Eine Drehung und man fällt vom Balkon

Berg am Laimer Tanzsportverein klagt gegen Schließung

Tanzendes Paar Latein Tanzsport
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Tanzsport in Innenräumen ist in Bayern derzeit nicht erlaubt. Der TSC Savoy klagt dagegen (Symbolbild).

Sportvereine haben stark mit den Einschränkungen in der Corona-Krise zu kämpfen. Und nicht immer sind alle Beschränkungen nachvollziehbar. Der TSC Savoy aus Berg am Laim klagt deshalb am Bayerischen Verwaltungsgericht.

Nicht jeden Sport kann man online von zuhause aus machen. Und nicht jeder kann einfach alternativ zum Sportprogramm beim hiesigen Verein Joggen gehen. Für die Tänzerinnen und Tänzer des TSC Savoy in Berg am Laim sind die coronabedingten Beschränkungen daher ein echtes Problem. „Standardtanz kann man nicht von zuhause aus machen“, erklärt Michaela Weinzierl, Schriftführerin des Tanzsportvereins. „Eine Drehung und man fällt vom Balkon.“ Für die klasschien Tänze sind die Wohnungen und Balkone der Münchner meistens zu klein. Wirklich praktisch seien nur allgemeine Übungen von der Matte aus, wie etwa Dehnübungen, über das Online-Programm zu machen. Und die etwa 200 Quadratmer großen Säle des TSC an der Neumarkter Straße müssen geschlossen bleiben – ausnahmslos.

Dabei hatte der Verein sich, wie viele andere Sportvereine, Gaststätten und Einrichtungen ein ausgeklügeltes Hygienekonzept überlegt. Tanzpaare mussten einen Slot in einem Buchungssystem reservieren und sich vor Ort ihre Ankunft und den Zeitpunkt des Verlassens der Sportstätte notieren. Außerdem gibt es den Zugang „in Einbahnstraßen“ zu den Sälen nur mittels einer Zugangskarte, die abermals den Aufenthalt festhielt. Jeweils 75 Minuten durften sich die Tanzpaare (die aus festen Partnern bestehen), jeweils maximal vier gleichzeitig, im Saal aufhalten. 15 Minuten davon waren Lüftungszeit, in der der Raum dann auch leer sein musste, damit die nächsten Paare ohne Kontakt zu der vorigen Gruppe und mit frischer Luft in den Saal kommen konnten. Letztlich wurden die Räume dann täglich noch gereinigt und desinfiziert. Als sich ein Tänzer aufgrund eines positiven Coronatests meldete, kümmerte sich der Verein um die Kontakverfolgung und meldete sich bei jedem, der innerhalb der letzten 14 Tage in den Sportstätte gewesen war. „Keine Person hat sich bei uns angesteckt“, so Weinzierl. Das Hygienekonzept funktionierte also.

Trotzdem darf beim TSV Savoy derzeit nicht mehr getanzt werden. Nach der Gesetzesänderung des Bayerischen Infektionsschutzgesetzes vom 13. November dürfen Sportler auch nicht mehr alleine in einer Sportstätte trainieren. Am 12. November war seitens des Bayerischen Verwaltungsgerichtes ein Urteil gefällt worden, das die Schließung von Fitnessstudios für unrechtmäßig erklärt hatte. Zuvor war Individualsport in Sportstätten allgemein erlaubt gewesen. Die Bayerische Landesregierung reagierte deshalb mit einer gänzlichen Schließung aller Indoorsportstätten.

Nicht nur fehlt den Mitgliedern der Tanz als Sport. Die Schließung ist für den Verein selbst eine Bedrohung. „Wir haben schon zehn Prozent an Mitgliedern verloren“, sagt Weinzierl. Und weitere Kosten, wie die Saalmiete, werden dem Verein natürlich auch nicht erlassen. Dass die Türen des TSV geschlossen bleiben müssen, schmerzt Schriftführerin Weinzierl: „Es ist eine Ungerechtigkeit.“ In den öffentlichen Debatten ginge es meist nur um Fußball. Nur Kadersportler hätten noch die Möglichkeit zu tanzen.

Mit einem Antrag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof will der Verein nun die Öffnung seiner Sportstätte erwirken. Die Schließung als Schutzmaßnahme sei nicht vertretbar, heißt es in dem Antrag. Mangels an Kontaktmöglichkeiten der Tänzer untereinander bestünden keine Merkmale, die für eine besondere Ansteckungsgefahr sprächen. Der Verein fordert deshalb, den Tanzsport wieder zu erlauben.

pg

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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