Vaterstetten lehnt Funkmast bei Neufarn ab

Freie Sicht gerettet

Ein 30 Meter hoher Mobilfunk-Gittermast auf dem Neufarner Berg? Keine schöne Aussicht. Im Gemeinderat war man sich darüber einig; aber auch verwundert über die destruktive Haltung des Antragstellers.

Der Telekom, die den Funkmasten errichten möchte, scheint es egal zu sein, ob in naturschutzrechtliche Belange eingegriffen wird oder nicht. Hauptsache, die Mobilfunkversorgung wird flächendeckend eingerichtet. Erstaunlich: Bereits Ende Februar letzten Jahres hatte Bürgermeister Robert Niedergesäß die Telekom darauf hingewiesen, dass sie doch zur Kenntnis nehmen solle, dass eine Bündelung der Standorte nahe liegend wäre, zumal sich an der Autobahnbrücke BAB A94 Richtung Angelbrechting bereits ein solcher befinden würde. Der Antragsteller ist dennoch der Auffassung, dass er diese 30 Meter hohe Anlage dort am Neufarner Berg für die Versorgung u.a. der Autobahn dringend bräuchte. Eine Verlegung des Mastes wurde nicht zuletzt auch mit der Begründung abgelehnt, dass Grundstückseigentümer innerhalb des Suchkreises einen solchen Masten auch nicht haben wollten. Also eigentlich nachvollziehbar. Vor allem – im wahrsten Sinne des Wortes – aus Sicht der Anwohner, die am Neufarner Berg in den 90er Jahren bereits die Pläne für ein Windrad durch massiven Protest zu Fall brachten. 

Vor drei Jahren wurde der Landschaftsplan der Gemeinde Vaterstetten novelliert, darin wird der Höhenzug als Fläche mit besonderen ökologischen und gestalterischen Funktionen dargestellt. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ebersberg hatte sich bereits im Juni gegen den Mast ausgesprochen. Entsprechend irritiert zeigten sich die Gemeinderäte deshalb von der anscheinend rücksichtslosen Planung des Mobilfunkanbieters. Die Vermutung liegt nahe, dass der Telekom-Beauftragte zunächst einmal mit Vollgas auf einen gewünschten Standort pocht. Nach dem Motto: Wir wissen, dass es nicht klappen kann, aber probieren geht über studieren.

In der ersten Sitzung des Bauausschuss nach der Sommerpause wurde darauf verwiesen, dass Mobilfunksendeanlagen zwar als so genannte „privilegierte Analgen“ im Außenbereich grundsätzlich zulässig seien. Allerdings muss eine überzeugende Standortberechtigung eingebracht werden. In diesem Fall keine Chance, denn der Naturschutz geht dort vor Wirtschaftsinteressen. Der Neufarner Berg befindet sich im Rissmoränenzug, der im Projekt „Neues Leben für die Altmoräne“ einen große Rolle spielt. Die Gemeinde Vaterstetten engagiert sich besonders für den Schutz und den Ausbau dieser Altmoräne als Lebensraum für gefährdete Arten und wichtigen Erholungsraum. 

Mal sehen, welchen Alternativstandort der Telekom-Beauftragte als nächstes ins Spiel bringt ... Oliver Oswald

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