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Beraten — schützen — weiter helfen

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„Beraten, schützen, weiter helfen — den Babys Leben schenken“, das wollen die Mitarbeiter der Donum Vitae-Beratungsstelle in Haar.
„Beraten, schützen, weiter helfen — den Babys Leben schenken“, das wollen die Mitarbeiter der Donum Vitae-Beratungsstelle in Haar. © dpa

Der Verein Donum Vitae ist eine Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in den Landkreisen München und Ebersberg. 2009 wurde er als Nebenstelle der Beratungsstelle Freising eröffnet, 2013 machten sich die Haarer selbstständig. Die richtige Entscheidung, sagt Leiter Albert Fierlbeck in der Jahresbilanz. Immer mehr Familien stecken in Schwierigkeiten. Auch die steigende Flüchtlingszahl macht sich bei Donum Vitae bemerkbar.

In Haar suchten im Jahr 2015 933 Menschen — davon 674 Frauen, 83 Männer und 176 Paare — Beratung bei Donum Vitae. Das Angebot reicht von allgemeiner Schwangerschaftsberatung über die Konfliktberatung nach dem Abtreibungsparagraphen bis hin zur Betreuung nach der Geburt. Hinzu kommen die Beratung, falls Behinderungen des Ungeborenen bei der Pränataldiagnostik festgestellt werden, die Online-Beratung in einfacher Sprache für Menschen mit geistiger Behinderung sowie die Kinderwunschberatung.

„Grundsätzlich vertreten wir den Leitsatz, dass jede Schwangere Anspruch darauf hat, sich kostenfrei und falls gewünscht auch anonym zu allen Fragen rund um die Schwangerschaft beraten zu lassen“, sagt Fierlbeck — dies ist sogar ein gesetzlicher Anspruch. 95 Prozent der Kosten werden aus staatlichen Stellen finanziert, fünf Prozent, das sind in Haar rund eine Million Euro, muss die Beratungsstelle aus Eigenmitteln aufbringen, aus Spenden oder über Mitgliedsbeiträge. Finanzielle Hilfe bekommt Donum Vitae unter anderem von der Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“ sowie von der Soforthilfe „Sternstunden“. 84.751,37 Euro an Spendengeldern konnten 2015 an Schwangere und Familien in Not ausbezahlt werden. Zudem verfügt die Beratungsstelle über drei sozialpädagogisch ausgebildete Fach- und drei Verwaltungskräfte. Fachlich zur Seite stehen eine Seelsorgerin, Hebamme, ein Psychologe, Sexualpädagoge, Rechtsanwältin, Gynäkologin und Eheberaterin.

„Die Nachfrage der Beratung steigt stetig“, sagt auch Sozialpädagogin Claudia Nasahl. 2015 waren es 35 Fälle mehr als noch im Jahr 2013. Besonders betroffen sind alleinerziehende, minderjährige Frauen, kinderreiche Familie oder immer mehr auch Flüchtlinge. „Sehr viele junge Flüchtlingsfrauen kommen bereits schwanger in Deutschland an oder werden es hier — oftmals ungewollt“, sagt Nashal. Donum Vitae versuch die jungen Frauen in ihrer Schwangerschaft zu begleiten — nicht selten ist ein Dolmetscher erforderlich. „Die Gemeinde Haar hat sehr früh angefangen Übersetzter zu engagieren, die uns kostenlos zur Verfügung stehen“, berichtet Fierlbeck. Doch nicht nur die Schwangerschaftsbegleitung junger Flüchtlingsfrauen steht auf dem Programm: „Wir versuchen ihnen auch zu vermitteln, ,Nein‘ zum Geschlechtsverkehr zu sagen.“ Viele von ihnen würden sich das nicht trauen. Hinzu kämen — genauso wie bei vielen deutschen Familien — die Wohnungsnot, finanzielle Probleme sowie mangelnde Aufklärung. „Es geht hier um rechtliche und finanzielle Dinge“, erklärt Fierlbeck. „Wie bekomme ich Wohn-, Kinder- oder Arbeitslosengeld? Wie finde ich eine Wohnung? Welche Hilfsangebote gibt es?“

Der eventuell drohende Verlust des Arbeitsplatzes oder der angespannte Wohnungsmarkt — wirtschaftlicher Druck übt sich auf die Menschen aus. Oft löse die Schwangerschaft aber auch eine für Mutter und Kind existentielle Krisensituation aus, die traumatisierte und verzweifelte Mutter möchte keinesfalls ihre Schwangerschaft öffentlich machen. „Häusliche Gewalt spielt hier oft eine entscheidende Rolle“, sagt Fierlbeck.

Moses Projekt

Unter anderem aus diesem Grund gibt es seit 2001 bei Donum Vitae das sogenannte „Moses Projekt“ der anonymen Geburt, das 2013 um die vertrauliche Geburt erweitert wurde. „Seit unserem Bestehen hatten wir zehn Moses-Fälle“, nur zwei davon sind bis heute komplett anonym“, berichtete die stellvertretende Leiterin. Donum Vitae habe einen Vertrag mit einer Münchner Klinik, in der die anonymen Geburten durchgeführt werden, ohne dass die Daten der Frau an irgendjemanden weitergegeben werden.

Die werdende Mutter gibt bei der vertraulichen Geburt ihre Identität nur der Beraterin preis, gegenüber allen anderen Stellen, auch dem Krankenhaus trägt sie ein Pseudonym. Ihre persönlichen Daten werden sicher in einem Umschlag verwahrt, niemand kann die Beratungsstelle zur Herausgabe der persönlichen Angaben zwingen, hier greift sogar das Zeugnisverweigerungsrecht. Im Gegensatz zur anonymen Geburt, in der die Mutter keinerlei Daten preisgibt, hat das Kind bei einer vertraulichen Geburt die Möglichkeit, im Alter von 16 Jahre seine Herkunft zu erfahren. Die vertrauliche Geburt soll verhindern, dass verzweifelte Schwangere ihr Kind heimlich gebären und möglicherweise aussetzen oder sogar töten. Eine Mutter, die anonym geboren hat, kann auch erst später entscheiden, dass das Kind die Daten erfragen kann.

„Auch an Schulen sind wir unterwegs, um die Schüler frühzeitig aufzuklären“, sagt der Leiter. Oftmals seien Lehrer nicht die geeignete Vertrauensperson in Sachen Sexualfragen. Insgesamt wurden 913 Schüler in den Landkreisen München und Ebersberg erreicht.

Zu erreichen ist Donum Vitae in Haar unter Telefon 089/32708460, per E-Mail an haar@donum-vitae-bayern.de oder online unter www.haar.donum-vitae-bayern.de.

Tanja Buchka

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