingende Erkenntnis hat sich nach vielen mahnenden Stimmen aus dem Stadtteil mittlerweile auch bei der Stadt breitgemacht. Nach Kulzers Darlegung würden aktuell rund 75 bis 80 Millionen Euro in diesen wichtigen Sektor investiert.

Apropos Bildung: die vergleichsweise kleine Berg am Laimer Filiale der Münchner Stadtbibliothek wird sich durch den Umzug in die benachbarten Räume der Stadtsparkasse vergrößern. 

Längst wieder für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden genutzt wird die Einrichtung an der St.-Veit-Straße. Die frühere Gemeinschaftsunterkunft ist jetzt als Erstaufnahmeeinrichtung ausgerichtet und wird mittlerweile von der Inneren Mission betreut. „Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation wird die Einrichtung mindestens für die Dauer von zwei Jahren benötigt“, hat Kulzer von den Verantwortlichen der Regierung von Oberbayern erfahren. Mehr noch: An der Neumarkter Straße 43 soll voraussichtlich im kommenden Jahr eine weitere Flüchtlingseinrichtung ihre Pforten öffnen. Den Standort selbst freilich kritisierte der BA-Chef erneut. „Menschen inmitten eines Gewerbegebietes unterzubringen, ist keine geeignete Lösung.“ Allerdings habe man sich in der Standortfrage „nicht durchsetzen können“, räumte der Gremiums-Chef ein. Harald Hettich

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