Zieht Feinkost Kugler nach Parsdorf?

Kommen die Schmankerl des Grasbrunner Feinkostunternehmens in einigen Jahren aus Parsdorf? Foto: Kugler/oh

Verliert Grasbrunn einen seiner Vorzeigebetriebe? Nach jahrelangen Diskussionen um einen neuen Standort, verdichten sich die Anzeichen, dass die Firma Kugler nach Vaterstetten abwandert. Noch gibt es allerdings keinen unterschriftsreifen Vertrag. Die Grasbrunner Freien Wähler sehen die Hauptverantwortung für den möglichen Verlust eines potenten Gewerbesteuerzahlers bei Bürgermeister Klaus Korneder. Hingegen sieht der Bürgermeister keine Versäumnisse in Sachen Kugler und weiß sich auf einer sicheren Rechtsposition.

Für die Unternehmer Oliver und Gerhard Kugler ist seit etwa fünf Jahren klar, dass man – um weiter expandieren zu können – ein neues, größeres Betriebsgelände benötigt, erklärte Gebhard Kugler gegenüber HALLO. Denn das in den 90er Jahren bezogene Areal im Osten Grasbrunns ist mittlerweile von Wohnbebauung umgeben. Daher informierte man bereits im Oktober 2007 die Gemeinde, dass ein Gelände für eine neue Produktionsstätte benötigt werde. Es folgten der Wahlkampf, ein Bürgermeisterwechsel und viele Gespräche. Vor eineinhalb Jahren haben Gerhard und Oliver Kugler der Gemeinde Grasbrunn signalisiert, dass man auch mit den Bürgermeistern in Vaterstetten und Feldkirchen im Gespräch sei. Eigentlich hätte die Gemeinde Grasbrunn ausreichend Zeit gehabt, ein geeignetes Areal für den Vorzeigebetrieb zu finden und als Gewerbegebiet auszuweisen. Entsprechende Anträge und Anfragen habe es zumindest von Seiten der Grasbrunner Freien Wähler in den vergangenen drei Jahren genug gegeben, stellte FWG-Fraktionssprecher Hannes Bußjäger jetzt in einem Pressegespräch klar. Als FWG müsse man sich deshalb keine Vorwürfe machen, wenn dem Feinkosthersteller kein baureifes Areal zur Verfügung gestellt wird. Aber: „Wir sorgen uns um die Leistungsfähigkeit der Gemeinde“, so Bußjäger. Und man mache sich Sorgen, ob Grasbrunn aufgrund der fehlenden Weichenstellungen in den vergangenen drei Jahren seine kommunalen Aufgaben künftig in gewohnter Weise wahrnehmen kann. Gewerbe- und Einkommensteuer sind die Haupteinnahmequellen, mit denen Infrastruktur für das Gemeinwohl und mit den Jahren auch die Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden und Straßen zu finanzieren sind, so die FWG. Deshalb habe „Korneder das Arbeitstempo drastisch zu steigern“. Oder er müsse sagen, wo sonst das Geld herkommen soll. „Schon in der Finanzausschusssitzung im Dezember hatte der Bürgermeister Korn-eder signalisiert, dass man den Vermögenshaushalt in Höhe von geschätzten 4 Millionen Euro nochmals auf Streichungen durchgehen müsse. Deshalb werde auch erst im Januar der Vermögenshaushalt 2011 öffentlich debattiert. Versäumnisse mit Folgen Wenn die Bauleitplanungen gemäß dem neuen, 2006 genehmigten  Flächennutzungsplan weiter verfolgt worden wären, würden Lärmschutzmaßnahmen und Nahversorgung in Grasbrunn bereits zum Bestand gehören, davon ist man bei der FWG überzeugt. Denn dies war bereits in den Bebauungsplänen Nr. 54 (bereits realisiert) und Nr. 63, den man „in der neuen Legislaturperiode auf Eis gelegt“ hat, geplant und kalkuliert. „Hätte Bürgermeister Korneder diese Planungen so vehement vorangetrieben, wie er 2008 die Golfplatzplanung in Möschenfeld beendet hat, wären wir jetzt nicht da, wo wir sind“, sind