30 Jahre München Marathon

Auf den Spuren von Frank Shorter

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Immer wieder eine Augenweide: die Startszenerie des München Marathon im Olympiapark. 

Es war der 10. September 1972, als in München erstmals ein Marathon gelaufen wurde — der olympische. Er war der Beginn einer Lauftradition, die am kommenden Sonntag beim 30. München Marathon seine Fortsetzung findet.

„Es gibt viele Ausreden, nicht laufen zu gehen. Lassen Sie kaum eine davon gelten!“ Der da den notwendigen Sieg des schweißtreibenden Trainings über den inneren Schweinehund derart treffend beschreibt, muss es wissen. Diesen Satz diktierte einst der legendäre Frank Shorter den nach seinem mentalen Erfolgsgeheimnis fragenden Reportern in die Blöcke. Shorter gewann das mit Abstand wichtigste Münchner Marathonrennen am 10. September 1972 und holte sich in der damaligen Weltklassezeit von 2 Stunden 12 Minuten und 20 Sekunden mit über zwei Minuten Vorsprung die olympische Goldmedaille – nachdem er bereits auf der ersten Streckenhälfte im Münchner Westen seine Gegner distanziert hatte.

Der Triumph des schillernden US-Renners und der spektakuläre Lauf insgesamt kamen damals auch einem Wachküssen der Langstrecken-Szene an der Isar gleich. Seriensieger Frank Shorter als Sohn eines im Nachkriegs-München stationierten GI gewann ausgerechnet in seiner Geburtsstadt sein wichtigstes Rennen und damit den ersten Lauf über 42,195 Kilometer in der bayerischen Landeshauptstadt überhaupt. Längst ist daraus dank umtriebiger Organisation ein Evergreen geworden.

Der München Marathon hat zwar ein verändertes Streckenprofil im Vergleich zur Olympiaroute – und auch die internationale Laufprominenz vorwiegend aus Kenia und Äthiopien hat preisgeldträchtigere Marathon-Events im Kalender. Doch der Reiz am fast stetigen, den Marathonlauf prägenden Wechsel zwischen Adrenalin-Schub und körperlich-seelischen Grenzwertbelastungen hat für die Läufer nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Der seit Jahren erfolgreich als Geschäftsführer des Großevents werkelnde Gernot Weigl und sein Team können für das 30. Jubiläum der großen München-Schleife einen Teilnehmerrekord vermelden. Über 25.000 ambitionierte Läufer werden am kommenden Sonntag Punkt 10 Uhr auf traditionsreichem Gelände am Coubertinplatz zwischen Stadion und Olympischer Mehrzweckhalle dem Startschuss harren und die Odyssee für Füße, Beine, Gelenke, Lungenflügel, Herz, Kreislauf und Kopf einmal mehr auf sich nehmen. Spannend wird es auch im Münchner Osten: Laut akribisch ausgearbeiteter Marschtabelle wird die Spitzengruppe voraussichtlich um 10.51 Uhr mit der stolzen Steigung entlang der Montgelasstraße den Run durch den „Osten“ einläuten. Über den Herkomer Platz, die Oberföhringer- und Cosimastraße geht es von Bogenhausen (ab zirka 11.07 Uhr an der Weltenburger Straße) weiter nach Süden in Richtung Berg am Laim (zirka 11.20 Uhr Neumarkter Straße). Kurz darauf verlässt der Läufer-Pulk über die Frieden- und Rosenheimer Straße den Osten auf einer Nordroute gen Stadtmitte und weiter in Richtung Zielpunkt Olympiastadion.

Wer dort ankommt nach über 42 Strecken- und tausenden Trainingskilometern, hat Frank Shorters Maxime gegen den Schweinehund offenbar voll beherzigt.

Harald Hettich

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