Zur Ausstellung „Ein schöner Mensch, ein toller!“

Menschen ein Bild in der Gesellschaft geben

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Aus einer Foto-Session in der Küche einer Münchner Gemeinschaftsunterkunft wurde mehr: Die Fotografin wollte zunächst nur Porträts der Bewohner für deren Eigenbedarf machen. Aus den Begegnungen vor ihrer Kamera wurde nun eine Ausstellung.

„Irgendwie, irgendwo, irgendwann — wird es gut werden, leichter ums Herz“ steht neben dem Bild der vier nigerianischen Frauen und ihren Kindern, das die Münchner Fotografin Barbara Donaubauer gemacht hat. Das Bild gehört zur Ausstellung „Ein schöner Mensch, ein toller!“, die bis November in den Räumen der Münchenstift in Ramersdorf zu sehen ist.

An eine Ausstellung dachte die Fotografin Barbara Donaubauer zunächst nicht, als sie in einer Flüchtlingsunterkunft im Zentrum Münchens mit ihrer Kamera und ihrer Blitzanlage stand. „In der Gemeinschaftsküche baute ich mein mobiles Foto-Studio auf und bot den Bewohner der Unterkunft an, dass ich Porträts von ihnen mache“, erzählt die Münchnerin. Doch aus dem Projekt wurde mehr: Die dort entstandenen Bilder sind derzeit in einer Ausstellung unter dem Titel „Ein schöner Mensch, ein toller!“ in der Münchenstift-Hauptverwaltung an der Kirchseeoner Straße 3 in Ramersdorf zu sehen. Die Foto-Ausstellung ist Auftakt einer Kampagne zum Thema Respekt, mit der die Münchenstift, in deren Häusern rund 3000 Senioren wohnen, heuer ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen möchte. Seit 2016 engagiert sich Donaubauer in einem ehrenamtlichen Helferkreis in München und besucht regelmäßig eine Unterkunft im Stadtzentrum. „Damals an Silvester hatte ich mir vorgenommen, meine Zeit Frauen und Kindern zu schenken, die als Flüchtlinge nach München gekommen waren“, so die Fotografin. „Jeweils zu zweit bieten wir vom Helferkreis in der Unterkunft regelmäßig einen offenen Treff an.“ Geburtstage werden gefeiert, Ausflüge unternommen. Die Unterkunft sei nur klein. „Die Flüchtlinge, die dort wohnen, haben meist zudem eine Krankheitsgeschichte“, sagt Donaubauer. Vergangenes Jahr kam ihr dann der Gedanke, dass sie den Menschen, die nun in der Gemeinschaftsunterkunft leben, jeweils Porträtbilder von sich selbst schenken könte. „Für den einen sollte das Foto einfach nur ein schönes Bild sein, ein anderer könnte es als Bewerbungsfoto nutzen, so mein Gedanke“, erzählt die ehrenamtlich engagierte Fotografin und fügt hinzu: „Doch es passierte mehr!“

Begegnungen vor der Kamera Vor ihrer Kamera begegneten sich die Menschen. „Leute, die nicht zu einer Familie gehören, ganz unterschiedliche Gruppierungen trafen sich in der Küche und ließen sich von mir fotografieren.“ Sie konnte beobachten, wie viel Freude es den Fotografierten machte, vor der Kamera zu stehen. „Sie richteten sich schön her, zogen ein gutes Hemd oder Jackett an“, erzählt die Fotografin weiter. „Und es fiel ihnen auch leicht, da sie mich ja bereits kannten. Die Bildern spiegeln so auch das Vertrauen wider, das sie in mich haben.“ Etwa zur gleichen Zeit arbeitete Donaubauer mit ihrer Kollegin Ulrike Frömel an dem Projekt „Ein Bild für alle“. Am Wittelsbacher Platz hatten sie im Rahmen des 25-jährigen Bestehens der Zeitschrift „Biss“ ein mobiles Fotostudio aufgebaut und machten Fotos von jedem, der ein Bild von sich wollte. So entstanden rund 100 Porträts von Münchnern. Um aus ihren Bildern mit den geflüchteten Menschen eine Ausstellung machen zu können, brauchte Donaubauer noch mehr Aufnahmen. Sie baute also ihre Ausrüstung erneut in der Gemeinschaftsunterkunft auf. „Dieses Mal hatte ich bereits Abzüge der ersten Fotos dabei und bat darum, zu den eigenen Bildern etwas zu schreiben oder andere zu kommentieren.“ So kam es zu weiteren Begegnungen, dieses Mal in schriftlicher Form. „Unser Sonnenschein“ steht da nun neben dem Bild eines Mannes aus Somalia mit einem stark entstellten Gesicht. „Der Kommentar stammt von einer Security-Mitarbeiterin, die den Mut und die viele Kraft, die in diesem Mann steckt, damit zum Ausdruck brachte“, erzählt Donaubauer. Auch in der Ausstellung in der Münchenstift-Hauptverwaltung haben Besucher nun die Gelegenheit, die ausgestellten Porträts mit einem kleinen Text zu kommentieren. Der Titel der Ausstellung „Ein schöner Mensch, ein toller!“ sei auch so entstanden. „Es war der Kommentar zu einem Bild und erschien mir als passender Titel.“ Die Porträt-Fotografie ist für Donaubauer, die sich als neugierigen Menschen bezeichnet, „der Schlüssel zur Geschichte anderer Menschen“. Reine Architektur-Aufnahmen ohne Menschen, das sei für sie persönlich nichts. „Bei Porträts dagegen hat man als Fotograf, wenn es die Zeit erlaubt, Gelegenheit, mit den Menschen zu sprechen“, sagt Donaubauer. Und mit ihren Bildern kann sie den geflüchteten Menschen ein Bild in ihrer neuen Gesellschaft geben.

Verena Rudolf

Barbara Donaubauer führt am Montag, 3. Juni, und Montag, 15. Juli, jeweils von 15 bis 16 Uhr durch die Ausstellung. Bis Ende November kann die Ausstellung zu festen Terminen besucht werden. Die Münchenstift ist unter Telefon 620 20 301 zu erreichen.

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