Der letzte Kreuzweg in München

Berg am Laimer Bezirksausschuss fordert Denkmalschutz und Sanierung des Kreuzweges

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Einen Kreuzweg unter freiem Himmel gibt es eigentlich auch in München. Doch in Berg am Laim verfallen die Stelen.

In Berg am Laim versteckt sich ein christlicher Schatz zwischen Gestrüpp und Mauern. Der Bezirksausschuss will diesen jetzt wieder ansehnlich und für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Berg am Laim – Auf dem Grundstück der Maria-Ward-Schule in Berg am Laim befindet sich der letzte Kreuzweg unter freiem Himmel in der Landeshauptstadt München. 14 Stelen zeigen Pilgern den Leidensweg Christi auf bunten Steingussplatten — so soll es zumindest sein. Allerdings ist der Kreuzweg nicht öffentlich zugänglich und stark verwachsen. Nur wenige Male bekamen Interessierte Bürger die denkmalgeschützten Stationen des Berg am Laimer Kreuzweges im Rahmen von Führungen des Bürgerkreises, etwa beim Tag des offenen Denkmals, in den letzten Jahren zu Gesicht.

Währenddessen verfällt der Kreuzweg. Scheiben sind zerstört, Kreuze fehlen, die Farbe der Stelen blättert ab und Reliefs sind herausgefallen. Einige davon konnten zumindest in der Kirche St. Michael eingelagert werden, andere sind verloren.

Doch derBezirksausschuss hat den Kreuzweg noch nicht aufgegeben: „Dem Denkmal droht die endgültige Zerstörung, womit Berg am Laim ein wichtiges Zeugnis seiner Stadtteilgeschichte verlieren würde. Auch der Landesdenkmalrat hat daher in Folge einer Ortsbegehung und in Anbetracht des dort geäußerten großen örtlichen Interesses an einem Erhalt des Denkmals seine Einschätzung zum Ausdruck gebracht, dass die Kreuzwegstelen erhaltenswürdig seien,“ erläutert CSU-Fraktionssprecher Fabian Ewald seinen Antrag Berg im Laimer Bezirksausschuss.

Der Kreuzweg gehört zum ehemaligen Institut der englischen Fräulein und ist als Einzeldenkmal registriert. Doch gerade in seinem Zusammenhang mit anderen denkmalgeschützten Gebäuden sieht der Bezirksausschuss die Chance, die Stelen vor dem weiteren Verfall zu bewahren. So soll geprüft werden, welche Konsequenzen es hätte, den Kreuzweg zusammen mit der Lorettokirche und dem ehemaligen Institut der englischen Fräulein an der Josephsburgstraße als Ensemble eintragen zu lassen. „Alles zusammen bildet einen unverwechselbaren und noch intakten Teil des historischen Ortsbildes im Bereich des alten Dorfkerns von Berg am Laim“, so die CSU in ihrem Antrag.

Da der Kreuzweg sich auf einem Grundstück der Kirche befindet, ist die Zustimmung der Erzdiözese für die Sanierung und auch für den Zugang notwendig. Das Ordinariat hat sich bereits vor drei Jahren zum Verfall des Kreuzweges geäußert und versichert, dass auch für die Kirche die Erhaltung der Stelen von Bedeutung sei, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Allerdings ist außer Zusicherungen und Versprechen seither nie etwas passiert: Das Ordinariat weigerte sich, für die Restaurierung der Stelen aufzukommen, da dies zu teuer sei.

Aus diesem Grund will der Bezirksausschuss prüfen lassen, ob die Sanierung des Berg am Laimer Kreuzweges auch mit der Beteiligung von Mitteln aus dem Stadtbezirksbudget möglich ist. „Es wäre sicherlich hilfreich, wenn dem Bezirksausschuss Berg am Laim im Rahmen eines Gesamtfinanzierungskonzepts die Möglichkeit offenstehen würde, sich mit einem noch festzulegenden Betrag aus seinem Stadtbezirksbudget an den Kosten zu beteiligen“, heißt es in dem Antrag der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss. Hubert Kragler (Die Grünen) merkte dazu an, dass der Weg in dem Fall, dass sich die Stadt an den Kosten für die Sanierung beteilige, unbedingt für Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müsste.

Mit einem intakten Kreuzweg würde Münchens 14. Stadtbezirk nicht nur Zeugnisse seiner eigenen Geschichte bewahren, sondern auch einen Anziehungspunkt schaffen. Sowohl Münchner als auch Touristen hätten dann ein neues Ziel im Viertel. Neben den Werksviertel, das an den Ostbahnhof grenzt, könnte man so Besucher noch ein Stück weiter in den Osten der bayerischen Landeshaupstadt ziehen, der sonst für viele zu oft ein unbekannter Teil Münchens bleibt.

Pia Getzin

Mehr über Berg am Laim gibt es in derStadtteilübersicht.

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