Geplanter Neubau im Neuperlacher Quiddezentrum

Anwohner im Stich gelassen

+
Ende 2011 sind die letzten Läden und die Stadtbibliothek Neuperlach aus dem Quiddezentrum ausgezogen. Doch dann tat sich lange nichts, das Quiddezentrum wurde zum temporären Künstler-Dorado und auch der „Neuperlacher Zoo“ zog ein.

Nicht ernst genommen fühlen sich die Anwohner des Quiddezentrums. Der Grund: Statt der versprochenen Informationsveranstaltung zum geplanten Neubau des Zentrums will die Eigentümerin WSB sie nun wohl nur am Rande eines Mieterfestes über ihre Planungen unterrichten.

Dass die Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern GmbH (WSB) und der Bauherr DIBAG Industriebau AG im Quiddezentrum eine „Maßvolle Nachverdichtung“ im Sinn haben, ist bekannt. Konkret sollen zusätzlich zur vorhandenen neungeschossigen Bebauung ein achtgeschossiges Zeilenhaus und ein sechsgeschossiges Punkthaus errichtet werden. Doch die Anwohner hätten sich gewünscht, darüber aus erster Hand informiert zu werden — und ihre Bedenken zu dem „bedrückenden“ und „wie eine Mauer wirkenden“ Entwurf zu äußern. Bei der Perlacher Bürgerversammlung stellten sie deshalb den Antrag, der Bezirksausschuss solle eine Einwohnerversammlung zur Bebauung des Quiddezen- trums durchführen.

Dieses Ansinnen lehnte das Gremium aber ab. Aus gutem Grund: Denn nach damaligen Informationsstand plante die WSB eine eigene Informationsveranstaltung für die Anwohner. Und zwar deutlich früher, als der BA eine Einwohnerversammlung hätte durchführen können.

Doch nun scheint sich die Situation geändert zu haben. „Durch Aushänge vom 18. Juli wurden die Mieter der Plettstraße 65-73 und Quiddestraße 43-39 über ein von der WSB Bayern geplantes ,Mieterfest am 13. September‘ (Uhrzeit steht noch nicht fest) auf der grünen Wiese informiert“, heißt es in einem Schreiben, das der HALLO-Redaktion vorliegt. „Bei dieser Gelegenheit sollen auch Fragen zum Bauvorhaben ,soweit wie möglich‘ beantwortet werden.“

Und das stößt den Anwohnern sauer auf. Ein solches Mieterfest entspreche nicht dem Auftrag der Bürgerversammlung und auch nicht dem Beschluss des Bezirksausschusses, der ja von einer „Informationsveranstaltung“ ausgegangen sei. Vielmehr wäre es notwendig, einen Rahmen zu finden, in dem auch die Pläne vorgestellt werden könnten und die Architekten und Planer Rede und Antwort stehen würden. So einfach wollen die Betroffenen die neue Situation aber nicht hinnehmen. 128 Anwohner haben ein Forderungspaket zu dem Bauvorhaben unterschrieben. Diese wurden an den Leiter der Lokalbaukommission, Cornelius Mager, geschickt. Konkret geht es dabei um zwei Punkte. Der für die Bebauung zur Verfügung stehende Raum, also das Quiddezentrum und die dahinter liegende Flächen, insbesondere der Parkplatz, sollen in größerem Abstand zu den vorhandenen Häuserzeilen an der Plettstraße und an der Quiddestraße weniger kompakt bebaut werden. Außerdem sollten sich die Planer von der Vorstellung einer strengen Parallelität mit Wohnhäusern oder einem Wohnblock verabschieden. Die maximale Höhe solle sich auf sechs Stockwerke beschränken. Die „Anhöhe“, auf der das Quiddezentrum stand, mit den wertvollen Bäumen könne dadurch erhalten bleiben, so die Anwohner. Für den Fall, dass ein neuer parallel verlaufender Riegel unvermeidbar ist, wünschen sie sich eine Teilung dieses Riegels, eine maximale Höhe von sechs Stockwerken und einen Abstand zu der bestehenden Häuserzeile von mindestens 50 Metern.

Und noch eine weitere Forderung erheben die Anlieger: Es sollen mindestens fünf weitere Sondernutzungen für sinnvolle Produkte und Dienstleistungen im Erdgeschoss der neuen Gebäude ausgewiesen werden. Vorstellen können sich die Anwohner etwa einen Friseur oder ein Fahrradgeschäft. Für den vorgesehenen Bewohnertreff müsse zudem eine Fläche von etwa 200 Quadratmetern ausgewiesen werden. Und der Cafébereich der geplanten Bäckerei müsse erheblich vergrößert werden. „Die Anwohner sind empört und enttäuscht, dass sie nicht wirklich zu dem Bauvorhaben informiert  werden und ihnen auch nicht die Möglichkeit gegeben wird, ihre Vorstellungen im Rahmen einer Anhörung vorzutragen. Sie fühlen sich in ihren Belangen nicht ernst genommen“, heißt es in der Stellungnahme.

Ob die WSB auf ihre Wünsche nach einer offenen und transparenten Informationspolitik eingeht, war nicht zu erfahren. Bis Redaktionsschluss lag leider keine Stellungnahme vor. 

fit

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Eine WG für Jung und Alt
Eine WG für Jung und Alt
Wiedereinführung der Straßenbahn nach Ramersdorf
Wiedereinführung der Straßenbahn nach Ramersdorf
Das Integrations- und Kooperationsprojekt der MVG
Das Integrations- und Kooperationsprojekt der MVG
Grundstück an der Hachinger-Bach-Straße in Berg am Laim zurückgekauft
Grundstück an der Hachinger-Bach-Straße in Berg am Laim zurückgekauft

Kommentare