Bordellname sorgt für Verärgerung im BA Ramersdorf-Perlach

„Falsche“ Mädchen-WG

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"Mädchen-WG" als Name für ein Puff? Geht gar nicht, findet die Gleichstellungsbeauftragte von Ramersdorf-Perlach!

Rotlicht-Etablissements mit der Bezeichnung „Mädchen-WG“ bringen echte Wohngemeinschaften in Verruf, glaubt die Gleichstellungsbeauftragte des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach. Sie hofft, dass die Stadt dagegen vorgeht.

Mit der Bezeichnung „Mädchen-WG“ verbindet sich im allgemeinen Sprachgebrauch eine Wohngemeinschaft für junge Mädchen. Doch wer beispielsweise an der Aschauer Straße in Ramersdorf unterwegs ist, der kann noch eine andere „Interpretation“ erkennen. Hier ist ein Erotik-Betrieb angesiedelt, der sich ebenfalls als „Mädchen-WG“ bezeichnet. Und es ist nicht der einzige in München, der diesen Begriff nutzt, hat die Gleichstellungsbeauftragte des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, Siglinde Kosina (SPD), mittlerweile herausgefunden. So gibt es auch im Truderinger Gewerbegebiet am Stahlgruberring ein Etablissement, das mit diesem Etikett wirbt.

Im Zusammenhang mit einem Bordell-Betrieb suggeriere diese Bezeichnung allerdings, „dass sich dort junge Mädchen prostituieren“. Mehr noch: „Dem Betrieb gibt das den Anschein von Kinderprostitution.“ Dies sollten die Betreiber der Bordelle eigentlich aus Eigeninteresse vermeiden wollen, findet Kosina.

Zudem würden mit einer solchen Namensbezeichnung seriöse Einrichtungen in Verruf gebracht. Darunter auch soziale Institutionen, die Wohngemeinschaften zum Schutz hilfsbedürftiger junger Mädchen betreiben. Auf der jüngsten Sitzung des Perlacher Stadtteilteilparlaments fragte Kosina nun, ob Stadt und städtische Gleichstellungsstelle nicht gegen derartige Irreführung vorgehen und die Bezeichnung „Mädchen-WG“ für Bordelle einfach nicht zulassen könnten.

Im Vorfeld hatte Werner Ruf (CSU), Sprecher des Unterausschusses Öffentliche Ordnung und Grundsatzfragen, da schon mal telefonisch bei der Stadt nachgefragt. Seine Auskunft: Sofern es sich nicht um strafrechtlich relevante Vorfälle handelt, hat die Stadt keine rechtlichen Möglichkeiten zur Ablehnung eines Namens oder der Erzwingung einer Änderung. Damit könne man sich den Antrag, der ja auch Kosten bei der Stadtverwaltung verursache, sparen, so Ruf. Am Ende erhalte man ja nur die telefonische Auskunft in Textform.

Etliche BA-Mitglieder sahen dies anders. „Wir sollten unseren Unmut kundtun, diese Kosten sollten es uns wert sein“, fand Guido Bucholtz (Grüne). Der Kosina-Antrag wurde mit mehrheitlicher Zustimmung an die Stadt weitergeleitet. Carmen Ick-Dietl

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