„Projekt ist Wasser auf die Mühlen einer Mobilitätswende“

Spatenstich für die Sanierung des Truderinger Ortskerns

Breitere Fußwege, schmalere Straßen und insgesamt mehr Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer. Das sieht die Sanierung des Truderinger Ortskerns vor. Der Spatenstich ist gesetzt. In eineinhalb bis zwei Jahren soll alles fertig sein.
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Breitere Fußwege, schmalere Straßen und insgesamt mehr Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer. Das sieht die Sanierung des Truderinger Ortskerns vor. Der Spatenstich ist gesetzt. In eineinhalb bis zwei Jahren soll alles fertig sein.

Lange wurde es diskutiert. Nun ist es soweit. Am Montag wurde der Spatenstich für die Truderinger Ortskernsanierung gesetzt. Bezirksausschussmitglied Herbert Danner erinnert sich nochmal an die vielen Diskussionen und auch Widerstände, die nicht nur den Grünen bei diesem Vorhaben in der Vergangenheit entgegengebracht wurden. Bezirksausschussmitglied Herbert Danner freut sich enorm über diesen Spatenstich. „Es war ein kleiner Marathon bis hierher“, gibt er zu und erinnert nochmal an die Entwicklung, die letztlich zur Ortskernsanierung von Trudering geführt hat. 

Demnach reicht die erste grüne Initiative zur Ortskernberuhigung bereits bis ins Jahr 1989 zurück. Damals erreichten die Grünen einen Beschluss im Bezirksausschuss, eine Fußgängerzone vom Schmuckerweg bis zum Bognerhofweg zu errichten. „Damit wäre der ganze Durchgangsverkehr draußen gewesen“, so Danner. Den Teilerfolg feierten die Grünen bereits mit einem Infostand vor der Stadtsparkasse, kurze Zeit später seien allerdings die Gewerbetreibenden Sturm gelaufen und hätten das Projekt zu Fall gebracht, berichtet Danner weiter. Im Sommer 2008 kam das Thema dann erneut aufs Tableau. 

Damals gab es das neue Bund- und Länderprogramm „Aktive Zentren“. Die Stadt München wollte sich dabei mit zwei Projekten bewerben, eines davon sollte die Truderinger Straße sein. Im September 2008 wurde der Antrag dann von Danner in den Bezirksausschuss gebracht. „Ich kann mich jetzt nicht mehr erinnern, ob es einstimmig war, aber er wurde auf jeden Fall mit einer großen Mehrheit angenommen“, sagt er heute mit einem breiten Lächeln. Der Anfang war somit gemacht. 

Es folgte die Einrichtung von Projektgruppen und Gutachtenvergaben. Diskutiert wurde vor allem über die Kosten. Dass dann auch noch die Straßenausbaubeitragssatzung gekippt wurde, spielte den Befürwortern des Umbaus dabei zusätzlich in die Hände. Denn damit mussten die anwohnenden Eigentümer sich nicht mehr an den Kosten für den Umbau beteiligen. „Ein großer Widerstand von Anwohnerseite fiel damit weg“, so Danner. Und jetzt ist es endlich soweit. 

Der Spatenstich wurde am vergangenen Montag gesetzt. Beginn ist am Rothuberweg und am Lehrer-Götz-Weg, die beide zur Fahrradstraße werden sollen. Danach soll abschnittsweise von der Bajuwarenstraße Richtung Schmuckerwg in vier bis fünf Bauabschnitten saniert werden. „Der aufwendigste Abschnitt wird dabei mit Sicherheit der Knotenpunkt rund um die Eisinsel werden“, glaubt Danner. Dort sind neben breiteren Fußwegen auch ein Brunnen und Bänke vor dem Hofpfister geplant. 

So soll der Ortskern in Zukunft aussehen.

