„Aller Ärger wegen diesem Brennspiritus“

Mit einiger Verwunderung hat der Berg am Laimer Bezirksausschuss auf die Rathaus-Anfrage der Stadträte Eva Caim und Georg Kronawitter (beide CSU) zum weiteren Verbleib der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BFB) an der Neumarkter Straße in Berg am Laim reagiert.

Wie berichtet wollten die Räte wissen, ob der BFB-Standort auch über 2017 gesichert sei oder welche Überlegungen einer möglichen Nachfolgenutzung des Geländes bestünden. Caim hatte auf HALLO-Nachfrage betont, nach aktuellem Sachstand einen Verbleib der BF zu favorisieren. Im Bezirksausschuss freilich konnte sie mit dieser Ansicht nicht punkten. Einstimmig sprach sich das Gremium gegen einen weiteren Verbleib des Produktionsstandortes nahe des Mittleren Rings aus. Stimmen Drastische Worte in der Sache fand besonders Berg am Laims BA-Vorsitzender Josef Koch. „Seit 1972 kämpft der BA jetzt schon für eine Absiedlung der BFB“, so der BA-Chef, weil der süddeutsche Produktionsstandort die infrastrukturelle und verkehrsinfrastrukturelle Entwicklung im Stadtteil aufgrund seiner Keillage zwischen Rosenheimer Bahndamm und Mittlerem Ring entscheidend hemme. So sei wegen der Pufferlage der Monopolverwaltung auch keine vernünftige Anbindung des pulsierenden Gewerbegebietes an der Neumarkter Straße hin zum S-Bahnhalt Leuchtenbergring möglich. „Dieser Ärger wegen diesem Brennspiritus“, feixte Koch mit kritischem Blick auf den BFB. Weiterer Kritikpunkt Dort werden Rohalkohole aus landwirtschaftlicher Produktion und aus Brennereien gereinigt, veredelt und verkauft. Koch zielte aber auch auf einen anderen Kritikpunkt ab. „Uns wurde in der Vergangenheit immer suggeriert, wie sicher die Anlage sei.“ Warum habe dann die Telekom im Rahmen ihrer Neubaurealisierungen an der genau gegenüberliegenden Dingolfinger Straße derart hohe Sicherheitsstandards einbauen müssen, wollte der BA-Chef wissen. „Für den BA dürfte doch klar sein: wir wollen städtebauliche und infrastrukturelle Entwicklung – das Ding muss weg“, formulierte Koch drastisch. CSU-Mandatar Anton Spitlbauer sen. fand immerhin mit Blick auf das Engagement seiner Parteikollegen „den Zeitpunkt der Anfrage ungewöhnlich“. Mit dem Auslaufen des deutschen Branntweinmonopols in einigen Jahren dürften viele Genossenschafts- und Privatbrennereien „ohnehin zugesperrt werden“, so Spitlbauer. Dann stünde auch die BFB angesichts nur noch eines Bruchteils heute zu verarbeitender Mengen vor dem Scheideweg, entweder zu schließen oder Standorte zusammenzulegen. Dann werde sich auch die Berg am Laimer Standortfrage klären. Der BA indes will hier offenbar ein kräftiges (Verlagerungs-)Wort mitsprechen. Einstimmig und damit auch mit den Voten der CSU-Mandatare sprach sich das Stadtteilgremium für eine Absiedlung aus. Freilich: den Zeitpunkt ließ auch der BA offen. Der ist laut Spitlbauer sen. derzeit selbst an höherer Stelle nicht abzusehen. „Ich habe sogar im Ministerium nachgefragt, die wussten auch nicht, was passieren wird.“ Harald Hettich

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