Organisierte Feuerwerke und Lasershows statt privater Böller

Truderinger Grüne wollen ein Verbot von privatem Feuerwerk im Riemer Park durchsetzen

So schön es anzusehen ist: Feuerwerkskörper haben an Silvester 2018 laut der Deutschen Presseagentur (dpa) in Bayern 135 Brände mit sieben Verletzten und mehr als 918.000 Euro Sachschaden verursacht.
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So schön es anzusehen ist: Feuerwerkskörper haben an Silvester 2018 laut der Deutschen Presseagentur (dpa) in Bayern 135 Brände mit sieben Verletzten und mehr als 918.000 Euro Sachschaden verursacht.

Die Grünen haben im Truderinger Bezirksausschuss (BA) einen Antrag gestellt, privates Feuerwerk im Riemer Park zu verbieten. Stattdessen könnten sie sich eine Alternativveranstaltung, etwa mit Lasershow, vorstellen. Die CSU hingegen will das private Böllern nicht verbieten, sondern vielmehr Anreize schaffen, es freiwillig zu unterlassen.

Messestadt – Ein Feuerwerksverbot für den Riemer Park an Silvester 2020. Das sieht ein Antrag der Grünen in der vergangenen Sitzung des Truderinger BA vor. Demnach soll die Stadt durch eine Beschilderung an den Eingängen des Parks und durch Ordnungskräfte dafür sorgen, dass dort niemand mehr private Böller abschießt. Auf lange Sicht soll die Stadt das private Feuerwerk für den gesamten Bezirk innerhalb der nächsten fünf Jahre schrittweise stark einschränken und durch städtische Angebote ersetzen. Für 2020 soll die Stadt in dicht besiedelten Teilen der Messestadt bereits ein Böllerverbot verhängen. Böller definieren die Grünen dabei als einen Feuerkörper, der einen lauten Knall, jedoch keinen Funkenregen erzeugt. Die Begründung für den Antrag: Vor allem in dicht besiedelten Ortsteilen komme es regelmäßig zu Verletzungen und Sachschäden durch privates Feuerwerk, auch der Umwelt sei die Verschmutzung durch Böller nicht zuträglich. „Das ist eine Tradition, die sich überholt hat. Man kann auch anders in das neue Jahr starten“, glaubt Susanne Weiß (Grüne). Das Feuerwerk und die Böllerei habe Ausmaße angenommen, die dazu geführt hätten, dass manche Menschen sich zum Jahreswechsel nicht mehr auf die Straße trauen, heißt es im Antrag der Grünen. Die Konzentration auf einen oder mehrere zentrale Orte hingegen würde Kontrollen erleichtern sowie Zeit bei der anschließenden Reinigung einsparen. Als Alternative zu privatem Feuerwerk sehen die Grünen städtische Angebote mit musikalischer Untermalung und professioneller Choreographie. Dabei solle neben einem klassischen Feuerwerk auch an Alternativen wie Licht- und Lasershows gedacht werden. Der Willy-Brandt-Platz würde sich dabei als Standort anbieten. Maren Salzmann-Brünjes (SPD) schloss sich dem Antrag in der Sitzung an. Noch besser fände sie es aber, wenn das Böllern gleich im kompletten Stadtbezirk verboten würde. Auch bei Susan Beer (SPD) stieß der Antrag auf volle Zustimmung. „In den vergangenen Jahren gab es mehrere Brände in der Messestadt, die durch Feuerwerk ausgelöst wurden“, sagt sie. Stephen Sikder (CSU) hingegen war skeptisch, ob es gleich ein Verbot braucht, oder ob man die Bürger nicht lieber durch ein organisiertes Feuerwerk dazu anregen sollte, aufs Böllern zu verzichten. „Wir sollten uns unsere kleine, aber feine Nachbargemeinde Haar zum Vorbild nehmen, die jedes Jahr ein Feuerwerk im Sportpark Eglfing organisiert.“ So könne er sich den Riemer Park als Standort für ein von der Stadt organisiertes Feuerwerk vorstellen. „Ein Feuerwerk im Riemer Park gibt es nur über meine Leiche“, entgegnete daraufhin Weiß. „Wo bleibt denn da bitte der Umweltaspekt?“ Den Riemer Park für ein Feuerwerk zu sperren, sei schließlich Kern des Antrags gewesen. Magdalena Miehle (CSU) ergänzte, dass das Feuerwerk auf dem Hügel stattfinden könnte, sodass nur ein überschaubarer Teil des Parks betroffen wäre.

Ruth Pouvreau (Grüne) könne allerdings keinen Umweltgedanken darin erkennen, zusätzlich zur privaten Böllerei auch noch ein städtisches Feuerwerk zu veranstalten. Und Georg Kronawitter (CSU) wiederum schoss in Richtung Grüne: „Ihr könnt das als Verbotspartei handhaben, wie ihr wollt, aber der Park ist für die Menschen da!“

Susan Beer schlug daraufhin vor, mit Zuckerbrot und Peitsche zu arbeiten. „Ein schönes städtisches Feuerwerk kann, zusätzlich zu einem Verbot, ein Anreiz für die Bürger sein, den Schritt weg vom privaten Feuerwerk mitzugehen“, glaubt sie. Herbert Danner (Grüne) wehrte sich gegen Kronawitters Vorwurf der Verbotspartei und verwies darauf, dass der ursprüngliche Antrag von einer Bürgerinitiative kam, den die Grünen aufgriffen. Zudem solle sich Kronawitter verbal am Riemen reißen, fand Danner.

Schließlich stellte die CSU einen mündlichen Antrag, ein Feuerwerk durch die Stadt organisieren zu lassen. Dieser Antrag wurde zuerst abgestimmt und auch von den offenbar überrumpelten Grünen mitgetragen, denn eigentlich sah der Antrag kein Verbot von privatem Feuerwerk im Park vor und war demnach genau das, was die Grünen während der Diskussion ablehnten. Mit nur einer Gegenstimme wurde der Antrag dann trotzdem angenommen. „Wir hatten Angst, dass unser Antrag später nicht durchgeht“, erklärte Danner im Nachhinein das Abstimmungsverhalten gegenüber HALLO.Diese Angst war allerdings unbegründet, auch der Antrag der Grünen, das private Böllern zu verbieten, und stattdessen eine Veranstaltung mit Lasershow zu realisieren, ging durch — allerdings ohne die elf Stimmen der CSU.

Wie auch immer die Stadt nun auf die beiden Anträgen reagiert, in Zeiten von Corona ist es sowieso fraglich, ob 2020 Veranstaltungen zu Silvester stattfinden werden.

Lydia Wünsch

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