Entschleunigt, aber gespannt wie ein Flitzebogen

Bogenschützen in München

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Bogensport in seiner traditionellen Form pflegt und lebt Sebastian Spirkl.

Sebastian Spirkl ist Sportwart beim Münchner Bogensportverein (MBSV) – einem von stadtweit nur zwei Vereinen, die das Bogenschießen in seiner traditionellen, nicht-olympischen Form pflegen.

Sebastian Spirkl fixiert die Zielscheibe in gut 15 Metern Entfernung erst einmal ohne Sportgerät an, scheint die Ziel- optik im Auge per Zoom auf das Zielfeld zu konzentrieren. Dann erst nimmt er seinen rund 1000 Euro teuren Recurve- Bogen in die Hand, spannt den filigran schlanken Carbon-Pfeil ein. Der Blick bleibt magisch aufs Ziel gerichtet. Der Schütze richtet den Bogen in Richtung Ziel aus. Dann zieht Spirkl in gleichmäßiger Bewegungsharmonie die Sehne samt Pfeil. Auch das Loslassen der Sehne danach ist ein harmonischer, fast leicht wirkender Bewegungsprozess. Das Sportgerät Pfeil bohrt sich in den Zentrumsbereich der Zielscheibe. Spirkl holt den nächsten Pfeil aus seinem geschulterten Köcher. Die Prozedur beginnt von Neuem. Er wird wieder ins Zentrum der Scheibe treffen.

Sebastian Spirkl ist Sportwart beim Münchner Bogensportverein (MBSV) – einem von stadtweit nur zwei Vereinen, die das Bogenschießen in seiner traditionellen, nicht-olympischen Form pflegen. „Wir arbeiten ohne Visiervorrichtung, Stabilisatoren oder andere technische Hilfsmittel“, erklärt er. Hier auf der Anlage östlich des Alexisweges im grünen Zwischenraum von Trudering und Neuperlach gehen die Bogenschützen ihrem Sport nach. Spirkl selbst ist seit sieben Jahren aktiv. Noch etwas länger gibt es den 2010 von einigen Unentwegten gegründeten Verein. „Die Sportart boomt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit.“ Spirkl belegt die These mit durchaus stolzen Fakten: „Wir zählen 230 aktive Mitglieder – rund 70 davon sind allein Kinder.“ Bei den Siebenjährigen geht es normalerweise los. „Mein Sohn ist schon mit knapp fünf Jahren begeistert dabei“, freut sich der Familienvater. „Ich habe damals einen Ausgleich zu meinem stressigen Arbeitsleben als Ingenieur gesucht und mit dem Bogensport gefunden.“

Vielen anderen geht es mittlerweile nicht nur beim MBSV ebenso. Stichwort Entschleunigung. Das „In der Natur zur Ruhe kommen“ ist Spirkl wichtig. Dazu passt, dass im Verein kein Leistungsprinzip gepflegt wird. „Jeder hat Raum und Zeit für sich und seine Annäherung an diesen tollen Sport“, erklärt der Schützenmeister, während er weiter die Scheibe mit seinen Schüssen malträtiert. „Jeder hat hier die Zeit, sich nach eigenem Schützen-Gusto zu entwickeln“. Manche kämen nur einige wenige Male im Monat – andere sind fast täglich auf der Anlage anzutreffen.

Spirkl hat dabei seine Entscheidung für den traditionellen Bogensport nie bereut. „Das technische, olympische Bogenschießen hat schon sehr viel von Wissenschaft – hier bei uns geht es archaischer, ursprünglicher zu.“ Viele Bögen seien noch aus Holz. Nicht so von technischen Vorrichtungen sei der eigene Treffer-Erfolg abhängig. „Ein gutes Körpergefühl und die individuelle Erfahrung des Schützen sind am wichtigsten“, weiß der erfahrene Bogenschütze. „Alles bei uns individueller – Schießstil, Griffhaltung, Ausrüstung.“

Wer hineinschnuppern will, ist beim Schnupperkurs herzlich willkommen. „Wegen der großen Nachfrage brauchen wir aber unbedingt eine Anmeldung“, erklärt Spirkl. Kontaktinformationen und Hintergrundinfos vermittelt die Web-Seite des Vereins unter www.bogenschiessen-mbsv.de. Für Neulinge bietet der Verein Leihgeräte, später kostengünstige Einsteigersets. „Wir wollen hier ein bezahlbares Vergnügen für ganze Familien schaffen“, so Spirkl. Hobby und Freizeitsport stehen im Zentrum. Lediglich kleinere Wettkämpfe stünden während des Jahres an. „Freude am Bogensport von morgens bis abends“ ist das Credo beim MBSV. Sebastian Spirkl lebt es, legt an – und trifft wieder ins Zentrum.

Harald Hettich

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