Berg am Laimer Bürgerversammlung 2014

Sicherheit und Verkehr

Berg am Laim vollzieht einen deutlichen strukturellen Wandel, doch die Örtlichkeit der Bürgerversammlung 2014 im 14. Stadtbezirk am vergangenen Donnerstag stand noch einmal für die viel beschriebene „gute alte Zeit“: Zum vielleicht letzten  Mal fand das jährliche Stadtteiltreffen in den alt ehrwürdigen Gemäuern der ESV-Turnhalle an der Baumkirchner Straße statt.

Rund eineinhalb Stunden mussten sich die Berg am Laimer Bürger gedulden, ehe nach den bedingt spannungsgeladenen gesamtstädtischen Exkursen von Sitzungsleiter und Stadtrat Hans Dieter Kaplan (SPD), dem Rechenschaftsbericht von BA-Vorstand und Polizei der Souverän das Wort hatte. Von Christine Hoffmann aus der Fehwiesenstraße wurde dabei der Aspekt Sicherheit aufs Tableau gehievt. Im Namen der Bewohner von insgesamt 74 Häusern einer dortigen Siedlung wandte sich die Berg am Laimerin besorgt an die Polizei. „Seit Jahren verzeichnen wir ein stetig steigendes Problem der Einbrüche in unserer Umgebung“, so die Anwohner-Sprecherin. „Die Zahl von allein fünf Haus- und Wohnungseinbrüchen in den Monaten Dezember und Januar bereitet den Familien vor Ort viele Sorgen und fördert starke Verunsicherung der Menschen“, so Hoffmann. Sie forderte in einem eigenen Antrag mehr Polizei-Kontrollpräsenz im eigenen Wohnumfeld und spezielle Beratungen seitens polizeilicher Fachleute in Sachen Einbruchs-Prävention.

Als Angesprochener zeigte Polizei-Direktor Bernhard Konrad von der zuständigen PI 24 großes Verständnis für die Nöte der Anwohner. „Das Problem ist erkannt und wir haben die notwendigen Maßnahmen schon eingeleitet“. Konrad sagte Hoffmann einen intensiven Dialog ebenso zu wie die gewünschten Beratungen.

Fußballproblematik

Eine echte „Fußballproblematik“ hat Heidemarie Käser beim Blick rund um das eigene Wohnquartier in der Maikäfersiedlung ausgemacht. Nach der umfangreichen Erweiterung der Siedlung würden sich hunderte Kids auf der zentralen Grünanlage im Bereich der Bad-Kreuther-Straße beim Kicken tummeln. „Angeschossene Menschen“ und kaputte Fensterscheiben in Serie seien die Folge. Sie forderte, die Bolzfläche künftig mit einem hohen Zaun zu umgeben. Ein Anliegen, das von der Mehrheit der Versammlung unterstützt wurde.

Ebenfalls aus der Maikäfersiedlung war Ingrid Doffek zur Bürgerversammlung gekommen. Ihr Problem: Zwar bekommen die örtlichen Theatergruppen nach langer Phase des Umbaus der Echardinger Einkehr voraussichtlich ab Mitte Mai wieder die Gelegenheit, im Traditionslokal zu proben. Doch die vonseiten der städtischen Wohnbaugesellschaft GWG zur Verfügung gestellten Bühnenpodeste würden den Ansprüchen der Kreativen nach Doffeks Meinung keinesfalls genügen. „Die Theaterleute waren regelrecht schockiert“, beschrieb sie die Stimmungslage der Schauspiel-Ensembles nach einem gemeinsamen Ortstermin mit der GWG. „Vor Ort kann ein echtes kulturelles Zentrum entstehen“, argumentierte die Bürgerin. Allerdings müsse bei der Ausstattung noch deutlich nachgebessert werden. Doffek warb mit fast einstimmigem Pro-Votum der Bürgerversammlung für eine Unterstützung des Bezirksausschusses und für mehr Geldmittel seitens des städtischen Kulturreferates. 

Verkehr im Fokus

Alle Jahre wieder: Auch in Berg am Laim standen Verkehr und Parkproblematik einmal mehr besonders im Fokus kritische Betrachtungen der Bürger. Enttäuscht zeigte sich Jens Bertram über weiterhin fehlende Lösungen zur Lärm- und Abgasminderung für geplagte Anwohner der Berg am Laimer Abschnitte im Verlauf des Mittleren Rings. „Bereits in der Bürgerversammlung 2013 hatte ich einen Antrag auf Einhausung des Mittleren Rings im Bereich der Wohnquartiere rund um die Schlüsselbergstraße gestellt“, so der Bürger. Passiert sei bis auf eine lapidare Rückmeldung der Stadt nichts. BA-Chef Robert Kulzer zeigte viel Verständnis für des Bürgers Anliegen und teilte dessen Zorn gegenüber der Stadt. Zur neuerlichen Abstimmung kam das Dauer-Problemthema indes nicht. Stadtrat Hans Dieter Kaplan versicherte, das Thema sei demnächst ohnehin auf der Agenda des Stadtrates. Andere Verkehrsanträge wurden bereits von der Bürgerversammlung selbst per Mehrheitsentscheid gekippt. So bekam Karlheinz Pöllat keine Mehrheit für sein Ansinnen, die Verbindungstrassen zwischen Josephsburg- und Kreillerstraße künftig als Einbahnstraßen auszuweisen. „Lediglich Verdrängung auf andere Straßen, erhöhtes Tempo ohne Gegenverkehr und Zufahrtsprobleme“ seien laut KVR die Folge. Die Mehrheit der Anwesenden sah es ebenso.

