Reisen in Zeiten der Corona-Krise

Berg am Laimer Paar über ihre Rückreise nach Deutschland – Ein Heimweg wie eine Odyssee

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Auf der philippinischen Insel Sibuyan Island hat das Paar M., das in Berg am Laim wohnt, ein Haus geleast, in dem das ganze Jahr über eine philippinische Familie lebt.

Annette und Hans M. wollten noch bis Ende März auf einer philippinischen Insel bleiben. Doch wegen Corona mussten sie früher zurück. Und nahmen eine wahre Odyssee auf sich, um wieder nach Deutschland zurück zu kommen.

Berg am Laim – Seit 14 Jahren kommen Anette und Hans M. auf die philippinische Insel Sibuyan Island, die etwa 15 Bus- und Fährstunden von der Hauptstadt Manila entfernt liegt. Dort haben sie ein Haus geleast, in dem das ganze Jahr über eine philippinische Familie lebt, die so gennanten „Caretaker“. Der Kontakt zu den Einheimischen war wohl am Ende ein Faktor, der es den Berg am Laimern überhaupt ermöglichte, rechtzeitig das Land zu verlassen. „Denn im Haus haben wir kein Fernsehen und kein Radio“, so Annette M.

Als sie Anfang Januar ins Flugzeug stiegen, ahnten sie noch nicht, dass die Welt in zwei Monaten ganz anders aussehen und dass ihre Heimreise zurück nach München äußerst schwierig werden würde. „Als unsere Reise begann, war Corona ein lateinisches Fremdwort und Covid-19 ein regionales chinesisches Ereignis“, so Annette M. in einer Aufzeichnung, in dem sie die Erlebnisse festgehalten hat.

Bei ihren jährlichen Besuchen bringt das Paar gesammelte Spenden auf die Insel Sibuyan. Ende März wollten Annette und Hans M. über Singapur nach Deutschland zurückfliegen. Doch es kam anders.

„Am 11. März standen unsere Caretaker abends unerwartet vor unserer Tür“, erzählt Annette M. Die Filipinos erklärten dem Berg am Laimer Paar, dass in den Nachrichten verkündet worden sei, dass Manila zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus ab dem 15. März abgeriegelt werden solle. Das bedeutete, dass die Fährverbindungen zwischen den Inseln stark eingeschränkt würden und es nicht so einfach werden würde, von Sibuyan zum Flughafen in Manila zu kommen. Ab da begann die Odyssee für die Berg am Laimer. „Wir bekamen eine E-Mail mit der Information, dass der Flughafen Singapur für Deutsche nicht mehr offen ist“, so Annette M. Somit war ihre geplante Rückreise hinfällig, die Flüge storniert.

„Kurzentschlossen haben wir nachts gepackt“. Gleich am nächsten Tag fuhr das Paar mit einem Schiff nach Batangas, um von dort aus mit dem Taxi in ein Ressort vor Manila zu kommen. Nun waren sie noch 90 Autominuten von der philippinischen Hauptstadt entfernt. Von dort aus wollte das Paar neue Flugtickets über ein deutsches Reisebüro buchen. „Wir hatten Glück“, dachte Annette M. zunächst: Sie konnten einen Flug am 20. März buchen. „Wir waren froh und erleichtert, glaubten uns sicher.“ Aber so einfach sollte die Rückreise dann doch nicht klappen.

Zwei Tage später erfuhren Hans und Annette M., dass ihnen nur noch 72 Stunden Zeit für die Ausreise blieben. Denn dann würde der internationale Flughafen von Manila schließen: Einen Tag vor dem neu gebuchten Flug. „Wir dachten nur: Wir wollen nach Hause!“, schildern sie ihre Verzweiflung.

Und wieder Hoffnung: Über ein Reisebüro konnten die Münchner Flugtickets für den 18. März ergattern. Doch auch dabei gab es einen Haken: Übrig waren nur noch Plätze in der teureren Businessclass und 17 Stunden Aufenthalt in Dubai. „Wir haben fast 2600 Euro ausgegeben, um nach Hause zu kommen“, erzählt Annette M. Dabei sei dieser Preis noch in einem normalen Rahmen. Andere Fluggäste hätten bis zu 7000 Euro bezahlen müssen, um beispielsweise von den Philippinen nach Kanada zu kommen. Immerhin: Die Businesslounge mit kostenlosem Essen und Trinken, Schlafkabine, Dusche und Sauna „ist sicher nicht das Allerschlimmste“, wie Hans und Annette M. feststellten.

Nun, als das Paar gültige Tickets vorweisen konnte, machte es sich auf den Weg zum Flughafen. Dafür mussten sie erst einmal einen Fahrer mit einer entsprechenden Lizenz finden, der auch bereit war, sie dorthin zu bringen. Denn: Als Privatperson kam man zwar in die philippinische Hauptstadt hinein, aber nicht so einfach wieder raus. Aufgrund der Lage wurde ihnen an den Checkpoints auch mithilfe von kontaktlosen Infrarot-Thermometern Fieber gemessen. Zum Glück waren die M.s gesund und durften passieren.

Kurz vor Manila gerieten sie dann schließlich in einen Stau. „200 Meter in 45 Minuten. Langsam wurde die Zeit bis zum Boarding immer knapper“, schreiben Annette und Hans M. Annette M. stieg aus und lief zum nächsten Checkpoint, um einer Kontrolleurin ihre Situation zu schildern. Die reagierte verständnisvoll. Denn weil Philippinos sehr kinderlieb sind, konnte Annette M. die Kontrolleurin damit überzeugen, dass sie nach Deutschland zurück zu ihrer Tochter und Enkeltochter müssten. Mit Polizeigeleit ging es vorbei an den anderen Wartenden über den Checkpoint. Dort erlebte das Paar noch einmal eine schöne Überraschung: Kaum noch Verkehr in der sonst so vollen Stadt. „Die Skyline von Manila war beeindruckend. Kein Smog und strahlend blauer Himmel. Das kannten wir so nicht.“ Ein gelungener Abschied also. Wegen des Stresses habe sie natürlich vergessen, Bilder zu machen, lacht Annette M. heute.

Endlich im Flugzeug nach Dubai waren die Sorgen noch nicht ganz verflogen. Würden sie aus Dubai ausreisen können? Denn am Flughafen in Dubai angekommen, hörte das Paar am laufenden Band Ansagen über gecancelte Flüge. „Zum Glück war unserer nicht dabei und stand noch auf der Anzeigentafel!“ Und so konnten Annette und Hans M. am Freitag, 20. März, 17 Uhr nach vielen ungewissen Tagen sagen: „Mia san dahoam“.

Pia Getzin

Mehr über Berg am Laim gibt es in der Übersicht.

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