Peter Löffelmann beim G7-Gipfel

„Jagdverbot um Schloss Elmau“

Von A bis Z: Peter Löffelmann, Pasings Polizeichef, aus dem Planungsstab des G7-Gipfels kann einiges erzählen.

Zur Ruhe kommt Peter Löffelmann nur noch selten. „Je näher der G7-Gipfel rückt, desto mehr geraten wir unter Druck“, sagt der 54-jährige Polizeirat. Ständig würden sich für den Planungsstab neue Fragen auftun. „Es ist auch noch nicht geklärt, wie viele Beamte aus anderen Bundesländern die bayerische Polizei unterstützen werden“, sagt Löffelmann. Geschweige denn, wie viele Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen aufschlagen. Viel Zeit, Antworten zu finden, bleibt aber nicht mehr. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt schon am 7. und 8. Juni auf Schloss Elmau bei Krün die mächtigen Staatschefs der Welt – unter ihnen auch US-Präsident Barack Obama. Mit der Sicherheit rund um den Tagungsort beschäftigt sich seit Anfang vergangenen Jahres der Planungsstab der bayerischen Polizei, in den auch Peter Löffelmann berufen wurde. „Ich bin bei der Führung angesiedelt und arbeite momentan noch von München aus“, sagt Pasings Polizeichef. „Ab Mai werde ich dann durchgehend in Garmisch sein.“ Bis Löffelmann zurück in der Polizeiinspektion 45 ist, hält Michael Lutz als Dienststellenleiter die Stellung. „Nach der langen Zeit im Planungsstab wird meine Rückkehr nach Pasing wie ein Neubeginn sein“, sagt der 54-Jährige. „Es steht dann auch gleich die nächste Herausforderung an: Die Vorbereitung des Umzugs der PI 45 ans Westkreuz.“ Marie-Anne Hollenz

Pasings Polizeichef Peter Löffelmann (54) über den G7-Gipfel – von A bis Z

Anzahl: Rund 15 000 Polizisten werden für den G7-Gipfel im Einsatz sein. Weit mehr als die Hälfte davon sind bayerische Beamte. Der übrige Teil kommt aus anderen Bundesländern – je nachdem, wie sehr diese mit parallelen Ereignissen wie etwa dem Deutschen Evangelischen Kirchentag belastet sind.

Berge: Schloss Elmau liegt auf 1008 Meter Höhe – logistisch eine Herausforderung. Alleine im Hochtal wird eine vierstellige Zahl an Polizisten im Einsatz sein, denen zum Beispiel Essen und Toiletten zur Verfügung gestellt werden müssen. Das zu ermöglichen war nicht leicht. Das Areal ist Naturschutzgebiet.

Champions-League-Finale: Das Finale in Berlin kollidiert mit der Hochphase des Einsatzes. Für uns ist das problematisch, weil wir unter Umständen – je nach Zusammensetzung des Finales – weniger Kräfte vom Bund zur Verfügung gestellt bekommen.

Demonstration: Eine Großdemonstration ist für Samstag in Garmisch angemeldet. Es sollen auch Sternmärsche in Richtung Elmau stattfinden. Ob zweihundert oder 10 000 Teilnehmer kommen, ist noch nicht absehbar

Elmau: Das Gebiet um das Schloss ist weitläufig. Es ist eine Herausforderung, das zu sichern. Es gibt nur wenige Zufahrts- und viele Wanderwege. Durch Manpower und technische Maßnahmen werden wir für Sicherheit sorgen.

Frankfurter Randale: Mit Ausschreitungen wie zur Eröffnung der Zentrale der Europäischen Zentralbank im März muss man leider heutzutage rechnen. Wir werden uns nicht überraschen lassen. Im Internet gibt es schon Aufrufe zu Protesten mit Blockaden unter Bezugnahme auf die Vorfälle in Frankfurt.

Grenzkontrollen: Nach den Krawallen in Frankfurt – an denen auch aus dem Ausland angereiste Protestler teilgenommen haben – wird die Bundespolizei Grenzkon­trollen vornehmen.

Helikopter-Einsätze sind zur Sicherung des Gebiets nicht einfach. Es kommt immer auf Witterung und Sichtverhältnisse an. Außerdem muss der Luftraum auch für Notfälle zur Verfügung stehen. Wir müssen deshalb auf mehreren Ebenen planen.

Infrastruktur: Viele Maßnahmen mussten erst geschaffen werden: Es wurden Forstwege befestigt, Bahnsteige ertüchtigt und ein funktionierender Digitalfunk eingerichtet. Neben der Polizei sind auch das Bayerische Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr im Einsatz – Kräfte, die miteinander kommunizieren müssen.

