Umstrittener Wohnungsbau wider den Willen der Bürger

Bebauungsplan für den Otto-Hahn-Ring in Neuperlach beschlossen

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750 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Parkplatz am Otto-Hahn-Ring gebaut werden. Der Stadtrat entschied das nun trotz Gegenwind seitens der Bürger.

Der Bebauungsplan am Otto-Hahn-Ring in Neuperlach ist umstritten. Eine Bürgerinitiative appellierte jüngst an den Stadtrat, den Eckdatenbeschluss abzulehnen (HALLO berichtete). Doch die Gegenwehr der Bürger wurde beim Stadtratsbeschluss nicht berücksichtigt.

Neuperlach — „Den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Eckdaten wird zugestimmt“, heißt es im Beschluss des Stadtrats vom vergangenen Mittwoch. Das bedeutet, es werden Wohnungen am Otto-Hahn-Ring in Neuperlach gebaut. 750 Wohnungen auf 80.000 Quadratmetern sollen es werden. Die Anwohner und Mitglieder der Bürgerinitiative hatten jüngst noch an dem Baurecht gezweifelt (HALLO berichtete). Doch die Befürchtungen der Bürger, der Stadtrat könne ihre Bedenken und Einwände nicht berücksichtigen, haben sich nun bewahrheitet. 

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach äußerte sich nach dem Beschluss kritisch zum Vorgehen des Stadtrats. „Die mehrheitliche Entscheidung des Stadtrats, die Eckdaten des Aufstellungsbeschlusses unverändert zu lassen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Hier regierte Schnelligkeit vor Gründlichkeit, Stückwerk vor Ganzheitlichkeit“, so Thomas Kauer (CSU) in seinem Statement. „Es fehlen Antworten auf Fragen der Schulversorgung, nach der Gesamtperspektive Neuperlach Süd und auf viele weitere von Anwohnern aufgeworfene Fragen. Niemand war hier gegen Wohnungsbau, aber nun droht aus Einfältigkeit ein weiteres gesichtsloses Zweckwohnquartier an einer Stelle, wo Potenzial gewesen wäre für echte zukunftsgerichtete Stadtplanung“, so Kauer weiter. Hart sei die Entscheidung vor allem für die Bürger, die sich stark engagiert hätten.

Die Bürgeriniative ihrerseits kritisierte die Entscheidung des Stadtrats ebenfalls. Die Entscheider hätten sich nicht „ernsthaft inhaltlich auseinandergesetzt und auf die im Umfeld vorhandene Bebauung keine Rücksicht genommen“, heißt es in deren Stellungnahme. „Bei Ausschöpfung der beschlossenen Eckdaten erfährt das Grundstück – zusätzlich zu dem vorhandenen Baurecht aus dem Gesamtareal – über das neue Baurecht eine Wertsteigerung von wenigstens 280 Millionen Euro und der Investor bekommt die Möglichkeit, auf dem Straßenbegleitgrün eine Immobilie im Wert von mehr als 1,5 Milliarden Euro zu errichten“, so die Mitglieder der Bürgerinitiative weiter. Die Stadt verliere damit eine einmalige Chance darauf, weniger aber dafür nachhaltig bezahlbare Wohnungen zu schaffen.

Nun soll ein Wettbewerb ausgerichtet werden, der für alle Architektenbüros offen steht. Der Flächennutzungsplan mit integrierter Landschaftsplanung soll nämlich geändert werden. Die BSC Grundstückgesellschaft, der das Grundstück gehört, hatte angekündigt, die Bürger bei den weiteren Planungen zu beteiligen. Somit bietet sich für sie eine Chance, ihre Belange noch einmal anzubringen, auch wenn die Eckdaten und Rahmenbedingungen nun beschlossen sind.

„Der gewinnorientierte Hamburger Investor erhält mit dem Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss einen weitgehenden Freibrief für die inhaltliche Gestaltung des städtebaulichen Wettbewerbs, der von dem von ihm beauftragten Frankfurter Architekturbüro und nicht vom Planungsreferat der Landeshauptstadt München ausgelobt werden soll“, kritisiert die Bürgerinitiative in ihrem Statement das Vorgehen weiter. Sie werde jedoch weiterhin ihre Änderungsvorschläge einbringen.

Der Bezirksausschussvorsitzende Kauer machte in seinen Erklärungen zumindest klar, dass der BA weiterhin hinter den Bürgern stehe. 

pg

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