Trittbretter und Haltegriffe

Pilotprojekt zu Haltehilfen für Fahrradfahrer in Berg am Laim – auch Ramersdorf-Perlach wünscht sich Griffe oder Trittbretter

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Haltegriffe sollen die schnelle Weiterfahrt an Kreuzungen erleichtern. In Berg am Laim werden freistehende Fahrradgeländer angebracht.

Viele Fahrradfahrer möchten an Ampeln nicht absteigen und halten sich an Schilder- oder Ampelmasten fest. Haltehilfen sollen die schnelle Weiterfahrt noch einfacher machen.

Ramersdorf-Perlach/ Berg am Laim – Auf kurzen Strecken geht es in der Stadt oft schneller mit dem Rad voran, als mit Auto oder Bus. Wie schnell das umweltverträglichste Verkehrsmittel ist, hängt aber auch davon ab, wie schnell die Radler in die Pedale treten und wie oft sie auf rote Ampeln treffen. Damit die Abfahrt nach dem kurzen Halt möglichst schnell geht, wünscht sich der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach Haltehilfen für Radfahrer.

Vorbild für die Idee ist die als Fahrradstadt bezeichnete dänische Haupstadt Kopenhagen. Dort gibt es verschiedene Arten von Haltegriffen, an denen sich Radfahrer an Kreuzungen festhalten können. Eine Möglichkeit ist, einen Griff am Ampel- oder Schildmast anzubringen. Diese können als einfache vertikale Griffe an einer Seite des Masts oder als durchgänge Haltestange runderhum gestaltet sein. Alternativ können Haltestangen mit einer zusätzlichen Fläche für einen Fuß am Straßen- oder Fahrradwegrand angebracht werden. Diese werden auch als „Ampeltrittbretter“ oder Geländer bezeichnet.

Allerdings wollen die Antragsteller von der SPD nicht, dass die Haltehilfen im 16. Stadtbezirk sofort angebracht werden. Denn: In Berg am Laim soll in diesem Jahr ein Pilotprojekt zu den Ampeltrittbrettern umgesetzt werden. Die Idee dazu hatten die Grünen in Berg am Laim schon im Jahr 2018 in den Bezirksausschuss gebracht. Entstehen sollen die Haltehilfen für Radfahrer an der Kreuzung am Innsbrucker Ring mit der Grafinger Straße und Schlüsselbergstraße sowie an der Kreuzung von der Kreillerstraße und der St.-Veit-Straße.

Die Evaluationsphase des Pilotprojektes in Berg am Laim dauert etwa ein Jahr, daher würden die Haltehilfen erst im nächsten Jahr in Ramersdorf-Perlach umgesetzt werden. „Im Stadtbezirk 16 gibt es viele große Kreuzungen – Innsbrucker Ring, Ottobrunner Straße und andere – die sich hier anbieten würden“, heißt es im Antrag von Astrid Schweizer, Andrea del Bondio und Josef Kress-del Bondio.

Da in Berg am Laim die aufwendigere Variante der Haltebügel als einzeln stehende Geländer mit Stange oder Brett für einen Fuß am Rand des Fahrradweges vorgesehen sind, erfragt der Bezirks­ausschuss 16 gleichzeitig, ob die Variante mit Griffen an Ampelstangen auch schon vor Abschluss des Pilotprojekts in Berg am Laim umgesetzt werden können. Diese einfachere Variante gibt es bereits in anderen deutschen Städten, so wie im nordrhein-westfälischen Marl oder im sächsischen Leipzig. 

pg

Kommentar: Prioritäten setzen. Wie sinnvoll sind Haltegriffe für Fahrradfahrer?

Wie gut es sich mit den Rad durch eine Stadt fahren lässt, ist mittlerweile ein wichtiges, politisches Thema. Zu recht, denn Radfahren bringt viele Vorteile für die Fahrenden selbst und auch für die Umwelt. Bei den Haltegriffen oder Geländern, wie sie in Berg am Laim aufgestellt werden sollen, ist die Größe des Verbesserungseffekts jedoch fragwürdig.

Die Geländer sind Spezialanfertigungen, wie das Baureferat in seinem Antwortschreiben an den Bezirksausschuss 14 im letzten Jahr mitteilte. Aufgestellt werden können sie nur an einigen Kreuzungen, denn nicht überall ist das nach Aussage des Baureferats möglich und sinnvoll. Auch in Kopenhagen, dem Vorbild für die Haltehilfen, seien diese nur an bestimmten Knotenpunkten zu finden.

Es muss die Frage gestellt werden, ob die eingesetzten Ressourcen einer solchen Maßnahme gerecht werden. Ist es nicht wichtiger, dass der Fahrradweg zunächst einmal keine Furchen und Risse aufweist? Oder die Bordsteine so abgesenkt sind, dass sich die Luft aus den City-Rad-Reifen nicht mit einer Überfahrt von einer Kreuzung verabschiedet? Das Losfahren nach dem Halten ist auch kein Problem, wenn die Ampeln vernünftig geschaltet sind.

Pia Getzin


Mehr über die Stadtbezirke Ramersdorf-Perlach und Berg am Laim gibt es in der Übersicht.

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