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Truderings Mitte rund um die Eisinsel

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„Ich muss Hoffnung haben, weil ich Kinder habe“

Workshop im Kulturzentrum Trudering am Montag, 1. Juli

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Unmengen an Plastik werden nach wie vor benutzt – und dann einfach weggeworfen. Nur ein kleiner Teil davon wird recycelt.

Wenn eine Hitzewelle über Deutschland rollt oder wenn es wochenlang nicht regnet und Wälder zu brennen beginnen, sind Diskussionen um den Klimawandel nicht weit. Doch das ist nicht das einzige Problem, das der Mensch dem Planeten bereitet. Am kommenden Montag geht es im Kulturzentrum Trudering um Plastik. Wie vermeide ich Plastik im Alltag? Dazu gibt es ab 19 Uhr einen praxisnahen Workshop – mit vielen Tipps, Tricks und Alltagshilfen zur Plastikvermeidung und Antworten zu ganz individuellen Fragen. Der Eintritt ist frei.

Sabine Lunkenheimer ist eine der Initiatoren des Workshops. Sie hat schon genaue Vorstellungen davon, was sie an diesem Abend erreichen will. „Die Leute sollen sich trauen, den Plastikberg zu besteigen. Wir wollen dafür Mut vermitteln. Denn mit dem Jammern müssen wir schnell aufhören“, sagt die 62-Jährige eindringlich.  

Die Truderingerin Sabine Lunkenheimer zeigt interessierten Menschen im Rahmen eines Workshops, wie Plastik im Alltag vermieden werden kann.

Vor rund drei Jahren machte eine wissenschaftliche Studie weltweit Schlagzeilen: Bis zum Jahr 2050 könnte der Plastikmüll im Meer insgesamt mehr wiegen als alle Fischschwärme der Welt zusammengenommen. Eine These, die kaum zu be- oder widerlegen ist. Für Aufmerksamkeit sorgte sie in jedem Fall. Doch der nächste Schritt, der tatsächliche Wechsel der eigenen Gewohnheiten, den wagten nur wenige. Zu wenige. 

„Von oben kommt nichts, die Politik tut gar nichts. Wenn wir Kunden die Wirtschaft nicht unter Druck setzen, macht es keiner“, gibt sich Lunkenheimer kämpferisch. Der jüngsten Vorstoß einer Kette, für Plastikbeutel einen Cent verlangen zu wollen, empfindet sie als „billige PR und Greenwashing“. Dass es anders geht, nämlich wirklich nachhaltig, beweist sie selbst in ihrem Alltag. Auf nur ein Kilo Plastikmüll pro Jahr kommt jeder in ihrem Haushalt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Deutsche produziert im Jahr rund 37 Kilo! Wie das geht? Hört man Sabine Lunkenheimer zu, klingt es gar nicht so schwierig. Vor allem der Anfang ist leicht: Leitungswasser statt Plastikwasser, nur noch Glasflaschen und keine Coffee-to-go-Becher mehr. „Wenn ich morgens mit der U3 fahre, würde ich den ganzen Studenten ihre Becher am liebsten aus den Händen schlagen“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Aber schreiben Sie das bloß nicht. Ich bin komplett gegen Gewalt.“ Ihr Weg ist dagegen der des Überzeugens. „Den Leuten ein schlechtes Gewissen machen, das bringt gar nichts“, ist sie sich sicher. Sie packt die Menschen lieber bei ihrem Gewissen. Und bei ihrem Abenteuergeist: „Alternativen zu finden und zu benutzen, ist oft ein kleines Abenteuer“, erzählt sie. Und dann berichtet Lunkenheimer von Kosmetika mit Mikroplastik. Oder von Artikeln, in denen Mikroplastik einfach durch flüssiges Plastik ersetzt wurde. Von Tabletten, die Zahnpaste ersetzen. Und von der Schwierigkeit, Süßigkeiten ohne Verpackung zu kaufen.

All das ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Beim Bäcker kriegt sie viel Lob an der Theke, wenn sie ihre Stofftaschen herausholt. Und viele Wege zum Müllcontainer kann sie sich mittlerweile sparen. Nur (nach-)machen ist leider noch nicht in Mode. Umweltschutz ist ein Thema, bei dem Reden und Handeln in keinem gesunden Verhältnis stehen. „Ich muss Hoffnung haben, weil ich Kinder habe“, sagt Lunkenheimer: Sonst wäre ich vielleicht mutlos – aber das können wir uns nicht leisten.“ 

Marco Heinrich

Um Anmeldung wird gebeten unter info@kulturzentrum-trudering.de oder Tel. 420 18 911. Der Kurs findet statt im Seminarraum 2 im Obergeschoss des Kulturzentrums Trudering an der Wasserburger Landstraße 32. Veranstalter sind die Vereine Trudering im Wandel und Bürgerzentrum Trudering.

Das Problem nach der Gelben Tonne

Der peinliche Stillstand im Umgang mit unserem Plastikmüll

Es gab einmal eine Zeit, da war Deutschland tatsächlich Vorreiter in Sachen Umweltschutz. 1991 wurde ein international bis dahin beispielloses Recyclingsystem eingeführt. Seitdem trennen wir alle (okay, nicht alle) unseren Müll und werfen ihn in die entsprechenden Tonnen. Das ist gut fürs eigene Gewissen – und für die Umwelt. Leider bringt das System nur bedingt etwas, wenn das Gesammelte gar nicht wiederverwertet werden kann. 

Experten gehen davon, dass nur ein gutes Drittel dessen, was in der Gelben Tonne landet, tatsächlich ein zweites Plastikleben bekommt. Der Rest hätte gar nicht in die Gelbe Tonne gehört. Oder die Verpackung ist zu verschmutzt. Oder sie ist schwarz, was die Sortiermaschinen noch immer nicht erkennen können. Oder es handelt sich um ein Gemisch aus mehreren Plastiksorten. Es ist genau diese Menge an „Oders“, die das Problem ausmachen. Dagegen helfen nur klare Regeln und/oder bessere Maschinen im Recycling. Kaum zu glauben, dass diese Probleme seit 1991 bestehen und bis heute nicht gelöst wurden.

 Marco Heinrich

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