Anwohner fordern spezielle Ruhezone

Unzumutbar belästigt durch den Lärm der Arbeitsmaschinen und -geräte, die auf den Alleen, den Zugangswegen, in den Vorgärten und Grünflächen eingesetzt werden, fühlen sich Anwohner im Gebiet zwischen Kafkastraße, Karl-Marx-Ring, Putzbrunner- und Fritz-Erler-Straße. Von der Stadt fordern sie nun eine Lärmstudie, bei der ihr Wohngebiet als Ruhezone ausgewiesen wird.

Im Frühjahr beginne der „Lärmterror“ mit der Beseitigung des Splitts und Streusands durch stark lärmende Geräte, berichtet Ulf Grochtmann aus der Kafkastraße. Im Sommer würden sich – „hauptsächlich überflüssige“ – lärmende Aktivitäten verschiedenster Art anschließen. Da würden beispielsweise alljährlich eineinhalb Wochen lang täglich drei bis fünf Stunden die Gehwegplatten vor einem Wohnblock mit „intensiv dröhnenden Hochdruckreinigern“ abgesprüht. Oft monatelang andauernde Fassaden- und Balkonrenovierungen würden ebenfalls heftigen Lärm fabrizieren. „Im Herbst kommt es dann durch Laubbläser und Laubsauger zu regelrechten Lärmexzessen.“ Winterdienst Der Winterdienst sei nicht weniger problematisch. Unkoordiniert und planlos würden oft stundenlang lärmende Kehrtraktoren und Streufahrzeuge umherkurven. „Dabei wird völlig außer Acht gelassen, wann und wo ein Kleintraktor eingesetzt werden sollte und wann und wo die Schneeschaufel das angemessene Arbeitsgerät für den Winterdienst ist“, so Grochtmann, der nach eigenen Angaben für einen Arbeitskreis gegen Lärmbekämpfung in dem Wohngebiet zwischen Kafkastraße, Karl-Marx-Ring, Putzbrunner- und Fritz-Erler-Straße spricht. Nicht zumutbar So werde man das ganze Jahr zugedröhnt, und das sei nicht tragbar, findet Grochtmann. Kleinkinder, Kranke und Ruheständler würden von dem weit über ein zumutbares Maß hinausgehenden Lärm geschädigt; Berufstätige, die arbeitsbedingt ihre freien Ruhetage wochentags nehmen müssten, um die notwendige Erholung vom Berufsstress gebracht. Einzelgespräche mit Hausmeistern und Hausverwaltungen hätten zu keiner Verbesserung des Lärmproblems geführt. Sie würden sich auf ihre vorgegebenen Arbeitsanweisungen berufen; von größeren Hausverwaltungen komme die Antwort, dass die Arbeit anders nicht zu bewältigen sei. Strengere Richtlinien gefordert Da eine freiwillige Einschränkung des Lärms offenbar nicht funktioniere, will Grochtmann zumindest für reine Wohngebiete nun strengere Richtlinien und Verordnungen erreichen. Er sieht sich dabei in einer „Vorreiterrolle für die Anwohner anderer Wohngebiete in München, Bayern und Gesamt-Deutschland“. Im ersten Schritt fordert er dafür eine „Anti-Lämstudie“ von der Stadt. Das Neuperlacher Wohngebiet soll dabei als „Ruhezone“ ausgewiesen werden, in dem der Einsatz von mit Verbrennungsmotoren betriebenen Laubbläsern und Laub­saugern ebenso verboten werden soll und andere übermäßig lärmende Arbeitsgeräte mit Schalldämpfern nachgerüstet werden sollen. „Begleitend sollen alternative Geräte bzw. Arbeitsweisen aufgezeigt werden“. Dafür sollen die zuständigen Hausmeister in Schulungen gehen, in denen sie auch über die Gesundheitsschädigung durch Lärm und die negativen ökologischen Auswirkungen von übereifriger Laubentfernung aufgeklärt werden. Lärmmessungen und Umfragen zum Lärmproblem sollen die Studie, die über ein bis zwei Jahre laufen soll, ergänzen, so Grochtmann. Nur so könnten letztlich die Anwohner vor Lärm geschützt werden. Problem bekannt Bei der Stadt kennt man das Problem. Mit dem Laubfall beginne auch wieder die Saison der Laubbläser und Laubsauger, die oftmals eine unerträgliche Lärmbelästigung für Anwohner und Passanten seien, heißt es aus dem Referat für Umwelt und Gesundheit. Mit ihren Abgasen würden diese Geräte zur Luftverschmutzung beitragen und örtlich auch zu einer Erhöhung der Staub- und Feinstaubbelastung führen. Besonders Laubsauger würden wichtige Bodenlebewesen, wie zum Beispiel Insekten oder kleine Igel, entfernen und damit das natürliche Gleichgewicht im Boden stören. Die städtische Umweltberatung rät deshalb, den Einsatz der genannten Geräte möglichst einzuschränken. Sei die Nutzung der Geräte nicht zu vermeiden, seien bestimmte zeitliche Bestimmungen zu beachten. Regelungen Der gewerbliche Einsatz durch Hausmeistereien und Gärtnereien in Wohngebieten wird bundesweit durch die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. BlmSchV) geregelt. Sie besagt, dass Laubsauger und Laubbläser werktags nur in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr betrieben werden dürfen. Den Einsatz der Geräte im privaten Bereich regelt die Münchner Hausarbeits- und Musiklärmverordnung. Danach dürfen Privatpersonen Laubsauger und Laubbläser Montag bis Samstag von 9 bis 12 Uhr und Montag bis Freitag zusätzlich von 15 bis 17 Uhr benutzen. Wer die vorgeschriebenen Betriebszeiten nicht einhält, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld belegt werden. Weitere Informationen zum Einsatz von Laubbläsern und -saugern gibt es auch im Internet www.muenchen.de/umweltladen, am Umwelttelefon unter 2 33-2 66 66 und im städtischen Umweltladen am Rindermarkt 10. Die Öffnungszeiten des Umweltladens und die Sprechzeiten des Umwelttelefons sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 17.30 Uhr. Carmen Ick-Dietl

Auch interessant:

Kommentare