sich Hannes Bußjäger und Alfons Bauer einig. Fünfmal, so sei es protokolliert, habe die FWG nachgefragt und beantragt, in Grasbrunn eine geeignete Gewerbefläche für Feinkost Kugler zu finden. Jedesmal habe man von Korneder als Antwort erhalten: „Wir sind im Gespräch“. Dass Korneder sich nicht mit Nachdruck rechtzeitig für die jetzt benötigten Gewerbeflächen einsetzte, sondern dem Gemeinderat nur die den übergeordneten Behörden genehmen Flächen präsentierte, kreiden die FWG-Räte dem Bürgermeister an. Wenn Altbürgermeister Wilhelm Dresel so gehandelt hätte, würden heute weder der Technopark existieren, noch hätte Grasbrunn die bekannt gute Infrastruktur. Auch dass der Gemeinderat das von Korneder und den übergeordneten Behörden favorisierte Gelände südlich der Kirchenstraße und östlich der A99 mit 7:13 Stimmen abgelehnt hat und sich mit 13:7 für den neuen Standort Keferloh entschied, wundert die FWG nicht. Über die im Dezember gefallenen Gemeinderatsentscheidungen für Keferloh und gegen Grasbrunn-West als möglichen Gewerbestandort zeigt sich Korneder enttäuscht. Ging er doch, nach eigenem Bekunden, mit der Gewissheit in die Gemeinderatssitzung, dass sich am breiten Konsens wie in den entsprechend nicht-öffentlichen Beschlüssen zuvor, nichts geändert habe. Dabei sei stets Grasbrunn-West östlich der A99 mit breiter Mehrheit favorisiert worden, so Korneder im Nachhinein. Öffentlich wurde nicht debattiert, da Grundstücksgeschäfte nicht-öffentlich zu behandeln sind. Der Aufstellungsbeschluss zur Gewerbegebietsausweisung sei für den Dezember 2010 angesetzt gewesen, weil zuvor die FWG Prüfungen zu weiteren Standorten beantragt hatte und diese öffentlich von breiter Mehrheit im Gemeinderat getragen wurden. Per Handschlag einig mit Vaterstetten Die Unternehmer Oliver und Gerhard Kugler wollen jetzt offensichtlich Nägel mit Köpfen machen. Nachdem man der Gemeinde Grasbrunn bereits vor eineinhalb Jahren „klar signalisiert habe“, dass man „Alternativen in Vaterstetten und Feldkirchen“ habe, habe man jetzt per Handschlag mit Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß und dessen Wirtschaftsförderer Georg Kast abgemacht, dass man sich für Vaterstetten als neuen Standort entscheiden werde. Unter der Voraussetzung, dass der Gemeinderat Vaterstetten in seiner Sitzung am 3. Februar das Gewerbegebiet in Parsdorf (südlich der A94 und östlich der Gruber Straße) beschließt. Das allerdings dürfte eher eine Formsache sein. Gerhard Kugler betonte gegenüber HALLO aber auch, dass es einen unterschriftsreifen Vertrag allerdings noch nicht gebe. Bereits im Oktober 2008 forderte die FWG schriftlich die „Ausweisung eines Gewerbegebietes, um ortsansässigen Firmen wie z. B. Kugler die Existenz in unserer Gemeinde zu sichern“. Aufgrund der Verkehrsplanung der beiden Nachbargemeinden Putzbrunn und Haar für eine Ortsumfahrung konkretisierte im Januar 2009 die FWG ihre Forderung bezüglich „notwendiger Gewerbeflächen für Betriebserweiterungen oder Verlagerungen in unserer Gemeinde“. Im Zusammenhang mit dieser Verkehrsplanung im Westen der A99 östlich der B471 könne Grasbrunn sich anschließen und fernab von der Wohnbebauung Gewerbe ansiedeln. Im Mai 2010 stellte die FWG erneut einen Antrag zur Prüfung und Realisierung von Gewerbeflächen. Der Prüfung stimmte auch Korneder zu. – A.R/A.S.. –

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