Jagd: Es wird ein Jagdverbot vor und während des Gipfels geben. Es wäre ungünstig, wenn Jäger Schüsse abgeben oder bewaffnete Personen vor Polizisten stehen. Für das Verbot ist die Verwaltungsbehörde vor Ort zuständig.

Kein Netz: Wir sind nach wie vor mit Netzbetreiber-Firmen in Kontakt. Für den Funk soll das Gebiet bis Ende April erschlossen sein.

Leberkäs: Es stimmt, dass einige Metzger des Werdenfelser Landes uns für die Verpflegung der Einsatzkräfte Leberkässemmeln für zwölf Euro angeboten haben. Solche Kosten können wir dem Steuerzahler aber nicht vermitteln. Die Versorgung wird jetzt durch einen Caterer und mit Eigenverpflegung gesichert.

Merkel: Ich werde die Kanzlerin nicht zu Gesicht bekommen. Ich bin in Garmisch als Mitarbeiter des Führungsstabs eingesetzt.

Neue Einsatzanzüge: Die bisher verwendeten Einsatzanzüge sind schon etliche Jahre alt. Deswegen wurden neue angeschafft, die den Kollegen auch für den Einsatz beim G7-Gipfel rechtzeitig zur Verfügung stehen. Insbesondere das Material ist besser und schwerer entflammbar.

Obama: Der US-Präsident reist wie üblich mit einer Delegation und eigenem Personenschutz an.

Problem: Für uns ist es eine große Herausforderung, das riesige Gebiet zu sichern und gleichzeitig die Verkehrsbeziehungen für die Bevölkerung zu gewährleisten. Die Menschen können ja nicht drei Tage zu Hause bleiben. Wir werden aber unter Umständen die B2 temporär für den allgemeinen Verkehr sperren. Trotzdem muss beispielsweise die Zufahrt zum Garmischer Krankenhaus möglich sein. Hinzu kommt, dass an dem Wochenende das Ende der Pfingstferien ist. Für die Urlaubsrückkehrer werden von den österreichischen Kollegen Hinweise mit Umleitungsempfehlung nach dem Brenner aufgestellt.

Quartier: Die Polizisten werden in Unterkünften im Werdenfelser Land untergebracht – einige auch in Österreich. Aus strategischen Gründen übernachten einige wenige Beamte auch auf Almen, denn wir müssen uns auch Gedanken über Gleitschirmflieger machen. Für den Gipfel herrscht Flugverbot.

Ruhe: Entspannung und Ruhe halten sich in Grenzen. Wir befinden uns spürbar unter Druck.

Schulferien: Das Kultusministerium hat in Garmisch die Schulferien bis einschließlich Montag verlängert. 

Tumult: Gewalt und Aufruhr bei Protesten werden wir nicht zulassen. Unsere konsequente bayerische Linie hat sich bisher bewährt. Unabhängig davon ist unser erster Ansatz Deeskalation. Dazu haben wir Kommunikationsbeamte, die versuchen, mit den Menschen zu reden und beruhigend auf sie einzuwirken. Hilft das nicht und es entsteht Gewalt, werden wir so früh wie möglich einschreiten. 

Urlaubssperre: Bis zum G7-Gipfel haben wir eine gestaffelte Urlaubssperre. In den Pfingstferien dürfen die Beamten nur in Ausnahmefällen weg.

Verschoben: Für uns war es schon ein kleiner Aufreger, als die Bundesregierung den Gipfel im Oktober um drei Tage nach hinten verschoben hat. Die Umbuchung der Unterkünfte der Polizisten war dabei das kleinere Problem. Schwieriger ist, dass wir jetzt den Rückreise-Verkehr aus den Pfingstferien mit einplanen müssen.

Waffen: Wir haben für den Gipfel keine besonderen Waffen angeschafft und stehen nicht von vornherein schwerbewaffnet da. Das Ereignis soll friedlich ablaufen, das ist unser Ziel.

X-mal: Der G7- beziehungsweise G8-Gipfel fand bereits fünf Mal in Deutschland statt: 1978 in Bonn, 1985 in Bonn, 1992 in München, 1999 in Köln und 2007 in Heiligendamm. In Vorbereitung auf Elmau haben wir uns auch die Ereignisse in Heiligendamm angeschaut.

Y-Chromosom: Grundsätzlich gibt es keine speziellen Einsatzbereiche für Mann und Frau. Unsere Polizistinnen stehen genauso „ihren Mann“.

Zeit: Mit der Vorbereitung zum G7-Gipfel haben wir schon Anfang vergangenen Jahres begonnen. Für die Nachbereitungszeit werde ich bis mindestens August noch eingespannt sein. Danach freue ich mich schon auf die Pasinger Polizeiinspektion..

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