Problemfall Mittlerer Ring

„Das gab‘s noch nie!“

+
Seit Jahren ein gewohntes Bild: Stau im Feierabendverkehr am Mittleren Ring. Viele Anwohner würden ihr Leben hinter schützenden Quergebäuden verbringen, klagen die Stadtteilpolitiker.

Es ist ein gemeinschaftlicher Hilferuf aus vier Bezirksausschüssen im Münchner Südosten: Der Stadtrat müsse dringend etwas tun, um die Bevölkerung entlang dieses Teils des Mittleren Rings vor Lärm und Abgasen zu schützen.

Die Ramersdorfer SPD allerdings hat Angst um die Umgestaltung des Ortskerns Ramersdorf. Der Gemeinschaftsantrag komme zur Unzeit, erklärte Markus Guinand (SPD). Schließlich stehe im Stadtrat im Oktober der Beschluss über den nächsten Ringtunnel an. „Dem wollen wir nicht vorgreifen.“

Der restliche Bezirksausschuss sah es genau andersrum. „Wir müssen uns jetzt rühren, der Stadtrat sollte bei seiner Entscheidung über unsere Argumente und Wünsche Bescheid wissen“, verdeutlichte Werner Ruf (CSU). Man stehe bei seinen Bürgern in der Pflicht, laut zu sagen: „Bei uns soll auch was passieren!“

Der Antrag soll im Rathaus als Signal verstanden werden, pflichtete ihm CSU-Sprecher Simon Soukup bei. Es gebe noch mehr neuralgische Punkte als Landsberger Allee, Tegernseer Landstraße oder Englischer Garten. Sobald alle anderen Tunnelprojekte fertig seien, „entsteht bei uns ein gigantischer Stau“, prophezeite Soukup. Wer jetzt nichts tue, dürfe dann nicht verwundert am Straßenrand stehen und sich die Augen reiben. Die von der SPD so vehement verteidigte Ortskern-Planung treffe dies nicht. Im Antrag sei explizit ausgeführt, dass gerade sie nicht durch weitere Planungen am Mittleren Ring verzögert werden dürfe.

Ex-BA-Chefin Marina Achhammer (SPD) bescheinigte Soukup dafür „liebenswerte Naivität“. Tatsächlich werte die Verwaltung dies wohl eher als Uneinigkeit in Sachen Ortskern und Mittlerem Ring, damit würden die Pläne dann in der Schublade verschwinden.

Im Antrag fordern die Bezirksausschüsse Berg am Laim, Ramerdorf-Perlach, Obergiesing-Fasangarten und Untergiesing-Harlaching unisono eine sofortige und umfassende Beschäftigung mit einer zukunftsfähigen und stadtbezirksverträglichen Weiterentwicklung des Mittleren Rings zwischen Candidbrücke und Tegernseer Landstraße über Chiemgaustraße und Innsbrucker Ring bis zum Leuchtenberg-Tunnel. Im Vordergrund der Maßnahmen müssten Schutz und Gesundheit der rund 250.000 Menschen stehen, die in den vier Stadtbezirken leben. An einigen Stellen könne sich das Leben der Anwohner nur noch hinter schützenden Quergebäuden abspielen.

Aber auch verkehrspolitische und stadtplanerische Gesichtspunkte müssten einbezogen werden. Zum Beispiel eine Reduzierung der Stausituation oder die Verbesserung des Verkehrsflusses. Die genannten Stadtviertel würden seit langem vom Mittleren Ring zerschnitten und hätten unattraktive Querungen.

Stadtteilpolitiker komplett hinter den Antrag gestellt. Ein gemeinschaftliches Anliegen aus vier Bezirksausschüssen – „das gab’s noch nie“, erklärte Münchens Ex-Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne). Damit setze man ein deutliches Zeichen. In Untergiesing hat die SPD genau wie in Ramersdorf-Perlach dagegen gestimmt; in Berg am Laim steht die Entscheidung nächste Woche auf der Tagesordnung.

Carmen Ick-Dietl

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Berg am Laimer Paar über ihre Rückreise nach Deutschland – Ein Heimweg wie eine Odyssee
Berg am Laimer Paar über ihre Rückreise nach Deutschland – Ein Heimweg wie eine Odyssee
Nähe trotz Distanz – Angebot für Heimbewohner und Angehörige während der Pandemie in Ramersdorf-Perlach
Nähe trotz Distanz – Angebot für Heimbewohner und Angehörige während der Pandemie in Ramersdorf-Perlach

Kommentare