Eineinhalb bis zwei Jahre soll die Umbauphase insgesamt dauern. Auch der Gewerbeverband steht mittlerweile hinter dem Projekt Ortskernberuhigung, selbst wenn die Sorgen für viele Gewerbetreibenden derzeit groß sind. Gabriele Kraft von der Inneneinrichtung Kraft äußerte gegenüber HALLO ihre Bedenken zur Baustelle. „Gerade hatten wir mit Corona und dem Lockdown zu kämpfen. Und noch bevor wir uns davon erholen konnten, kommt schon die nächste Baustelle“ — und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. 

Sie wünscht sich von der Stadtverwaltung mehr Sensibilität im Umgang mit den ansässigen Ladenbesitzern, die aufgrund von ­Corona derzeit zum Teil um ihre Existenz kämpfen. Herbert Danner hingegen glaubt nicht, dass die Ortskernsanierung für die ansässigen Läden zum Problem wird. „Diskussionen um Verkehrsberuhigung gibt es schon seit den Olympischen Spielen mit der Münchner Fußgängerzone oder der Sendlinger Straße“, sagt er. 

Auch da habe es seinerzeit viele Bedenken gegeben, aber letztlich hätten die Fußgängerzonen in diesen Bereichen sogar zu Umsatzsteigerungen geführt. Und Grünen-Stadtrat Christian Smolka führt als Beispiel die Niederlande an, dort sei es seit der Einführung von Fahrradstraßen zu einer Zunahme der Gewerbesteuereinnahmen gekommen. Dies liegt seiner Meinung nach daran, dass Menschen in verkehrsberuhigten Zonen länger verweilen und somit mehr kaufen würden. 

„Der Fahrradfahrer macht mindestens den selben Umsatz wie der Autofahrer“, glaubt auch Danner: „Er lädt nicht einmal in der Woche den Kofferraum voll, kommt dafür aber drei Mal.“ Insgesamt soll die Aufenthaltsqualität für Radfahrer und Fußgänger verbessert werden und vor allem der Durchgangsverkehr draußen bleiben. Dafür sollen unter anderem schmalere Straßen und breitere Fußwege sorgen. Denn Eltern mit Kindern würden derzeit laut Danner nicht oft in dieser Straße einkaufen und schon gar nicht mit dem Fahrrad entlang fahren, da es im Moment aufgrund des Verkehrs viel zu gefährlich ist. 

„Aber auch das sind Kunden“, betont Danner. Auch genug Parkplätze werde es seiner Meinung nach weiterhin geben. So gebe es Tiefgaragen sowie oberirdische Parkplätze bei den Supermärkten in unmittelbarer Nähe. Stadtrat Christian Smolka betont: „Das Projekt ist Wasser auf die Mühlen für Menschen, die eine Mobilitätswende in den innerstädtischen Vororten haben möchten.“ 

Lydia Wünsch

Kommentar

Zwei Arten von Baustellen

Zum Start der Arbeiten am neuen Truderinger Ortskern

Es ist eine Auszeichnung, wenn jemand behauptet, dass sich Trudering Teile seines dörflichen Charakters bewahrt hat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es im Bezirk zu wenige Orte gibt, wo dieser Wesenszug auch ausgelebt werden kann. Die Umgestaltung des Ortskerns verbindet daher Vergangenheit und Zukunft. 

Es ist ein Grund zur Freude, dass die Arbeiten endlich beginnen. Ebenfalls zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass der Weg dorthin beschwerlich wird. Wer mag schon Baustellen? Sie sind laut, schmutzig und beanspruchen das, was in einer Stadt eben Mangelware ist: Platz. Viele Gewerbetreibende vor Ort trifft der Umbau hart, besonders während der Corona-Krise. Und doch lohnt es sich. Denn langfristig kann der Einzelhandel gegen die Konkurrenz aus dem Internet nur bestehen, wenn Einkaufen vor der eigenen Haustür eben auch Spaß macht. Und wenn die großen Internetkonzerne endlich ordentlich Steuern zahlen würden. Aber das... ist eine andere Baustelle. 

Marco Heinrich

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