Den Bach öffnen, die Straße sperren

In Perlach fließt er seit langem wieder oderirdisch, nun soll er auch in Berg am Laim wieder offen gelegt werden: Der Hachinger Bach. Die genauen Pläne stellen Bezirksausschuss und Baureferat allen Interessierten am 19. Januar vor. Foto: Charly D

Die Landeshauptstadt München will im Zuge der geplanten Offenlegung des Hachinger Bachs die diesen querende Hachinger-Bach-Straße zwischen der Kampenwand- und der St.-Michael-Straße auflassen und dieses Teilstück durch Pollerabgrenzung für den Verkehr sperren.

Nach umfangreicher Diskussion im örtlichen Bezirksausschuss Berg am Laim wurde eine Stellungnahme des Stadtteilgremiums zu diesem Thema auf den Januar vertagt. Vorher sollen weitere umfangreiche Beratungen folgen und das Ergebnis einer Öffentlichkeitsveranstaltung zur Offenlegung des Baches am 19. Januar abgearbeitet werden. BA-Mitglied Anton Spitlbauer sen. (CSU) hatte den Antrag eingebracht, das Gremium möge die Stadt auffordern, eine Durchfahrung der gesamten Hachinger-Bach-Straße auch künftig zu gewährleisten. Der Christsoziale traf jedoch im BA auf breiten Widerstand. Aus Sorge um eine Ablehnung seines Antrags stimmte er einer Vertagung schließlich zu. Spitlbauer befürchtet wie viele der Anwohner südlich der Trasse, durch eine Auflassung des Straßenteilstücks „endgültig vom Stadtteil selbst verkehrlich abgetrennt zu werden“. Seit 1991 fordert er, die Straße möge durchgängig für den Fahrzeugverkehr offen bleiben. Die großen Umwege zu Nahversorgern und ins Zentrum Berg am Laims seien den Menschen vor Ort nicht zuzumuten. Auch laufe eine solche Maßnahme dem enormen Ziel- und Quellverkehr vom und zum örtlichen Michaeli-Gymnasium zuwider und es sei nicht sicher, ob die Griechische Schule nördlich der Hachinger-Bach-Straße am Ende nicht doch gebaut werde. Laut Spitlbauer würden bei einer Schließung der Teiltrasse vor allem die kleinen Seitenstraßen im Umgriff als Umfahrungen genutzt werden – für ihn ein nicht hinzunehmender Faktor. Auch das städtische Argument eines durch die Hachinger-Bach-Straße durchtrennten Grünzuges vom Ostpark zur Kreillerstraße wollte der CSU-Mann so nicht gelten lassen. Schließlich werde das Grün-areal bereits an der Heinrich-Wieland-Straße, an der Josephsburg- und an der Kreillerstraße unterbrochen. „Warum soll diese verkehrliche Unterbrechung dort möglich sein, an der Hachinger-Bach-Straße aber nicht“, wollte Spitlbauer im BA wissen. Widerspruch „Weil dieser Antrag zehn Jahre zu spät kommt und die gesamte Offenlegung des Hachinger Bachs gefährdet“, gab der stellvertretende BA-Vorsitzende Robert Kulzer (SPD) in seiner Funktion als UA-Planungssprecher zurück. Er, Kulzer, habe Rücksprache mit dem Planungsreferat der Stadt gehalten und von dortiger Entscheiderstelle vernommen, durch eine weiter durchgängige Befahrbarkeit der Hachinger-Bach-Straße werde das Projekt „Offenlegung des Hachinger Bachs“ gleich „um Jahre zurück geworfen“. Der vom BA und der Bevölkerung forcierte Bachausbau und seine Offenlegung würden durch eine derartige Änderung des Bebauungsplans 1725 zeitlich zurückgeworfen, die Fördergelder würden verfallen, so Kulzer. Der Antrag komme deshalb zur völlig falschen Zeit. Die Offenlegung des Baches habe aber angesichts des Nutzens und der Attraktivitätssteigerung für das gesamte Berg am Laim „absolut Priorität“. Bach wird gestört Grünen-Mandatarin Jennifer Brichzin ergänzte, eine Offenhaltung der Straße durch den Grünstreifen vor Ort sei „nicht wünschenswert“. Dadurch werde die „neue, schöne Qualität eines dann offen gelegten Bachs gestört“. Ihre Fraktionskollegin Brigite Schulz argumtentierte wie SPD-Mann Kulzer gegen die zeitliche Verzögerung und zusätzliche Kosten im Falle einer Änderung der Ausgangsplanungen. Spitlbauer gab zurück, er beharre in seinem Antrag bewusst nicht auf einem „kategorischen entweder oder“. Beides, Bachoffenlegung und Straßenbenutzbarkeit, sei durch eine kleine Brücke über das Fließgewässer möglich. „Auch die Kosten dürften da keine Rolle spielen – an anderen Stellen sind für die Offenlegung ganz andere Baumaßnahmen notwendig“, argumentierte das BA-Urgestein mit Blick auf die an den Bach grenzenden U-Bahn-Bereiche weiter südlich und nördlich. „Das steht aber alles im Antrag nicht drin“, hielt BA-Chef Josef Koch dem Antragsteller entgegen. Nun sollen die Details im Unterausschuss erneut diskutiert und das Ergebnis der von der Stadt organisierten Öffentlichkeitsveranstaltung zum Thema abgewartet werden. „Ich habe keine Lust, mir heute schon eine Abfuhr einzuhandeln“, argumentierte Spitlbauer ob der wahrscheinlichen Mehrheiten gegen seine Forderung. Die Vertagung bietet nun auch den Antragstellern Zeit, mögliche neue Lösungswege zu erarbeiten. Leicht dürfte dieses Unterfangen und die notwendige Überzeugungsarbeit allerdings nicht werden. Harald Hettich

Meistgelesen

Suche nach dem Mädchen-Mörder
Ramersdorf-Perlach-Berg am Laim
Suche nach dem Mädchen-Mörder
Suche nach dem Mädchen-Mörder
Keine Hundewiese im Gefilde
Keine Hundewiese im Gefilde
Neuperlacher Wochenmarkt bekommt ab Ende April neuen Standort
Ramersdorf-Perlach-Berg am Laim
Neuperlacher Wochenmarkt bekommt ab Ende April neuen Standort
Neuperlacher Wochenmarkt bekommt ab Ende April neuen Standort
Verein schenkt in Neuperlach Menschen ein offenes Ohr
Ramersdorf-Perlach-Berg am Laim
Verein schenkt in Neuperlach Menschen ein offenes Ohr
Verein schenkt in Neuperlach Menschen ein offenes Ohr

Kommentare