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Ein außergewöhnlicher Seelsorger

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Von: Thomas Fischer

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2017 wurde Pfarrer Herbert Kellermann mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille in Gold ausgezeichnet.
2017 wurde Pfarrer Herbert Kellermann mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille in Gold ausgezeichnet. © oh

Über 45 Jahre hat Geistlicher Rat Herbert Kellermann als Pfarrer die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Kirchtrudering geprägt. Vor sieben Jahren verabschiedete er sich nach einer „schönen Zeit“ in den wohlverdienten Ruhestand. Jetzt ist der beliebte Kirchenmann verstorben.

Trudering – Man schrieb das Jahr 1975, als Julius August Kardinal Döpfner Pfarrer Herbert Kellermann seine Ernennungsurkunde überreichte. Mit seinen 35 Jahren wurde dieser damals der jüngste Pfarrer Münchens.

Herbert Kellermann wurde während des Zweiten Weltkriegs als Vierjähriger mitsamt seiner Familie in den Pollinger Ortsteil Oderding evakuiert und verbrachte dort einen Großteil seiner Kindheit und Jugend. 1952 kehrte die Familie nach München zurück. Nach dem Abitur 1961 studierte Kellermann an der theologischen Hochschule in Freising und empfing 1967 durch Erzbischof Julius Kardinal Döpfner die Priesterweihe.

Nach einer dreijährigen Kaplanszeit in Inzell bei Traunstein wurde er 1970 als Kaplan in die Pfarrei St. Peter und Paul in Trudering versetzt, wo er zunächst die Filialkirche St. Martin in Riem betreute. 1975 übernahm er die gesamte Truderinger Pfarrei. Als Kaplan und Pfarrer wirkte er insgesamt 45 Jahre lang in Trudering, wo er sich besonders für die Caritas einsetzte. 2015 wurde ihm für seine vielfältigen Verdienste die Ehrenmedaille „München leuchtet“ sowie 2017 mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille in Gold die höchste Auszeichnung des Münchner Diözesan-Caritasverbandes verliehen.

Nach seiner Emeritierung 2015 zog Pfarrer Kellermann in die Pfarreiengemeinschaft Polling im Bistum Augsburg, wo er im örtlichen Dominikanerinnenkloster eine Wohnung hatte, und war dort aus dem Ruhestand heraus vielfach in die Seelsorge vor Ort sowie im dortigen Hospiz eingebunden. Auch in Trudering und Riem war er zudem immer wieder gerne zu Besuch und nahm dort seelsorgerische Aushilfsdienste wahr. 2018 erhielt er als Anerkennung für sein Lebenswerk den Titel eines Päpstlichen Ehrenkaplans („Monsignore“) verliehen. Noch wenige Tage vor seinem Tod hatte er in Polling und München seelsorgerische Aufgaben wahrgenommen. Er starb in der Nacht auf Samstag, 1. Oktober, im Krankenhaus in Murnau.

Das Requiem für Monsignore Kellermann findet am Freitag, 14. Oktober, um 9 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Trudering statt. Die Beisetzung erfolgt im Anschluss auf dem Friedhof in München-Riem.

„Aus den Menschen genommen, und für die Menschen bestellt, in ihren Anliegen bei Gott“, war Kellermanns Wahlspruch bei der Priesterweihe im Jahr 1967, Bis zu seinem Ende ist er ihm treu geblieben. Und die Truderinger wussten immer um Kellermanns besondere Berufung als Seelsorger, der Kranken und Sterbenden zu jeder Stunde ein aufopferungsvoller Wegbegleiter war. In guten wie in schlechten Stunden war der Pfarrer ihnen Ansprechpartner und Ratgeber, schenkte Zeit und Hilfe, wo immer er konnte.

Dabei erlebte Kellermann vieles – Schönes wie Tragisches. So erinnerte er sich bei seinem Abschied etwa an den tragischen Tod des Oberministranten bei einem Autounfall Am Mitterfeld. „Nach der Beerdigung fiel der Messner tot um. Um 14 Uhr am gleichen Tag hatte ich dann eine Hochzeit“. Als besonderes Erlebnis bezeichnete Kellermann, dass er zwei junge Männer aus der Pfarrei zum Primiz-Altar führen durfte. Unvergesslich blieb ihm auch die Altarweihe in St. Peter und Paul. Sie erfolgte durch den damaligen Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.

Auch persönlich hatte Kellermann in seiner Zeit in St. Peter und Paul einiges zu verkraften. Dazu gehört eine schwere Erkrankung, die ihn 2005 niederwarf. Lange bangte die Kirchtruderinger Gemeinde um den geschätzten Priester, der erst nach monatelanger Behandlung aus dem Bogenhauser Klinikum entlassen werden konnte. Viele Truderinger erkannten Kellermann, der 40 Kilo abgenommen hatte, zuerst nicht wieder. Doch der „Geistliche Rat“ überwand die Krankheit und widmete sich wieder mit voller Kraft seiner Kirchengemeinde.

„Herbert Kellermann war ein außergewöhnlicher Seelsorger und Brückenbauer, der Trudering und Riem in all den Jahrzehnten seines Wirkens stark geprägt hat. Er verstand es auf Menschen zuzugehen und öffnete für sie die Kirchentüren gleich welcher Religion oder welchem kulturellen Hintergrund. Sein Einsatz für Zusammenhalt, Traditionen und Miteinander im Stadtbezirk bleiben einzigartig. Sein Tod macht mich sehr traurig! Unvergessen bleiben für mich all die persönlichen Begegnungen bei vielen freudigen und manchen traurigen Anlässen, seine freundliche und positive Art sowie sein unerschütterliches Gottvertrauen. Ich werde ihn in freundschaftlicher und dankbarer Erinnerung behalten“, würdigte der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger den Verstorbenen.

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