Wind der Veränderung

Robert Niedergesäß, Bürgermeister der Gemeinde Vaterstetten. Foto: privat

Vaterstettens 1. Bürgermeister zum Jahreswechsel

VON ROBERT NIEDERGESÄSS Erst am Ende eines Jahres weiß man, wie sein Anfang war.“ Diese Worte von Friedrich Nietzsche treffen wohl besonders auf das Jahr 2011 zu. Altbekannte und in unseren Breitengraden schon nahezu akzeptierte Diktatoren werden überraschend durch den mutigen Protest ihrer aufgebrachten Staatsbürger zu Fall gebracht. Fukushima bringt Entsetzen in die Welt, in Deutschland den doch plötzlichen Ausstieg aus der Atomenergie und damit neuen Wind in die Energiedebatte. Der Euro durchsteht eine Krise nach der anderen und muss weiterkämpfen, um überleben zu können. Ein mit großen Erwartungen verbundener Minister hierzulande gerät plötzlich unter Druck, tritt zurück und verlässt die politische Bühne – am Ende doch nicht so ganz. So einiges Unerwartetes ließe sich noch ergänzen in diesem verrückten Jahr 2011 – beständig ist nur die Unbeständigkeit! Auch in unserer Gemeinde wissen wir am Jahresende mehr über den Anfang bzw. was daraus werden sollte. Viele Projekte konnten wir für unsere Bürger umsetzen und voranbringen. Die Ganztagsschule für unsere Grundschüler zum Beispiel. Nach vier Jahren der Vorbereitung konnten wir unser besonderes Vaterstettener Modell durch- und umsetzen, zur Freude der Schüler und Familien. Mit dem neuen katholischen Kinderhaus in Parsdorf und der neuen Einrichtung der Diakonie am Baldhamer Max-Loidl-Weg stehen wieder zusätzliche Krippen- und Hortplätze zur Verfügung. Das neue Gewerbegebiet in Parsdorf wurde einstimmig auf den Weg gebracht, die Planungen schreiten und „kuglern“ in großen Schritten voran. Die Planungen für das neue Ortszentrum in Vaterstetten nehmen Form an, die Unterlagen für den „Wettbewerblichen Dialog“ konnten in Brüssel abgegeben werden, bis Mitte 2013 wird klar sein, ob und was im Herzen der Gemeinde entstehen wird. Das lange vorbereitete Gemeindeentwicklungsprogramm – eine Planung und Perspektive über die Zukunft unserer Gemeinde – wurde von allen Fraktionen im Gemeinderat unterzeichnet und den Bürgern vorgelegt, nur ca. ein Prozent gaben dazu eine Rückmeldung. Bei der Geothermie sind wir immer noch am Kämpfen, am Ende wird – wie so oft - das Geld entscheiden, ob dieses wichtige Projekt umgesetzt werden kann! Wichtige Projekte kommen voran Bis hierhin treffen die Ergebnisse des Jahres in etwa auf die an es gestellten Erwartungen – wir kommen voran in großen und wichtigen Projekten für unsere Gemeinde! Doch wer hätte am 1. Januar 2011 gedacht, dass der Wind der Veränderung doch so stark in unser Geschehen hineinbläst, dass die geplante Ortsumfahrung von Weißenfeld plötzlich von Südwesten nach Nordosten wandert, dass wir nicht mehr nur über Schulhaussanierung sondern alternativ über einen Schulhausneubau sprechen. Wer hätte gedacht, dass die alteingesessene Baumschutzverordnung beinahe abgesägt worden wäre, um am Ende doch modernisiert und vereinfacht mehr den Bürgerinteressen zu entsprechen. Vor allem aber, wer hätte gedacht, dass die Windenergie in unserer Gemeinde so schnell so konkrete Gestalt annehmen würde und die Diskussion – auch auf der Klaviatur der Emotionen – so beherrschen wird! Auch personelle Veränderungen in Verwaltung und Gemeinderat haben uns und die Gerüchteküche intensiv beschäftigt. Mut zu Neuem Gerade die Winddiskussion zeigt wie kaum eine andere den großen Spagat zwischen dem ganz allgemeinen und dem ganz persönlichen Blickwinkel. Ganz allgemein sind wir – gerade nach Fukushima – für regenerative Energien, ganz allgemein sind wir für ein neues Gewerbegebiet, da es Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringt, ganz allgemein sind wir für eine vernünftige Entwicklung der Gemeinde und auch für ein attraktives Gemeindezentrum mit Bürgersaal – auch moderne Schulen finden wir gut und wichtig. Ganz persönlich mündet diese allgemeine Zustimmung aber oft ganz schnell in persönlicher Ablehnung, wenn der eigene Bereich und das eigene Umfeld betroffen sein könnten. Auf der einen Seite werden Bürger aus Eigeninteresse plötzlich zu Fachleuten für alle möglichen Themen, und auf der anderen Seite werden Kritiker oft schnell, allgemein und ungerechtfertigt in eine Ecke gestellt und isoliert, ihre persönlich nachvollziehbaren Bedenken ignoriert. Beides wird der oft komplexen Situation nicht gerecht. Gerade dann, wenn der Wind der Veränderung bläst und von uns Offenheit und Veränderungsbereitschaft – Mut zu Neuem – abverlangt, müssen wir respektvoll miteinander umgehen und wichtige Entscheidungen sorgsam diskutieren, denn wie schnell werden allgemeine Befürworter zu sogenannten Betroffenen, wie schnell ändert sich so oft unsere Perspektive. Es ist eine schnelllebige Zeit geworden, eine Zeit mit vielen Veränderungen und Herausforderungen, aber auch eine spannende Zeit mit vielen Chancen für unsere Zukunft. Da auch 2012 wieder anders enden wird als es beginnt und uns erneut Überraschungen erwarten werden, wünsche ich Ihnen für das neue Jahr neben viel Gesundheit insbesondere Gelassenheit, Aufgeschlossenheit, Offenheit für Neues und auch ein Stück weit den Mut, Veränderungen mehr als Chance denn als Gefahr zu erkennen.

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