Bürger und Bezirksausschuss sind unzufrieden mit den Plänen der Bahn

Truderinger Kurve und Truderinger Spange: Druck auf die Stadtpolitiker wächst

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Der Güterverkehr innerhalb Münchens soll stark anwachsen - mitten durch Wohngebiete hindurch.

Um Verkehr und Umwelt in Einklang zu bringen, soll mehr Güterverkehr auf die Schiene gebracht werden. Wie kompliziert das ist, beweist der geplante Ausbau des Schienennetzes im Münchner Osten.

Trudering – Der Ton macht die Musik – auch wenn der Lärm einen Großteil des Ärgers macht. So verhält es sich zumindest beim von der Bahn geplanten Ausbau der Truderinger Kurve und der Truderinger Spange. Denn obwohl die Bahn die alternativen Planungen der betroffenen Bürger nun verwarf, sind die Anwohner über den Prozess als solchen nicht unzufrieden. „Die Bahn hat uns zum ersten Mal Gründe genannt, warum unsere Pläne nicht funktionieren. Das müssen wir hinnehmen“, erklärt Peter Brück, einer der Anwohner: „Es war ein angenehm sachlicher Umgang, das muss man goutieren.“

Die etwas weiter westlich verlaufene Route der Bürger funktioniert nach Angaben der Bahn nicht, weil Höhenvorgaben nicht eingehalten werden könnten und die Züge auch nicht die erforderliche Geschwindigkeit erreichen würden. Trotzdem will die Bahn weiter prüfen, ob sie den Bürgern nicht entgegen kommen kann. Alternativtrassen werden durchgerechnet. Anfang Januar treffen sich beide Parteien zum nächsten Gespräch wieder. So weit, so gut. Doch an einer anderen Diskussionsfront geht es dieser Tage weitaus weniger freundlich zu. Ein erstes Papier des Münchner Planungsreferats sorgt im Bezirksausschuss Trudering-Riem für große Diskussionen. Auf

41 Seiten befasst sich die Stadt mit Details der Planungen, ohne aber die große Grundfrage zu thematisieren: Warum soll der ganz Verkehr, der weder aus München kommt oder nach München will, mitten durch eine Metropole geleitet werden? Drei Stunden lang diskutierte der Unterausschuss Infrastruktur über das Thema. In privaten E-Mails zwischen Georg Kronawitter (CSU) und Herbert Danner (Grüne) ging der Streit anschließend weiter.

„Die Vorlage ist nicht ausreichend und wird der Größe des Vorhabens nicht gerecht“, steht nun in der Antwort des BA an das Planungsreferat. Gefordert wird weiterhin ein sachkundiger Projektverantwortlicher als Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung – für die betroffenen Bürger und die Bezirksausschüsse. Doch genau das will die Stadt nicht. Der Bund bezahlt das Projekt, die Bahn plant es – dabei will sich die Stadt München offenbar nicht die Finger schmutzig machen. Doch das Projekt greift stark in Belange der Stadt ein, es ist schon geradezu unverantwortlich, dass die Stadtpolitik so defensiv handelt.

Der Bezirksausschuss fordert, dass stattdessen die Umfahrungsstrecke Regensburg – Mühldorf – Rosenheim ausgebaut und genutzt wird und bringt außerdem eine neue Trasse entlang der A99 zwischen Haar und München-Karlsfeld ins Spiel. Vorbild ist die Umfahrung Innsbrucks, die seit 1994 in Betrieb ist und seinerzeit 211 Millionen Euro kostete.

All das sind Überlegungen, die die Kompetenzen eines Bezirksausschuss eigentlich übersteigen. Der Druck auf die Stadtpolitik und Oberbürgermeister Dieter Reiter an der Spitze wächst.

Marco Heinrich

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