Auch der Regen kann die Fronten nicht aufweichen

Umstrittene Vitrine für Absturzopfer am Manchesterplatz in Riem

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Susan Beer (SPD, mit Basecap) vom Bezirksausschuss Trudering-Riem moderierte die Diskussion vor Ort. Zu einer gemeinsamen Linie konnten sich die Anwesenden allerdings nicht durchringen.

Trudering – So ein kalter Dauerregen kann ja Unterschiedliches bewirken: Eine verschärfte Konfrontation aufgrund schlechter Grundstimmung – oder erhöhte Kompromissbereitschaft, weil alle nach Hause wollen. Beim Ortstermin am Manchesterplatz konnte er die Fronten jedenfalls nicht aufweichen.

Noch immer ist umstritten, ob zum bereits bestehenden (und recht kleinen) Denkmal eine große Vitrine kommen soll. Eine Art Mini-Museum, in dem unter professioneller Regie all das arrangiert werden soll, was die Fans an diesem geschichtsträchtigen Ort niederlegen. Zu Erinnerung: Das Flugzeugunglück am 6. Februar 1958 gilt als eines der größten Tragödien des europäischen Fußballs. 23 Menschen starben bei dem Absturz am Rappenweg. Unter anderem acht Spieler von Manchester United. Bis jetzt pilgern jährlich rund 1000 Anhänger zu diesem Ort und gedenken der Opfer. „Das ist hochemotional. Erwachsene Männer fangen plötzlich an zu weinen“, sagt Mark Salzmann, Mitinitiator der Idee, dort eine große Vitrine aufzustellen.

Für die CSU steht er damit im Abseits. „Wir haben bereits ein Denkmal. Und das würde angesichts der Dimensionen nicht zweit-, sondern drittklassig aussehen“, glaubt etwa Georg Kronawitter. Doch Oberbürgermeister Dieter Reiter unterstützt das Mini-Museum.

Jetzt soll geprüft werden, ob die Vitrine etwas weiter entfernt stehen kann, ohne den Verkehr und die Wurzeln der bestehenden Bäume am Manchesterplatz zu stören.

mh

Kommentar von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich: 

München muss erlebbarer werden

Was macht eine Stadt aus? Die Sehenswürdigkeiten, sicher. Der Umgang untereinander. Möglichkeiten, Geld zu verdienen und auszugeben. Die Chance, Ruhe zu finden. Die Identität einer Stadt entsteht aber vor allem über ihre Geschichten – und es ist eine verpasste Chance, wenn diese Geschichten nicht erlebbar sind.

Straßen, Brücken oder Bauwerke tragen häufig Namen, die kaum jemandem ein Begriff sind. Dabei wäre es kein großer Aufwand, sie im öffentlichen Raum zu erklären. Es scheitert am Willen der Stadt.

Die beteiligten Referate fürchten, dass am Manchesterplatz ein Präzedenzfall geschaffen wird. Dabei wäre genau das ein Glücksfall für die Stadt. Ein Stadtmeer mit Inseln kleiner Geschichten. Ich würde gerne darin leben.

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