Startschuss für den neuen Ortskern soll im Oktober fallen

Truderings Mitte rund um die Eisinsel

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So soll der geplante Truderinger Ortskern aussehen.
Christoph Heidenhain und Selma März vor den Plänen zur Umgestaltung der Truderinger Mitte. Gibt der Stadtrat grünes Licht, kann schon im nächsten Sommer gebaut werden.

Es war kein Aprilscherz, als Trudering am 1. April 1932 zu München eingemeindet wurde. Das ist lange her, trotzdem hat das Stadtviertel über all die Jahrzehnte hinweg seinen Dorfcharakter behalten – und ist zurecht stolz darauf. Nur ein echtes Zentrum, einen echten Dorfplatz, hat Trudering nicht. Das soll sich nun ändern. Bereits im Oktober soll der Stadtrat über den dann fertigen Projektschluss des Baureferats entscheiden. „Jetzt diskutieren wir noch über einzelne Parkplätze oder Bäume, im Großen und Ganzen steht die Planung“, freut sich Selma März, die das Projekt seit 2013 mit Stadtteilmanager Christoph Heidenhain vorantreibt. Es gibt viele Gründe, warum die Dinge rund um die Eisinsel nicht einfach so bleiben sollten wie sie sind. „Die Straße ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, erklärt März: „Es gibt sehr wenig Grün, keinen Radweg, keine Sitzgelegenheiten. Außerdem heizt sich die Umgebung im Sommer sehr auf und wir haben eine hohe Feinstaubbelastung.“ All das soll der neue Truderinger Ortskern ändern. Doch bis es so weit ist, musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Denn die Bauarbeiten werden anderthalb Jahre beanspruchen. Und während dieser Zeit werden viele der dort ansässigen Geschäfte leiden.

Zentraler Punkt des neuen Ortskerns ist die Verkehrsberuhigung. „Nicht jedes Auto ist ein potenzieller Kunde. Tatsächlich handelt es sich bei 50 Prozent um reinen Durchgangsverkehr“, weiß Heidenhain zu berichten. Am Anfang der Überlegungen wurde sogar über eine reine Fußgängerzone nachgedacht, aber Verkehrsberechnung zeigten schnell, dass das umliegende Straßennetz das nicht auffangen könnte. Auch die Umleitung von vier Buslinien wäre ein großes Problem. So muss also eine Reduzierung von drei auf zwei Spuren genügen. Eine Halbierung des Verkehrs soll das bringen. Und der dabei frei werdende Platz soll genutzt werden.

Mit Bäumen und Sitzgelegenheiten wird rund um die Eisinsel ein Platz entstehen, der zum Verweilen einlädt. Da der Bürgersteig fast auf einer Höhe mit der Straße sein wird, steigert sich der Eindruck von Großzügigkeit sogar noch. Außerdem zeigen Untersuchungen, dass Autofahrer in einem solchen Umfeld vorsichtiger fahren. Die großen, gewundenen Sitzbänke sollen außerdem so angeordnet werden, dass in der Mitte ein bespielbarer Raum entsteht. Eine Dorfbühne gewissermaßen, die zum Beispiel von Künstlern oder Skateboardern genutzt werden kann.

Auch der gegenüberliegende Platz der Kreuzung wird aufgewertet. Hier soll ein Brunnen gebaut werden, der auch von Kindern durchlaufen werden kann. „Eine zusätzliche Verweilmöglichkeit ohne Konsumzwang“, erklärt Heidenhain. Das ganze Areal soll ein echtes Schmuckstück werden. Wenn der Stadtrat im Oktober den Startschuss gibt, werden sofort die Ausschreibungen veranlasst. Im Sommer 2020 sollen die Arbeiten dann beginnen. Ende 2021 wäre dann alles fertig. Bis es so weit ist, sind auch Christoph Heidenhain und Selma März gefordert. „Wir überbrücken die Kommunikation zwischen dem Gewerbe und den Baufirmen. Wenn wir die schwierige Phase des Umbaus irgendwie leichter machen können, dann tun wir das – zum Beispiel, wenn ein Geschäft an bestimmten Tagen Zugang für Lieferungen braucht“, erklärt Heidenhain. Ohnehin ist sein Büro im Stadtteilladen Trudering an der Truderinger Straße 302 schon jetzt eine Anlaufstelle für all die kleineren und größeren Probleme, die Trudering bewegt – und genau so soll es ja auch sein. „Die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt München – aber sie ist eben nicht die Stadt München. Wir sitzen in einer Schnittstelle. Und genau so arbeiten wir auch“, sagt Heidenhain. Der Stadtteilladen und sein Bücherschrank öffnet wieder am 3. September. Dienstags von 10 bis 17 Uhr (zum Markttreff bis 19 Uhr) und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Der nächste Markttreff „Tante Trude“ findet am 10. September statt.

Marco Heinrich

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