Asylbewerber an der Hofangerstraße

In einem ehemaligen Arbeiterwohnheim an der Hofangerstraße wurden offenbar in einer Nacht- und Nebelaktion Asylbewerber untergebracht. Die zuständige Regierung von Oberbayern wollte weder einer Stadträtin noch dem Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach eine Auskunft dazu geben. Nur soviel: Zum Ende des Jahres sollen die Asylbewerber wieder weg sein.

Das Haus an der Hofangerstraße ist ein ehemaliges Arbeiterwohnheim. Inzwischen jedoch scheint es die Regierung von Oberbayern zu nutzen. Schon zu Beginn des Jahres waren dort Menschen untergebracht, berichten Anwohner, die sich über die Art und Weise, wie dort gelebt wurde, zum Teil ziemlich aufregten. So entsorgten diese Bewohner damals beispielsweise ihren Müll und ihre Möbel einfach auf die Straße und den Hinterhof. Im Sommer dann ein Aufatmen in der Straße: Die Bewohner zogen aus, das Haus wurde renoviert. Nun aber sind dort seit einigen Monaten wieder Menschen untergebracht. Erst durch Hinweise der Anlieger wurde der Bezirksausschuss (BA) Ramersdorf-Perlach nun auf diese Nutzung aufmerksam. Offenbar wird das Haus von der Regierung von Oberbayern als Asylbewerber-Unterkunft genutzt. Nachfrage BA-Vorsitzende Marina Achhammer (SPD) erhielt auf Nachfrage lediglich die Auskunft, dass man aufgrund eines Engpasses in der Unterbringungssituation kurzfristig auf diese Lösung zurückgreifen musste. Auf ihre Frage, warum man dies dem Stadtteilparlament nicht mitgeteilt habe, bekam sie die Antwort, dass man zu viel zu tun habe, um jedes Mal die BA-Chefs zu informieren. „Wie man bei der Regierung von Oberbayern mit BA-Vorsitzenden umgeht, ist unglaublich“, ärgert sich Achhammer. Ähnliches kann auch CSU-Stadträtin Beatrix Burkhardt erzählen, die sich ebenfalls nach dem Haus an der Hofangerstraße und seinen neuen Bewohnern erkundigt hatte. Sie müsse sich bei der Regierung erst legitimieren, bevor sie auf eine Auskunft hoffen könne. Über die Stadtverwaltung erhielt Burkhardt schließlich die Information, dass es sich hier um Bewohner der Notunterkunft an der Waldmeisterstraße handle. Eklat Diese Unterkunft in der Lerchenau hatte vor kurzem zu einem Eklat zwischen der Regierung von Oberbayern und Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer geführt. Die Regierung hatte die völlig marode Notunterkunft wiedereröffnet, obwohl der Landtag die Containeranlage wegen Hygienemängeln Ende 2008 hatte schließen lassen. Die Begründung: Ein unerwarteter Zustrom von knapp 100 Asylbewerbern innerhalb von drei Wochen und damit verbundene Unterbringungsprobleme. Zudem platzt die Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber an der Baierbrunner Straße in Obersendling aus allen Nähten. Haderthauer hatte trotzdem die sofortige Schließung der Unterkunft gefordert. Es sei nicht akzeptabel, dass sich die Regierung über einen Landtagsbeschluss hinwegsetze. Schließlich wurde in einer Nacht- und Nebelaktion die Unterkunft in der Lerchenau wieder dichtgemacht. Die Flüchtlinge seien in Pensionen und Jugendherbergen umquartiert worden, hieß es damals von der Regierung von Oberbayern. Man suche jedoch gemeinsam mit der Stadt München nach alternativen Standorten. Gewisse Standards Im Prinzip hat der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach gar nichts gegen die Unterbringung von Asylbewerbern im Stadtbezirk einzuwenden. „Dies muss aber unter Einhaltung gewisser Standards erfolgen“, fordert Carolina Palminha (SPD), BA-Beauftragte für Unterkunftsanlagen und Wohnen. „Die Menschen müssen vernünftig untergebracht und betreut, nicht wie Abfall abgestellt werden“, findet auch Achhammer. Der Bezirksausschuss will nun wissen, für wie lange die Nutzung an der Hof­angerstraße geplant ist, wie es dort mit Zimmergrößen, Aufenthaltsräumen und Belegung, mit sanitären Einrichtungen und Kochgelegenheiten aussieht, ob sich auch Kinder in der Unterkunft befinden und ob es eine sozialpädagogische Betreuung und Beratung gibt. Die Frage, ob die Anwohner ausreichend informiert wurden, lässt sich bereits vorab beantworten. Selbst die direkten Anlieger haben bis heute keine Ahnung, wer genau dort wohnt. Die Gerüchte im Viertel sind daher groß und ziehen sich von osteuropäischen Schwarzarbeitern bis zu illegalen Migranten. Carmen Ick-Dietl

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