Hilfe für Medienabhängige gibt es bei der Suchtberatung Blaues Kreuz in Berg am Laim

Den Schritt aus der Medienabhängigkeit

Die Augen fixieren stundenlang den Bildschirm, der Nacken und der Kopf schmerzen. Doch das Verlangen, weiter online zu zocken, ist zu stark, um den Stecker zu ziehen.
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Die Augen fixieren stundenlang den Bildschirm, der Nacken und der Kopf schmerzen. Doch das Verlangen, weiter online zu zocken, ist zu stark, um den Stecker zu ziehen.

Exzessives Zocken und Surfen im Internet kann erhebliche Folgen für die Seele und den Körper haben. Medienabhängigkeit ist jedoch noch keine anerkannte Suchterkrankung, auch wenn dies Mediziner, Psychologen und Therapeuten fordern. Bei der Suchtberatungsstelle Blaues Kreuz in Berg am Laim finden Betroffene Hilfe.

„Nur noch kurz“ oder „Gleich höre ich auf“. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der Computer bleibt an, das Smartphone wird nicht abgelegt, die Augen fixieren weiter den Bildschirm. Das Verlangen weiterzumachen ist zu stark. Aus Minuten werden Stunden. Klar, viel Alltägliches läuft mittlerweile wie selbstverständlich nur noch online ab. Einkaufen, die Suche nach Partnern, die Kommunikation mit Freunden oder Bankgeschäfte. Unsere Gesellschaft ist vom Handy abhängig, das Smartphone bestimmt das Leben. Viele Nutzer wären allerdings über ihre tägliche Bildschirmzeit überrascht, wenn sie diese erfassen würden. Andere gehen bewusst übers Wochenende oder einen Urlaub lang offline, um sich „digital zu entgiften“. Doch, was ist, wenn die Internetnutzung zu einer Sucht wird? Die Verwendung bestimmter Online-Anwendungen kann abhängig machen: Computerspiele, Online-Glücksspiele, aber ebenso auch soziale Netzwerke. Diese Abhängigkeit als eigenständige Erkrankung anzuerkennen, das fordern Mediziner, Psychologen und Therapeuten vom 2008 gegründeten Fachverband Medienabhängigkeit. „Die Anerkennung würde natürlich helfen, um das Problem der Medienabhängigkeit noch bekannter zu machen“, sagt auch Michael Thomann. Er ist Pädagoge bei der Suchtberatungsstelle Blaues Kreuz in Berg am Laim.

Beratung und Vermittlung „

Wir informieren, begleiten und stehen bei allen möglichen Suchterkrankungen zur Seite, ob es sich um Probleme mit Alkohol, Glücksspielen oder eben eine Gaminig oder Social-Media-Sucht handelt“, so der Suchtberater der psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle im Münchner Osten. „Wir behandeln ein Krankheitsbild allerdings nicht, wir beraten und besprechen mit dem Betroffenen weitere Schritte — und versuchen, ihn an eine geeignete Therapie zu vermitteln.“ Es gibt eine offene Sprechstunde dienstags von 11 bis 12 Uhr. Die Suchtberatungsstelle an der Berg-am-Laim-Straße 131 ist Montag, Dienstag und Donnerstag von 9.30 bis 12.30 Uhr unter Telefon 45 46 98 51 sowie per E-Mail an suchtberatung.muenchen-ost@blaues-kreuz.de zu erreichen. „Wer sich bei uns meldet, bekommt relativ schnell, in ein bis zwei Wochen, einen Termin für ein Beratungsgespräch“, sagt Thomann. Allerdings: Ein Betroffener muss sich natürlich zunächst selbst eingestanden haben, dass er ein Problem hat. „So sind es oft Angehörige, dass kann die Mutter oder die Partnerin sein, die zunächst zu uns kommen“, weiß der Pädagoge. „Es vergeht eine lange Zeit, bis man sich seine Sucht eingesteht. Meist muss es erst zur Eskalation kommen, aber das liegt in der Natur der Sucht.“

Der Weg zurück aus der virtuellen Parallelwelt

Internetsüchtige weisen laut Thomann oft auch noch eine weitere psychische Störung auf, wie eine Depression oder eine Angststörung. Ein geringes Selbstwertgefühl kann auch dazu führen, mehr und mehr in eine virtuelle Parallelwelt abzurutschen. Meist ist einem der „Avatar“ so wichtig, dass das reale Leben auf der Strecke bleibt. „Problematisch wird die Medienabhängigkeit dann, wenn es einem zunehmend schwerer fällt, den Alltag zu bewältigen. Wenn man kaum soziale Kontakte hat, Angst hat rauszugehen oder der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist“, erklärt der Pädagoge vom Blauen Kreuz. Und wenn Menschen plötzlich Entzugserscheinungen zeigen, wenn der Stecker gezogen wird. „In Süd- Korea zum Beispiel gibt es bereits eine Vielzahl von Kliniken. Unser Anliegen hier ist es, dass sich noch mehr trauen, sich an uns wenden, weil sie wissen, dass es diese Hilfe gibt“, betont Thomann und fügt hinzu: „Auch wenn das persönliche Umfeld das Problem sieht, ein Betroffener muss selbst den Schritt aus der digitalen zurück in die reale Welt wagen. Das geht, indem er zu uns kommt und mit uns spricht.“

Verena Rudolf

Weitere Beratungsstellen in Oberhaching, Ottobrunn und Sauerlach

Das Blaue Kreuz hat nicht nur in München vier Beratungsstellen. Auch in Ottobrunn an der Ottostraße 55a finden Menschen Hilfe bei der Psychosozialen Suchtberatungs- und Behandlungstelle — per E-Mail an suchtberatung.ottobrunn@blaues-kreuz oder unter Telefon 66 59 35 60. Jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat gib es auch im Rathaus Sauerlach an der Bahnhofstraße 1 jeweils von 9 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde. Für einen Termin zwischen 10 und 12 Uhr kann vorab unter Telefon 66 59 35 60 ein Termin vereinbart werden. Jeden ersten und dritten Monat jeweils von 9 bis 12 Uhr können Betroffene auch ins Pfarrheim St. Bartholomäus an der Ödenpullacher Straße 25 in Deisenhofen kommen. Unter Telefon 66 59 35 60 können sie auch einen Termin vereinbaren. Die offene Sprechstunde, bei der man ohne vorherige Anmeldung vorbeikommen kann, ist auch in Deisenhofen von 9 bis 10 Uhr. Weitere Informationen unter www.blaues-kreuz-de.

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