„Mancher Politiker merkt erst Tage später, dass er sauer ist“

Ventil-Macher Winfried Frey über die Erlebnisse vor und nach dem Derbleck‘n

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Regisseur, Schauspieler und Autor Winfried Frey übernimmt wieder die Leitung des Truderinger-Politiker-Derbleck'ns.

Die Raubritter von München Ost – so heißt das Motto des diesjährigen Truderinger Politiker-Derbleck‘n. Regisseur, Autor und Schauspieler Winfried Frey übernimmt wieder die Gesamtleitung inne. Vorher sprach er mit HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich.

Herr Frey, vor einem Jahr hieß das Motto beim Truderinger Ventil „Rien ne va plus – nichts geht mehr“. Da war doch die Schreibblockade für das Jahr darauf vorprogrammiert? 

Frey (lacht): Tatsächlich wird es von Jahr zu Jahr schwieriger. Ich will mich schließlich nicht wiederholen. Zum Glück bekomme ich nach dem Ventil von vielen Seiten Lob. Aber das ist dann natürlich auch ein Ansporn, es im Jahr drauf noch besser zu machen. Und am besten: Ganz anders.

Unter dem Schlachtruf „Vivat! Die Raubritter von München-Ost!“ nehmen sie Trudering diesmal mit ins Mittelalter. 

Im vergangenen Jahr standen ja die Politiker selbst sehr im Mittelpunkt, als wir ihnen Doubles auf die Bühne gestellt haben. Jetzt blicken wir aus der weiten Vergangenheit auf das heutige Geschehen.

Dabei werden auch so manche Politiker auferstehen, die das Zeitliche bereits gesegnet haben. Schreiben sich Witze für Tote leichter oder schwerer als für Lebende? 

(überlegt) Ach, sie machen die Witze ja selber.

Wie lange dauert Ihre Vorbereitung aufs Derbleck‘n? Wann fangen Sie mit dem Schreiben an? 

Das ist tatsächlich ein langer Prozess. Ich schreibe eigentlich das ganze Jahr über und sammele, wenn mir politisch etwas auffällt. Nicht alles davon wird dann am Ende verwendet. Aber ohne diesen langen Vorlauf würde es nicht gehen.

Trügt der Schein oder machen es die Politiker Ihnen immer schwer, an ausreichend Material zu kommen? Selbst Markus Söder gibt jetzt den wohlerzogenen Landesvater... 

Da würde ich auf keinen Fall widersprechen. Es gibt tatsächlich so gut wie keine Kanten mehr in der Politik. Aber im Sport oder in der Kultur ist das ja kaum anders. Früher haben sich die Leute einfach mehr getraut. Da konnte man dann satirisch auch viel draus machen. Heute dagegen ist der Fall kein spezielles Söder-Syndrom. Viele haben vorher – platt gesagt – auch richtig auf die Kacke gehauen. Und in der entsprechenden Position wurden sie dann zum Streicheltier. Joschka Fischer war da so ein Fall.

Woran liegt es, dass kaum noch jemand an der Spitze Profil beweisen will? 

Das hat sicher viel mit den neuen Medien und der allgemeinen Schnelllebigkeit zu tun. Früher brauchte man auch Glück, um die Entgleisungen von Franz Josef Strauß in die Kamera zu bekommen. Da musste jemand im richtigen Moment abdrücken. Heute muss jeder damit rechnen, ständig beobachtet zu werden. Da geht kaum noch eine Aussage durch, die nicht vorher von PR-Experten geprüft wurde.

Das Truderinger Ventil ist sehr im Münchner Osten verwurzelt. Wie empfinden Sie es, genau hier zu leben? 

Wir sind schon sehr positiv bestückt. Es ist eine sehr familiäre Gegend, und die Bürger versuchen ein großes Miteinander. Beim Bezirksausschuss muss man ja fast schon etwas künstlich aufblasen, weil alle so brav sind. Mein Sohn lebt gerade in Berlin. Da kann ich nur sagen: Dagegen sind wir hier noch sehr gut dran. Aber natürlich gibt es auch hier den einen oder anderen Schildbürgerstreich.

Sieht Ihr Sohn das genauso oder gewöhnt er sich an das Hauptstadt-Chaos? 

Vor einem Jahr hat er jedenfalls noch gesagt, dass München die perfekte Stadt ist, um irgendwann eine Familie zu gründen.

Wie oft haben Sie Ärger bekommen, weil Sie einen Prominenten aufs Korn genommen haben? 

Ich mache das Ventil ja schon neun Jahre federführend und war davor auch schon mit dabei. Seitdem ist es mir vielleicht drei oder vier Mal passiert, dass ich mit Politikern etwas am Telefon gerade biegen musste. Das sind dann schon Geschichten, über die ich nachdenke. Denn jeder, der zum Ventil hingeht, weiß doch eigentlich, auf was er sich einlässt. Sonst sind sie meiner Meinung nach fehl am Platze. Manchmal amüsieren sich Politiker sogar sehr an dem Tag – und merken erst Tage später, dass sie sauer sind. Wahrscheinlich, nachdem sie von anderen darauf gebracht worden sind, dass sie sich aufzuregen haben.

Dieses Jahr kommt auch Oberbürgermeister Dieter Reiter... 

Der wird sich durchaus etwas anhören müssen. Er meint es bestimmt gut, aber einige seiner Aussagen haben mich schon stark zum Nachdenken angeregt.

Interview: Marco Heinrich

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