Wer hilft beim Helfen?

Truderinger Verein ist an der Belastungsgrenze

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Sabine Gallenberger rettete Eichhörnchen, die ohne sie (und die Finder) keine Chance hätte.

Ganze fünf Wochen ist das kleine Eichhörnchen alt, das sich in den Händen von Sabine Gallenberger sichtlich wohl fühlt. Gierig trinkt es aus der kleinen Flasche die Aufzuchtsmilch, begleitet von einem kleinen, entrüsteten Quieken, wenn die Milch alle ist. „Du hast aber Durst“, sagt Sabine Gallenberger und streichelt dem Tier sanft über die kleine Nase. Kurze Zeit später rollt sich das Eichhörnchen zusammen und schläft friedlich ein. Dass es noch einmal aufwachen wird, ist alleine der Verdienst des Menschen, in dessen Hand er sich gerade befindet. Seit acht Jahren gibt es den von der Truderingerin Sabine Gallenberger ins Leben gerufenen Verein „Eichhörnchen Schutz“. Die unglaubliche Zahl von 3500 Tieren hat sie in dieser Zeit gerettet – dieses Jahr sind es schon fast 700. Wer einmal gesehen hat, wie ein hilfloses und halbverdurstetes Tier in ihren Händen wieder zu Kräften kommt, versteht schnell, warum sie diese Arbeit macht. Und warum sie so schlecht „Nein“ sagen kann, wenn ein Eichhörnchen in Not ist. Auch wenn es oft über die eigenen Kräfte geht.

Momentan leben 48 Eichhörnchen mit ihr in der Wohnung. Und zwar nicht nur in dem Zimmer, das sie für die Tiere extra eingerichtet hat. „Eigentlich hatte ich mir beim Umzug geschworen, dass ins Wohnzimmer keine festen Käfige mehr kommen – jetzt sind es doch wieder zwei“, sagt sie, atmet einmal tief durch und blickt dann auf das halbe Dutzend mobiler Anlagen, die gerade auf der Couch stehen. Im Garten toben unterdessen die älteren Eichhörnchen in großen Volieren umher. 16 bis 18 Stunden pro Tag kümmert sie sich um ihre kleinen Mitbewohner. Ein Stück Selbstaufgabe.

„Wenn ich etwas für mich tue, haben die Tiere Hunger. Aber es macht Sinn. Die Eichhörnchen spielen, statt qualvoll zu verenden. Das gibt einem viel“, sagt Gallenberger. Möglich ist das alles nur, weil ihr Vater noch so oft im Schreibwarengeschäft arbeitet, das ihr den Lebensunterhalt sichert. Und sie weiß, dass ihr Verein, ein Netz von gut 20 Leuten in ganz Deutschland vereint, ohne das sie zusammenbrechen würde. Auch deshalb geht sie zu jeder Tag- und Nachtzeit ans Telefon. „Ich würde mir wünschen, dass wir mit Wildtieren zumindest so gut umgehen wie mit unserem Müll. Dafür sind viele Menschen verantwortlich – für die Wildtiere leider nicht“, schimpft sie.

Sabine Gallenberger betreibt keinen Artenschutz, Eichhörnchen sind auch in München nicht vom Aussterben bedroht. „Und doch haben sie ein Recht zu leben, statt qualvoll zu verdursten“, sagt Gallenberger. Doch alleine kann sie es nicht schaffen. Sie braucht Hilfe beim Helfen.

Gesucht sind Menschen, die einen Garten mit Waldzugang haben und dort eine Voliere zum Auswildern der Tiere aufstellen wollen. „Die Betreuung der Tiere dauert etwa eine halbe Stunde pro Tag. Auf dem Grundstück dürfen keine jagenden Hunde oder Katzen sein. Der Verein sucht außerdem fleißige Hände für den Bau der Volieren. Dafür muss man kein ausgebildeter Schreiner sein. Einfache handwerkliche Fähigkeiten genügen. Kontakt über info@eichhoernchen-schutz.de oder Telefon 0176/55 37 68 64. Weitere Infos unter www.eichhoernchen-schutz.de.

mh

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