Die verzweifelte Suche

FC Phönix Berg am Laim sucht nach dem neuen Hansi Flick

Vereinssport ist wichtig für Fitness und sozialen Zusammenhalt. Doch die Vereine haben Schwierigkeiten, Trainer zu finden (Symbolbild).
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Vereinssport ist wichtig für Fitness und sozialen Zusammenhalt. Doch die Vereine haben Schwierigkeiten, Trainer zu finden (Symbolbild).

Sportvereine hatten in den vergangenen Monaten mit Einschränkungen zu kämpfen. Doch auch ohne Corona gibt es Probleme. So sucht etwa der FC Phönix dringend nach Jugendtrainern.

Berg am Laim – Deutsche Nationalmannschaft? Bayern München? Weit gefehlt – auch der aktuell im Rampenlicht stehende Hansi Flick begann seine Trainerkarriere bei einem Amateurverein, dem FC Bammental. Ähnlich wie dem FC Phönix München, einem Amateurverein mit 100-jähriger Geschichte aus Berg am Laim, geht es seit Jahren den meisten Vereinen: Trainer und Betreuer fehlen.

„Unsere Gesellschaft verändert sich dramatisch, die Bereitschaft, in Vereinen Verantwortung zu übernehmen, sich einzubringen als Trainer, Betreuer, Schiedsrichter oder Funktionär, nimmt stetig ab“, berichtet Vorstand Christian Tholl. „Gerade in einer Großstadt wie München verlagern sich die Interessen der Menschen auf ihr eigenes, maximales Freizeitvergnügen.“

„Die Leistungsmannschaften der U19 oder U17-Teams in der Kreisliga, dafür finden sich teilweise noch Interessenten – oft auch hier schon gegen finanzielle Vorstellungen im Phantasie-Bereich, welche wir dann natürlich auch nicht erbringen können“, stellt Jugendleiter Michael Kaltner fest. „Im Bereich der U11-Teams abwärts bis zu den Bambinis findest du kaum mehr engagierte und qualifizierte Trainer und Betreuer.“ Genau hierauf jedoch ist eigentlich der Fokus der Vereine zu richten – die frühzeitige technische und koordinative Ausbildung der Anfänger, verpackt in Spaß machende Trainingseinheiten.

„Der Bayerische Fußball-Verband bietet den Vereinen Unterstützung mit Trainer-Lehrgängen und Kursen vor Ort in den Vereinen. Ehrenamtsaktionen. Wir selbst halten durch unseren sportlichen Leiter interne Schulungen für alle Trainer ab“, fährt der Jugendleiter fort. „Wir haben bei 22 Jugend-Mannschaften, drei Herren- und Senioren- sowie einer Damenmannschaft 26 Teams im Spielbetrieb, damit einen Bedarf von fast 60 Trainern und Betreuern. Jeder Spieler und auch wir als Verantwortliche möchten hierfür passende und leidenschaftliche Übungsleiter bei den Teams haben, das ist einfach unser Anspruch“.

Viele Vereine gehen gleich dem FC Phönix München mehrere Wege in der Trainersuche, angefangen bei der Akquise aus dem Seniorenbereich bis hin zu Betreuern von Jungs, die selbst noch in der U19 oder U17 als Spieler aktiv sind. Aufrufe in diversen Foren und im Social Media Bereich. Die Rückmeldungen jedoch werden immer geringer. Auch immer weniger „Fußball-Papas“ steigen mit ihren Kindern in das Vereinsgeschehen ein.

„Jugendtrainer zu sein, dafür brauchst du Herzblut und Leidenschaft, da bist du menschliches Vorbild, erwarten die Kids von dir ein spaßiges und spannendes Training, Zuspruch, Lob und Trost. Dafür erhältst du kurzfristige Bestätigung deiner Maßnahmen, spürst die Zufriedenheit deiner Mannschaft und bist Teil der Begeisterung deiner Spieler für den Sport – das ist mehr Wert als jede Bezahlung“, schwärmt der langjährige Jugendtrainer Michael Sperk von seinen eigenen Erfahrungen. „Wegen Geld darfst du das nicht machen – deine Stunden, die du aufbringst, sind eh nicht bezahlbar. Dafür hält es dich jung“, lacht der 54-Jährige.

Auch die Politik und die Sportverbände sind aufgerufen, die Stärkung des Ehrenamtes zu fördern. Was spricht denn dagegen, geprüften Betreuern, von den Vereinen bestätigt, eine Steuererleichterung anzubieten? Was spricht dagegen, dass die Spitzenverbände die Mittelverteilung mehr in Richtung Breitensport fließen lassen? Dass sich Top-Vereine mehr am Geschehen der Amateure beteiligen? Wo liegt die Alternative zum Vereinsmodell, wenn diese mangels Trainern keine Kinder mehr betreuen können? Fußballschulen mit einem Jahresbeitrag von bis zu 1200 Euro können sich die meisten Familien mit Kindern nicht leisten. „Noch kapitulieren wir nicht, wir möchten unsere Fußballbegeisterten, den Menschen in unserem Stadtviertel und unserer Stadt aufrufen, sich wieder zu engagieren! Das müssen unsere Spieler und somit eure Kinder der Gesellschaft doch Wert sein!“, gibt sich Jugendleiter Kaltner kämpferisch.

Der FC Phönix München freut sich über jedes Angebot zur Unterstützung im Jugendbereich, etwa per E-Mail an jugend@fcphoenixmuenchen.de. Mehr Infos zum Verein unter www.fcphoenixmuenchen.de.

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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