Am Truderinger Kindergarten St. Franz Xaver lernen Kinder Bairisch

Koa Angst vorm Dialekt!

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„Beim Bimperlwirt, beim Bamperlwirt“, da sitzen die Kindergartenkinder von St. Franz Xaver Trudering mit Bairisch-Lehrerin Erika Marschall sowie dem Kasperl und seinen Spezln. Für Zither-Musik sorgt Ingrid Blank-Hofmiller.

Am Kindergarten St. Franz Xaver gibt es seit Oktober ein München-weit einzigartiges Projekt: Immer donnerstags von 8 bis 8.30 Uhr lernen die Kinder dort Bairisch. Was als Versuchsballon gestartet wurde, entpuppt sich als Riesenerfolg: Mittlerweile gibt es eine Warteliste für den Kurs!

Erika Marschall arbeitete jahrelang als Erzieherin an Münchner Kindergärten. Aber nun, als Rentnerin, darf sie endlich das tun, was ihr zuvor jahrelang untersagt wurde: mit den Kindern Bairisch reden!

In den 70er Jahren wurden Lehrer, Erzieher und Eltern angehalten, „gscheit“ mit ihrem Nachwuchs zu reden, also Hochdeutsch. Dialektsprecher, so glaubte man damals nämlich noch, hätten es in der Schule und im Beruf schwerer als diejenigen, die nach der Schrift redeten. Das Ergebnis: Die Generation der heute 30- bis 40-Jährigen kann kein Bairisch mehr – und ihre Kinder erst recht nicht.

Der Truderinger Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) sowie liebender Opa, spürt jedoch seit langem wieder eine „Sehnsucht der Menschen nach unseren Wurzeln, unserer Identität“. Weshalb er sich mit Erzieherin Erika Marschall zusammengetan und Ende Oktober den München-weit ersten regelmäßigen Bairischkurs für Kindergartenkinder am Kindergarten St. Franz Xaver in Trudering ins Leben gerufen hat.

„Am Anfang“, berichtet Erika Marschall, sei sie skeptisch gewesen, ob überhaupt genügend Kinder mitmachen würden bei dem freiwilligen Angebot, das jeden Donnerstag von 8 bis 8.30 Uhr in der Turnhalle des Kindergartens stattfindet. Marschall und Münzinger hofften auf fünf Teilnehmer – doch sofort meldeten sich 18 Kinder an! Mittlerweile gibt es eine Warteliste, und dass der Kurs auch im kommenden Kindergartenjahr stattfindet, ist so gut wie sicher. „Unser Kurs zieht Kreise“, sagt Münzinger, „wir haben da einen Samen gelegt.“

Für die Kinder ist das Bairische wie eine Fremdsprache. „Das Verstehen fällt ihnen leichter“, sagt Marschall, „nur beim Sprechen haben sie Hemmungen“. Deshalb versucht sie auch so oft wie möglich, mit den Kindern zu singen, „da trauen sie sich einfach mehr“. Zudem bindet die Unterbibergerin auch gerne Bilderbücher und Handpuppen in ihren Unterricht ein, um den Kleinen Klang, Wörter und Ausdrücke der bairischen Sprache näher zu bringen. Vergangenen Donnerstag lernten die Kleinen mithilfe des Lieds „Beim Bimperlwirt, beim Bamperlwirt“ tatsächlich eine Reihe von – für Bayern – wichtige Begriffe. In dem mehrstrophigen Stück heißt es unter anderem: „Beim Bimperlwirt, beim Bamperlwirt, da kehrt da Wachtmeister ein. Er isst an Schweinsbratn und a Kraut, fünf Knödl miaßn‘s sei!“ Als die Kinder die Zeile nachsingen, hört Lehrerin Marschall jedoch das Wort „Schweine- braten“ heraus. Sie unterbricht sofort: „Da miaßt‘s aufpassen, Kinder! Des is a Schweinsbraten, koa Schweinebraten. Der Braten is ja schließlich nur von oana Sau.“ Die Kleinen überlegen kurz: „Sau, ah ja, das ist ja ein Schwein!“ Und nicken eifrig.

Ob der Lernerfolg nachhaltig ist, darf jedoch bezweifelt werden: „Wenn sie zuhause sind, reden sie ja doch wieder nur Hochdeutsch“, seufzt Marschall. Doch auch das soll sich bald ändern! Münzinger plant bereist einen neuen Bairischkurs – für die Eltern.

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