Kein Schwein ruft an – und niemand streitet

Unerwartete Harmonie zum Auftakt des neuen Bezirksausschusses Trudering-Riem

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Stefan Ziegler nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Bezirks­ausschusses Trudering-Riem.

Stefan Ziegler (CSU) wurde zum neuen Vorsitzenden des Bezirksausschusses Trudering-Riem gewählt. Überraschenderweise ohne große Geburtsschmerzen vor und nach der Wahl.

Trudering – Wer für seine Partei als Einzelkämpfer unterwegs ist, muss um Aufmerksamkeit kämpfen. Das gelang Stephanie Bachhuber (FDP) bei der konstituierenden Sitzung des Bezirksausschusses Trudering-Riem. Denn mitten in die Stille einer der vielen Wahlen des Abends klingelte plötzlich ihr Handy. „Kein Schwein ruft mich an“, hallte also durch die Aula des Truderinger Gymnasiums. Das lockerte die Stimmung an einem Abend, der ohnehin viel harmonischer verlief als noch vor einigen Wochen erwartet werden durfte.

Die Verstimmung der Grünen, dass sich die plötzlich klein gewordene SPD nicht für Herbert Danner als BA-Vorsitzenden entschied sondern für Stefan Ziegler (CSU), war verflogen. Zwar ließ es sich Danner nicht nehmen, zur Wahl anzutreten, doch die erwartbare 12:18-Niederlage gegen Ziegler nahm er dann politisch fair hin. Seine Gratulation in Richtung Ziegler wirkte aufrichtig.

„Ich bin ein Truderinger von der Wiege bis zur Bahre. Ich bin in meinem Leben zwar zwei Mal umgezogen, aber die Straße habe ich nie gewechselt. Ich will nicht nur alles besser wissen, sondern auch manches besser machen“, sagte Ziegler in der Vorstellung vor seiner Wahl. Es wird spannend sein zu beobachten, wie er seine neue Rolle als Vorsitzender interpretiert. Nicht nur vom Alter her ist er ein anderer Typ als sein Vorgänger Otto Steinberger. Der hatte das Gremium mit einer sehr sympathischen und verbindenden (groß)väterlichen Art geführt. Stefan Ziegler dagegen wird zwar auch ein Moderator sein, aber sein Witz ist deutlich spitzer. Wie die einzelnen Fraktionen darauf wohl reagieren?

Vieles ist neu im BA 15, nicht nur der Mann an der Spitze. Stärkste Fraktion bleibt die CSU (11 Sitze). Doch geführt wird die CSU nun nicht mehr von Magdalena Miehle, sondern von Stephen Sikder. Ein Mann, der nicht nur durch seinen Beruf als Castingdirektor durchaus den großen Auftritt liebt. Und mit Georg Kronawitter einen Mann an seiner Seite hat, der auch viel mehr ist als eine Nebenrolle.

Gleich hinter der CSU stellen die Grünen nun zehn Mitglieder. Schon in den vergangenen Jahren waren die Grünen zumindest rhetorisch der stärkste Gegenspieler der CSU. Vielleicht ist es sogar ein gut getarnter Segen, dass Herbert Danner seine gewohnte Rolle als gewitzter Unruhestifter nicht als Vorsitzender aufgeben muss. Mit Stadtteilmanager Christoph Heidenhain haben die Grünen außerdem einen Neuzugang in den eigenen Reihen, der die Fraktion durch seine Kontakte und durch sein Wissen bereichern sollte.

Zwischen diesen beiden großen Blöcken muss sich zeigen, ob die SPD (6 Sitze) neue Akzente setzen kann. Eine große Aufgabe für die neue Fraktionssprecherin Eva Blomberg. Die Lehrerin hat mit Susan Beer (wurde zur Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt) eine Kämpferin für soziale Fragen in der Fraktion. Spannend wird sein, ob der Generationswechsel tatsächlich vollzogen wird. Als es um die Unterstützung des künftigen BA-Vorsitzenden ging, soll Maren Salzmann-Brünjes noch die meisten Fäden gezogen haben.

Der erste Antrag des neuen BA brachte jedenfalls die SPD ein. Die Stadt soll prüfen, ob BA-Sitzungen gerade in Zeiten von Corona schon bald online übertragen werden können.

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Marco Heinrich

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