Auch eine Tramtrassenverlängerung der Linie 19, gewünscht von Michael Pongratz, über den heutigen Endhaltepunkt an der St.-Veit-Straße hinaus bis ins Neuperlacher Zentrum lehnte die Mehrheit der Versammlung ab. Zuvor hatte ein Stadtvertreter bereits die kostentechnische Chancenlosigkeit des Vorschlags attestiert. Dagegen soll die Tramtrasse vom Max-Weber-Platz über Einstein- und Truderinger Straße bis zur Hultschiner Straße nahe des S-Bahnhofs Berg am Laim schon 2015 Realität werden. Sogar eine Verlängerung dieser Trasse bis nach Daglfing werde erwogen – ist aber laut Stadt derzeit „noch Zukunftsmusik“.

Auch auf das runderneuerte Zentrum Berg am Laims am Behrpark richtete sich die Aufmerksamkeit der Versammlungsteilnehmer. Die örtliche Gewerbetreibende Angela Buckenauer konnte sich allerdings mit ihrem Anliegen nicht durchsetzen, im südlichen Teilbereich des neu konfigurierten Zentrumsplatzes zwölf neue Parkplätze zu integrieren. Vor allem Kundenparkplätze für eine Zukunft der Ladengeschäfte und Arztpraxen vor Ort seien beim Umbau entfallen und müssten nachgerüstet werden. Zudem werde vor Ort ohnehin wild geparkt, hat die Antragstellerin beobachtet. Auf dem Wege einer geordneten Parkplatzausweisung könne die Stadt mit Parkautomaten noch Geld einnehmen. KVR und BA-Chef Kulzer waren sich jedoch einig in der Ablehnung. „Der Platz ist noch gar nicht fertig“, die Parkproblematik werde sich entspannen, auch kontrolliere die Polizei vor Ort eifrig. Zudem stünden Kunden und Arztbesuchern in der nahen Hansjakobstraße weitere Kurzzeitparkplätze zur Verfügung. Immerhin soll einem weiteren Wunsch Buckenauers entsprochen und sechs weitere Abfallkörbe am neuen Zentrumsplatz installiert werden.

Unweit nördlich davon an der Kreuzung von Baumkirchner-/Neumarkter- und Hansjakobstraße hatte Margit Schmidt ein aus ihrer Sicht gravierendes Problem ausgemacht: im stark freqeuntierten Kreuzungsschnittpunkt sei die Ampeltaktung für Fußgänger zeitlich zu kurz bemessen. Besonders bei älteren und behinderten Menschen ergäben sich Probleme. Sie forderte die Stadt auf, Möglichkeiten für Nachbesserungen zu prüfen und wurde von fast allen Anwesenden in diesem Ansatz unterstützt. Notfalls müsse vor Ort eine gelbe Warnlampe zugunsten der Fußgänger installiert werden. Auch dies zu prüfen, versprach der Stadtvertreter.

Dagegen lehnte eine Mehrheit der Versammlung den Vorstoß von Josef Baudrexl ab, im Bereich von Neumarkter-, Riedgau- und Streitfeldstraße per Parklizensierung dem Parkproblem Herr zu werden.

Zurück ins Zentrum: Für die Baumkirchner Straße forderte Heinz Unruh vonseiten der Stadt jenen durchgängige Radwegeverbindung entlang dieser Hauptroute ein, den die Kommune einst im Zuge der Sanierung der Trasse versprochen hatte. „Das hat die Stadt nicht eingehalten.“ Das sei unwürdig für eine selbst ernannte Radlhauptstadt, argumentierte der Anwohner. Die Mehrheit der Versammlung unterstützte ihn zwar in seinem Anliegen. Doch die Stadtvertreter winkten ab. Es bestehe nicht ausreichend Verkehrsraum für eine Realisierung. Ähnliches gilt für diverse Ampelforderungen, die Heinz Gutbrunner in sichtlicher Verärgerung an die Adresse der Stadt richtete. Er mochte nicht nachvollziehen, warum für die Kinder etwa die gefahrvollen Übergänge im Bereich von Wald-/St.-Veit-Straße oder im Bereich von St.-Michael- und Hachinger-Bach-Straße nicht durch Bedarfsampeln sicherer gestaltet werden könnten. Zudem müssten wenigstens früher dort angebrachte Zebrastreifen erneut abmarkiert werden. „Ist der Stadt die Farbe ausgegangen?“ wollte Gutbrunner wissen. „Nein“, gab BA-Chef Kulzer zurück. Die Abmarkierungen seien für die Osterferien vorgesehen. 

 Harald Hettich

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