Abriss von St. Jakobus Neuperlach

Die St.-Jakobus-Kirche wird abgerissen. Statt Kirche und Pfarrzentrum wird es dann nur noch eine Kapelle und Pfarrräume, dafür aber eine neue große Kindertagesstätte geben. Foto: Charly D

Die St.-Jakobus-Kirche in Neuperlach wird abgerissen. Statt Kirche und Pfarrzentrum wird es in Zukunft an der Quiddestraße nur noch eine Kapelle und Pfarräume, dafür aber eine neue große Kindertagesstätte geben. Weihbischof Engelbert Siebler informierte die Gemeinde vergangene Woche persönlich über die Pläne.

Es ist eine typische Neuperlacher Architektur: Viel Beton, quadratisch und praktisch. Aber nicht gut. Das von Architekt Günter Eisele gebaute Kirchenzentrum St. Jakobus in Neuperlach mit der im Dezember 1974 geweihten Kirche ist marode. Der Bau an der Quiddestraße hat starke statische Mängel und musste bereits vergangenen Winter für drei Monate vorsorglich geschlossen werden. Das Baureferat des Erzbischöflichen Ordinariats konnte nicht gewährleisten, dass das Dach größeren Schnee- und Eismengen Stand hält. Notwendige Maßnahmen zur Stabilisierung der Statik erwiesen sich als schwierig, weil Schadstoffe aus der Brandschutzdämmung der Gebäude freigesetzt werden könnten. KiTa renovierungsbedürftig Auch die angrenzende Kindertagesstätte von St. Jakobus ist stark renovierungsbedürftig. Hier mussten bereits zahlreiche Notreparaturen vorgenommen werden, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Zudem ist das Gebäude für den Bedarf an Betreuungsplätzen im Stadtteil zu klein geworden: Die beiden neben den vier Kindergartengruppen eingerichteten neuen Krippengruppen mussten ausgelagert werden. Aufwändige Sanierung Eine Generalsanierung der Gebäude wäre sehr aufwändig, weshalb sich die Erzdiözese nun dafür entschieden hat, das Zentrum durch einen Neubau zu ersetzen. Auf dem Gelände des jetzigen Pfarrzentrums wird ein neuer Kindergarten mit Kinderkrippe errichtet. So kann die Betreuung zunächst noch im bisherigen Gebäude weiterlaufen, ohne ausgelagert werden zu müssen. In der neuen Kindertagesstätte können dann alle Gruppen unter einem Dach vereint werden. Nach Abschluss dieses Bauabschnitts soll auf dem Grundstück der bisherigen Kindertagesstätte eine Kapelle mit anschließenden Pfarreiräumen entstehen. Für Familien Durch diese Umgestaltung soll St. Jakobus künftig vor allem für Familien zum seelsorgerischen Anlaufpunkt werden. Das Kirchenzentrum an der Quiddestraße ist – wie St. Maximilian Kolbe, St. Monika, St. Philipp Neri und St. Stephan – Teil der Neuperlacher Pfarrei Christus Erlöser, die Ende 2009 aus den fünf ehemals eigenständigen Pfarreien gegründet wurde. Betroffenheit Weihbischof Engelbert Siebler war vergangene Woche persönlich zur Pfarrversammlung nach St. Jakobus gekommen, um die Gemeindemitglieder über die Pläne zu informieren. Obwohl man von dem maroden Bauzustand des Zentrums wusste, sei man vor Ort über die Nachricht sehr betroffen gewesen, erzählt Diakon Johann Franz. Etwas zu ahnen habe definitiv eine andere Qualität als die Entscheidung aus dem Munde des Bischofs zu hören. In der Gemeinde herrsche Traurigkeit, aber auch Hoffnung und Vertrauen, beschreibt Franz die Stimmung. „Was uns wirklich verbindet und trägt, hängt nicht an einem Gebäude.“ Trotzdem dürfe man die persönlichen Erinnerungen, die gerade für die ersten Menschen im Stadtteil mit dem Bau verbunden seien, nicht unterschätzen. „Das ist kein einfacher Weg, da hängt schon Herz dran – auch wenn Gefahr in Verzug ist.“ Wichtige Weichenstellung Auch Weihbischof Siebler drückte sein Verständnis dafür aus, dass eine Neugestaltung für die Gemeindemitglieder schmerzlich sei, die sich im jetzigen Kirchenzentrum St. Jakobus beheimatet fühlen. Dennoch es sei „eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der Pfarrei Christus Erlöser und das Zentrum St. Jakobus“, mit der man im Rahmen eines ganzheitlichen pastoralen Konzepts neue Akzente und Schwerpunkte im Stadtteil setzen könne. „Auch künftig können sich hier in St. Jakobus Menschen zum Gottesdienst treffen, sie haben Räume, um ihre Gemeinschaft zu leben und zu stärken, und sie haben hier mit der neuen und großen Kindertagesstätte eine bedeutende Einrichtung der Pfarrei, die zukunftsweisend und zukunftsichernd ist.“ Die Neuperlacher Kirche wird bereits ab Dezember für immer geschlossen werden. Gottesdienste und Pfarraktivitäten werden ins Kirchenzentrum St. Stephan ausgelagert. In St. Jakobus bleibt jedoch nach Angaben von Diakon Franz ein Raum für Andachten und Meditationskreise. Vor ihrem Abriss, muss die Kirche erst in einem offiziellen Ritus profanisiert, also weltlich gemacht werden. Die Erzdiözese plant dies für den Herbst 2012. Bis dahin sollen dann auch konkrete Pläne für die Neubauten vorliegen. Um keine Zeit zu verlieren, verzichtet die Erzdiözese hierbei auf einen Architektenwettbewerb. Bislang gibt es nicht einmal Entwürfe, folglich fehlt auch die Baugenehmigung durch die Stadt noch. Carmen Ick-Dietl

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