Mehr öffentlichen Raum schaffen

Bezirksausschuss Berg am Laim fordert Stadt zum Schaffen von sozialen Räumen auf

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Nachbarschaftstreffs, so wie der Westerhamer Nachbarschaftstreff in Berg am Laim, benötigen bezahlbare Räume.

Der Wohnungsmangel in München überschattet die Stadt. Dabei fehlt es nicht nur an Wohnraum. Auch Plätze für die öffentliche Nutzung fehlen. Das will der Bezirksausschuss nun ändern.

Ob Nachbarschaftstreff, Verein, Künstlerateliers oder Musikübungsräume: Träger sozialer Einrichtungen haben es in der Landeshauptstadt München immer schwerer, Räume zu finden. Mal scheitert es an den Mieten, mal an den Nutzungsbestimmungen und oftmals auch schlichtweg daran, dass keine freien Räume verfügbar sind. Dabei ist es wichtig, dass Bürger in jedem Stadtviertel Angebote aus dem sozialen Bereich vorfinden. Denn einem Berg am Laimer ist die Fahrt zu einem Vereinsgebäude in der Maxvorstadt eher zu weit. Für eine willkürliche Verteilung und Konzentrierung von sozialen Einrichtungen ist die Stadt zu groß.

Deshalb fordert der Bezirks- ausschuss Berg am Laim nun die Stadt zum Handeln auf. Die Möglichkeiten zur Erhaltung und zum Schaffen von Räumen, die die Vielfalt des öffentlichen Lebens in den einzelnen Stadtteilen fördern, sollen besser genutzt werden. „Geeignete Mittel sind zum Beispiel der Ankauf von geeigneten Räumen durch die Landeshauptstadt München, der Bau solcher Räume bei städtischen Bauvorhaben (auch GWG, Gewofag und SWM) und die Festsetzung solcher Räume über die SoBoN bei größeren Bauvorhaben.“, erklärt Robert Kulzer (SPD), Bezirksausschussvorsitzender und Initiator des Antrags. Zwischennutzungen würden wegfallen, ältere Immobilien durch teurere Neubauten ersetzt, was sozialen Einrichtungen mehr und mehr Schwierigkeiten bereite, so Kulzer. „In Berg am Laim sind seit Jahresbeginn etwa ein Atelierhaus, ein Haus mit Wohnungen und Übungsräumen für Musiker und eine private Musik- und Tanzschule verkauft beziehungsweise gekündigt worden. Eine private Schule und eine Eltern-Kind- Initiative suchen derzeit (bisher) vergeblich nach (neuen) Räumen in Berg am Laim. Auf ein Mietangebot der GWG für eine soziale Nutzung haben sich rund 20 soziale Träger und Einrichtungen gemeldet, die allesamt dringend Räume für ihre Arbeit suchen.“

Seit Anfang Juni untersucht die Stadt im Rahmen einer Studie, welche öffentlichen Räume in welchen Stadtvierteln am ehesten fehlen. Erhoben wird in bestimmten Quartieren, die als Typen auch weitere Viertel repräsentieren, darunter etwa Neuperlach als „Großwohnsiedlung“. Die Ergebnisse sollen bis Ende 2021 vorliegen und der Stadt Impulse geben, an welcher Stelle welche Art von öffentlichem Raum entstehen muss, damit für die steigenden Stadtbevölkerung eine gute Lebensqualität gewährleistet werden kann. „Die Stadt ist verantwortlich für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung. Hierzu gehört auch die soziale und kulturelle Grundversorgung der Gesellschaft.“, betont Robert Kulzer zu den Forderungen des Bezirksausschusses. Während der Mietmarkt die Bedürfnisse der Bürger nicht mehr berücksichtige, müssten die Angebote mit geeigneten Mitteln seitens der Stadt sichergestellt werden.

Auch einen konkreten Vorschlag dafür, wo mit der Förderung von öffentlichen Räumen begonnen werden kann, hat der Bezirksausschuss. Die Stadt und die Stadtwerke München sollen beim geplanten Neubau am alten Busbahnhof Michaelibad Räume für „Nutzungen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert darstellen“ neu schaffen. Vor allem die Einrichtung von bezahlbare Künstlerateliers und Musikübungsräume sieht der Bezirksausschuss als sinnvoll an.

Der öffentliche Raum in Berg am Laim war Anfang Juni bereits Thema beim Besuch von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Damals ging es im Gespräch mit Kulzer vor allem um eine Belebung des Grünen Markts und eine mögliche Nutzung des derzeit leer stehenden ehemaligen Blumen- ladens.

pg

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