„Work And Box Company“ bietet straffälligen Jugendlichen eine Chance

Schlag auf Schlag in ein neues Leben

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Zwei, die sich auch im Boxring verstehen: Jürgen Zenkel und Hosni. Nach einem schweren Jahr des Wandels hat der junge Mann die Kurve endgültig gekratzt.

Bei der „Work and Box Company“ in Berg am Laim werden gewaltauffällige junge Männer auf ein Leben außerhalb der kriminellen Szene vorbereitet – und zwar mit Hilfe von Sport!

Hosni und Jürgen beharken sich im Ring intensiv, die rechte Gerade des einen Akteurs wechselt mit linkem Haken seines Gegenübers. Viel Beinarbeit ist zu sehen, schnelle Bewegungsabläufe – aber kein blindwütiges Aufeinander-Eindreschen.

Die Szene im Boxring symbolisiert vielmehr den wesentlichen Ansatz des Programms: Respekt, Disziplin und Leistungsbereitschaft werden groß geschrieben bei der „Work And Box Company“ in den Räumen der Gesellschaft Jugend-Arbeit und Sport (JAS) an der St.-Veit-Straße 70 in Berg am Laim. Seit 2003 vermitteln die Mitarbeiter des Projektes straffällige Jugendliche mit einer Erfolgsquote von bis zu 80 Prozent in Arbeit oder Ausbildung. Die oft beschriebene zweite Chance wird dort gelebt. „Vielfach ist es nach Jugendheim und Knast sogar schon die ultimativ letzte Gelegenheit, die Kurve in ein straffreies Leben noch zu bekommen.“

Der das sagt, weiß wovon er spricht: Der Sozialpädagoge Jürgen Zenkel ist seit über einem Jahrzehnt für die Jungs da, früher in Taufkirchen, seit zwei Jahren am neuen Standort in Berg am Laim. „Ein Jahr dauert ein Programm, Grundlage bildet die einmalige Mischung aus Boxtraining, intensiver Beziehungsarbeit, Erlebnispädagogik, Unterricht und Arbeitseinsätzen bei regionalen Firmen“, zählt Zenkel auf.

Der gebürtige Unterhachinger Hosni mit tunesischen Wurzeln ist das beste Beispiel für die stolze Erfolgsstatistik des Hauses. Vom Boxstudio im Keller geht es nach oben, gleichsam wie in Hosnis Leben: „Ich kam zuhause in der Familie nicht klar, habe Drogen gedealt und selbst konsumiert, war mit meinen Jungs auf Raubzügen, habe Leute geschlagen und vieles andere“, gesteht der 30-Jährige ganz offen. Nach Jugendheim, Arrest und Knast kam endlich die „Company“. „Zunächst hatte ich gar keinen Platz bekommen. Die Behörden dachten, der bringt es eh nicht“.

Doch Hosni lieferte. „Zum ersten Mal fühlte ich mich von einem offiziellen Gegenüber nicht nur verarscht oder in den Arsch getreten“, wählt der junge Mann klare Worte, der bereits im Jugendarrest nach seiner Aussage selbst heftig getreten wurde. In der „Company“ fühlte er sich schnell zu Hause. Intensive Gespräche mit den Pädagogen wurden von Unterrichtsphasen, Sport und Handwerk flankiert. Hosni machte seinen Quali mit Bravour, war in der Einrichtung vorbildlich aktiv und entdeckte seine neue Liebe zu einer sportlich-fairen Form des Abreagierens: „Hier habe ich echte Freunde gewonnen, Wärme und ein Miteinander!“ Klar gebe es gebe auch die Rückfaller-Geschichten. „Aber die sind hier sehr selten“, ist Pädagoge Zenkel stolz auf den Ansatz des Hauses. Häufiger seien Erfolgsgeschichten wie die von Hosni, der es von Hilfsdiensten zur Ausbildung und heute bis zum Empfangschef eines Hotels gebracht hat.

Zwölf von 14 Teilnehmern schafften im vergangenen Jahr bei JAS ihren Schulabschluss, Schritt für Schritt wurden aus Problem-Jugendlichen verantwortungsbewusste Erwachsene. Und auch in diesem Jahr „sind schon wieder die Nächsten auf einem guten Weg. Nicht nur wegen des Boxens“, erklärt Geschäftsführerin Kerstin Kruppa.

Leider wird die erfolgreiche Arbeit der Sozialpädagogen um Jürgen Zenkel langsam zum Problem – die Räumlichkeiten werden langsam zu eng für die steigende Nachfrage. Die JAS, so Kruppa, „sucht daher dringend in München ortsnah neue, größere Räume für unser ehrgeiziges Programm“. Mehr Informationen und Kontakte unter www.jas-muenchen.de. Harald Hettich

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