„Messestädter werden abgehängt!“

Verlegung der Post an die Kreillerstraße in Trudering verärgert einen Anwohner

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Jörg Hoppe vor seiner Wohnung in der Messestadt. Ohne seinen Gehwagen kommt der Rentner nicht mehr weit. Bis an die Kreillerstraße zur neuen Poststelle erst recht nicht.

Die Verlegung der Postfiliale an die Kreillerstraße in Trudering wird zu einem Problem für einige Messestädter. Denn der Stadtteil hat keine eigene Filiale, und Kunden müssen jetzt noch weiter fahren als vorher. Vor allem Alte und Kranke haben nach Meinung von Jörg Hoppe jetzt das Nachsehen.

Ein kleiner schwarz-gelber Zettel im Briefkasten, mit einer Benachrichtigung über die Verlegung der Postfiliale an die Kreillerstraße 210 in Trudering — zumindest das hätte der Rentner Jörg Hoppe sich als langjähriger Kunde der Post gewünscht. Aber statt der Benachrichtigung fuhr er eines Tages umsonst an den alten traditionsreichen Standort der Post am Lehrer-Götz-Weg in Trudering.

Erst dort las er den Aushang, auf dem stand, dass er in Zukunft an die Kreillerstraße fahren muss, um etwa wichtige Pakete in Empfang zu nehmen, wie zum Beispiel sein Inkontinenzmaterial. Keine Kleinigkeit für einen 74-jährigen stark gehbehinderten Mann, der krebs- und herzkrank ist. Jörg Hoppe fühlt sich abgehängt. „Der Lehrer-Götz-Weg war von der Messestadt aus schon umständlich zu erreichen, aber das ging noch. Jetzt ist der Weg fast doppelt so lang und eine Bushaltestelle gibt es an der neuen Filiale auch nicht. Mein Elektroroller ist derzeit kaputt, aber selbst wenn er es nicht wäre, ich kann keine Pakete damit transportieren“, sagt er.

Die Bewohner in der Messestadt werden nach Hoppes Meinung benachteiligt. „Ich komme ursprünglich aus einem ganz kleinen Dorf, aber selbst dort hatten wir unsere Poststelle und das war in den 50er-Jahren!“

Vor allem Alte und Kranke aber auch etwa Mütter mit ihren Kinderwägen hätten bei der Entscheidung der Post, ihre Filiale an die Kreillerstraße zu verlegen, das Nachsehen. „Wir werden hier abgehängt“, sagt er. Was Hoppe sich wünschen würde, wäre eine Postfiliale in den Riem Arcaden, dort habe man im Moment lediglich die Möglichkeit, Päckchen in einer kleinen Filiale bei Edeka abzugeben, aber man könne keine im Empfang nehmen. „Wenn man das Angebot erweitern würde, das wäre wirklich eine große Erleichterung für uns Messestädter“, glaubt Hoppe. Auf HALLO-Anfrage antwortete die Post, dass sie das Anliegen vor Hoppe durchaus verstehe.„Unsere Partnerfiliale bei Edeka in den Riem-Arcaden bietet nahezu alle Postservices an, allerdings keine Paketausgabe“, gibt der Pressesprecher zu. Derzeit werde allerdings geprüft, ob dieser Service auch angeboten werden könne. Zudem wies der Pressesprecher der Post auf die Möglichkeit des Paketempfangs zu Hause hin.

Online unter www.dhl.de/de/privatkunden/pakete-empfangen/pakete-zuhause-empfangen.html sei dies möglich.

Lydia Wünsch

Kommentar

Wir verkaufen zu viel von uns - Was passiert, wenn Geld die Welt regiert? Selten Gutes

„Follow the Money“, ist ein guter Ratschlag für alle, die Entwicklungen auf den Grund gehen wollen. Denn die Spur des Geldes führt meistens zu Gründen für Entscheidungen. Manchmal auch zu Abgründen. Das gilt für die Schließung einer Postfiliale, aber auch für viele andere Bereiche unseres Lebens. Service kann man sich zwar kaufen, aber es macht halt kaum noch jemand.

Die von vielen als gottgleiche Lösung aller Probleme angesehene Digitalisierung verstärkt und beschleunigt diese Entwicklung. Wir bieten bei Airb‘n‘b unsere Wohnung an, bei Uber unser Auto und für Bitcoins unsere Computer. Parallel dazu vermarkten wir uns selbst auf Facebook, Instagram und Tinder. Die großen Gewinne machen dabei niemals wir, sondern immer ein paar Wenige im Hintergrund. Und wenn alles in die Öffentlichkeit getragen wird, bleibt nichts Privates mehr übrig. Kein Geheimnis, das wir für uns behalten – oder in einer ruhigen Stunde einem Menschen erzählen, der uns tatsächlich etwas bedeutet.

Am Wochenende ging es im Radio um den biblischen Tanz ums Goldene Kalb. Der Schluss liegt nahe, dass wir alle gerade kräftig am Tanzen sind und aus dem Kalb längst ein kräftiger Stier geworden ist. Nur: Wo bleibt unser Moses mit ein paar neuen Geboten?

Marco Heinrich

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